Drei Mal Eiernockerl als Honorar…

Ein Management- und Beteiligungsunternehmen, das sich laut eigenen Angaben auf die Beratung von Gastronomiebetrieben spezialisiert hat, zeigt bei der Partnersuche aus dem Bereich Public Relations vor, wie man die Besten der Besten gewinnt. Sofern diese gerade sehr hungrig sind und sich ein Gasthausessen  nicht leisten können.

Möglicherweise die neue Honorar-Währung für Kreativberufe: Eiernockerl. © Christian M. Kreuziger

Möglicherweise die neue Honorar-Währung für Kreativberufe: Eiernockerl. © Christian M. Kreuziger

Eine Massenmail, die offenbar wahl- und ziellos an diverse PR-Agenturen und sonstige Dienstleister der Kommunikationbranche verschickt wurde, lässt die Herzen potentieller Haubenlokalesser, die knapp bei Kasse sind, höher schlagen:

„Sehr geehrte Damen und Herren, XXXX sucht für ein alteingesessenes und renommiertes Haubenrestaurant in der Wiener Innenstadt eine Werbe- und PR-Agentur. Folgende Dienstleistungen würden wir erwarten:

· Redaktionelle und grafische Gestaltung eines Newsletter (1x monatlich)
· Gestaltung diverser Drucksorten (Flyer für Events, Produktinformationen, Speisekarten)
· Betreuung der Facebook-Seite (laufend)
· Contentmanagement der Homepage (laufend)
· Presseaussendungen (2 pro Monat)
· Gestaltung von Inseraten ( 2 pro Monat)
· Schreiben von Presseartikel (2 pro Monat)

Es wird eine langfristige Zusammenarbeit angestrebt und wir ersuchen um ein monatliches Pauschalangebot. Da nur ein sehr eingeschränktes Budget vorhanden ist, bitten wir auch die Bereitschaft von Gegengeschäften (Essenskonsumation) in diesem Angebot anzugeben.“
Es ist ja gang und gäbe, dass die Geiz-ist-geil-Mentalität mittlerweile absurde Formen annimmt. Dass nun jedoch ein angebliches „Consultingunternehmen“ derart unprofessionell Dienstleister sucht, die mehrere Berufe abdecken, ist nun doch bemerkenswert und sorgt in der Branche für große Heiterkeit. So wird derzeit schon an Gegenangeboten getextet, die wahrscheinlich so lauten werden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind eine hochprofessionelle Agentur (wahlweise auch Gruppe von Dienstleistern), die regelmäßig das Essen im Büro (wahlweise Homeoffice) verzehrt. Um das von Ihnen betreute Haubenlokal besser bekannt zu machen laden wir sie ein, uns täglich für die ganze und gar nicht so kleine Gruppe ein siebengängiges Menü inklusive der gewünschten Getränke zu liefern.

Folgende Leistungen erwarten wir:

eine kleine kalte Vorspeise (wahlweise individuell vegan, vegetarisch, traditionell)

eine Suppe mit verschiedenen Einlagen

ein Pastagericht (je nach Saison mit weißer oder schwarzer Trüffel verfeinert)

ein Hauptgang Fisch (verschonen sie uns jedoch mit Pangasiusfilets!)

ein Hauptgang mit Fleisch und raffiniert zubereiteten Beilagen (wahlweise vom Schwein, Rind, Geflügel)

ein süßes Dessert (mit saisonalem Obst ergänzt)

Käse zum Abschluss.

Da unser Know How und das von uns verwendete Equipment extrem teuer war ist unser Budget leider eingeschränkt, im Gegenzug bieten wir – sehr langfristige Zusammenarbeit vorausgesetzt – jedoch an, uns nach dem Mittagsmahl jeweils 20 Minuten bei der Arbeit zusehen zu können.

Wir erwarten gerne Ihr diesbezügliches Angebot.

Zu erwarten dürfte allerdings sein, dass man sich beim Gastro-Dienstleister wahrscheinlich denkt: Drei Portionen Eiernockerl sind ja genug für das Biss’l PR.

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Schlagworte: Abzocke, Abzockerei, Österreich, Gastronomie, Honorar, Medien, PR, Pressefoto, Public Relations, Wien, Zwangsbeglückung,

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Ein Kommentar zu Drei Mal Eiernockerl als Honorar…

  1. Richard sagt:

    Herrlich!! wenns nicht traurig wär, eigentlich. Danke für diesen Artikel, der mir den Tag versüßen wird. Aber unser Gesellschaft ist ja in allen Belangen auf das Geiz-ist-geil Gehabe aufgesprungen. Zumindest wenns ums Geben geht….
    Werde meine nächsten Bewerbungsunterlagen überdenken und Anleihe an Deinen Anregungen nehmen versuchen!
    liebe Grüße Richard

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