„Vertragslos“: Herr Gerhard Ruiss will mitreden. Das ist gut so.

Bei einer Kundgebung von SVA-Versicherten hat Gerhard Ruiss gefordert, dass auch die Anliegen der Patienten Gehör finden. Zumindest in der Öffentlichkeit haben das Vertreter der Ärzte und der SVA versprochen.

Gerhard Ruiss will die Gruppe der Patienten zum Souverän des Gesundheitssystems machen. © Christian M. Kreuziger

Die Herren, Damen scheinen ja bei den Verhandlungen bisher keine Rolle gespielt zu haben, die Herren Vertreter der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) und der Ärzte haben nun also zugestimmt, auch die Anliegen der Patienten anzuhören. Denen geht es nicht um Prozentpunkterln von Honorarerhöhungen oder Reduktionen, sondern um die Sicherheit, im Krankheitsfall von selbst ausgesuchten Ärzten des Vertrauens behandelt zu werden.

Während der vertragsfreien Zeit, in der die Alleininhaber der ICH-AGs, die „neuen Selbstständigen und Gründer“, der tendenziell notleidenden und unter dem Existenzminimum fristenden Künstler und der sich selbst ausbeutenden „freien Mitarbeiter“ der Medien, in Sozialberufen und sogar im Gastgewerbe (ja, es gibt auch „selbstständige Kellner und Köche!) ihre Arztrechnungen nicht bezahlen können, in dieser vertragsfreien Zeit also, sind diese Menschen auf die Leistungen von Institutionen angewiesen, die ohne Kostenvorschuss für die Gesundheit sorgen. Das sind Krankenhausambulanzen, deren Defizite nicht die Kassen, sondern die Bundesländer bezahlen, oder die Armenambulanz der Barmherzigen Brüder, bei der auch jene behandelt werden, die überhaupt nicht versichert sind.

Diese vertragslose Zeit hat trotz des Schweigegelübdes, das sich Politiker, Vertreter der SVA und auch der Ärzte offenbar auferlegt haben, wurde offenbar durch unüberwindbare Differenzen bei den unterschiedlichen ausgelöst, die ein neues Gesundheitssystem mit sich bringt. Der SVA-Generaldirektor nennt dies harmlos klingend „Vertrauensarztsystem“, die Ärztekammer spricht von „Care Management“ und beide Institutionen halten ihre Pro- und Kontra-Argumente verschämt zurück.

Vor allem die Vertreter der SVA wenden in Diskussionen gerne die Killerphrasen „Qualitätssicherung zugunsten der Patienten“, „aktuelle international und wissenschaftlich anerkannte Leitlinien“ oder „effizienten Einsatz der Versicherungsbeiträge“ an. Das stimmt auch alles, doch es ist nur ein kleiner Teil des des großen Feldes der bestmöglichen Betreuung.

Bereits 2003 hat die „Österreichische Gesellschaft zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen“ in ihrem Leitlinien-Manual festgestellt, dass  Patienten und deren Vertreter „intensiv in die Entscheidungsprozesse zur Erstellung medizinischer Leitlinien eingebunden werden sollen“.

In ihrer Dissertation schreibt die Expertin Elisabeth Höchtl: „Um Reibungsverluste, die durch die neuen Hierarchien der Entscheidungsinstanzen entstehen, zu vermeiden oder zumindest zu verringern, ist es notwendig, auch im mikroorganisatorischen Bereich die Leitlinien so zu erarbeiten, dass interdisziplinär das gesamte Betreuungsteam (Arzt, Pflegeberufe, Physiotherapeuten, Psychologen, Pharmazeuten etc.) gemeinsam mit den Patienten und deren (oft mitbetroffene) Angehörige eingebunden werden.“

Genau dies hat Gerhard Ruiss nun unüberhörbar eingefordert. Das ist gut so. Damit die Gruppe der Patienten das wird, was sie schon längst sein sollte: der Souverän des Gesundheitssystems.

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Schlagworte: Angst, Arzt, Ärztekammer, EbM, Gerhard Ruiss, Gesetz, Gesundheit, Gesundheitssystem, Grazer Autorinnenversammlung, Künstlersozialverscherung, Medien, Medizin, Politik, Soziales, SVA, vertragslose Zeit, Zwangsbeglückung,

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