Egal ob Duden oder Juden – treten Sie zurück, Herr Karl Simlinger!

Der Bürgermeister der Stadtgemeinde Gföhl in Niederösterreich, Karl Simlinger (ÖVP)  hat wegen eigenartiger Wortwahl heftige Diskussionen ausgelöst. Welches Zitat auch immer stimmen mag – der Mann ist rücktrittsreif. Vorher sollte er jedoch noch diesen offenen Brief beantworten.

Ghetto Theresienstadt: Für zigtausende war diese

Ghetto Theresienstadt: Für zigtausende Menschen war diese „den Juden vom Führer geschenkte Stadt“ die Endstation oder der letzte Zwischenstopp vor dem Vernichtungslager. Dieses Mahnmal sollten auch österreichische Provinzpolitiker besuchen. Oder eines der zahlreichen KZ im Heimatland. © Christian M. Kreuziger

Geehrter Herr Simlinger!

Den Medien und anderen Quellen entnehme ich, dass Sie derzeit mit zwei unterschiedlichen Äußerungen zitiert werden:

Zitat 1:

„Mir gehen die Scheiß-Asylanten sowieso am Oasch, aber schuld sind die Pressefritzen, die gehören aufgehängt, de san wia de Juden!”

Zitat 2: (Das von Ihnen als Erklärung stammen soll)

„Ich habe auf die Vorwürfe gesagt, ,Die Journalisten‘ – nicht Pressefritzen – ,hängen sich an etwas auf, das bereits wieder ganz anders ist. Die zitieren aus dem Duden‘.“

Da ich mich von diesen inkriminierenden Äußerungen gleich dreifach betroffen fühlen muss fordere ich Sie auf, mir einerseits (vielleicht eidesstattlich) zu erklären, welchen Wortlaut sie konkret gewählt haben.

Sollte Zitat 1 stimmen:

Treten Sie zurück. Sofort. Entschuldigen Sie sich öffentlich bei all jenen, denen Sie den Tod an den Hals wünschen. Verzichten Sie auf öffentliche Subventionen, falls Sie noch Landwirt sind. Senken Sie den Blick, wenn Sie aufrechten Menschen begegnen.

Sollte Zitat 2 zutreffen:

Treten Sie zurück. Sofort. Buchen Sie einen Deutschkurs in der nächsten Volkshochschule. Bei nächster Gelegenheit.

Und: Erklären Sie öffentlich den Sinn dieser kryptischen Aussage. Ich jedenfalls verstehe das nicht.

Mit Grüßen,

Christian M. Kreuziger

Dreifach betroffen bin ich, weil:

1. Meine gesamte Familie väterlicherseits bis auf drei Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit den Holocaust nicht überlebt haben.

2. Meine Familie mütterlicherseits ihre Heimat verlassen musste und ich der erste in Österreich geborene „Asylantensohn“ bin

3. Weil ich Journalist bin, der übrigens nicht „aus dem Duden zitiert“, weil das nur ein unverständliches und unlesbares Gestammel wäre.

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