Pistolen gegen Terror? Unsinn!

In Österreich – und vielleicht auch in anderen Ländern Europas – boomt der legale Handel mit Waffen aller Art. Offenbar steigt die Angst in der Bevölkerung, die allerdings bestenfalls als „diffus“ zu bezeichnen ist. Ebenso steigt das trügerische Sicherheitsgefühl, wenn Waffen im Haus sind. Fakt ist aber auch: Die von Regierungen und Parlamenten betriebene Entwaffnung der Bürger ist ebenso dumm-naiv wie das Aufrüsten mancher Zivilisten.

Die Bürger rüsten auf, weil die Angst steigt. Ungebübte gefährden allerdings sich selbst und andere. Dennoch ist die Entwaffnung des Volkes abzulehnen. Aus demokratiepolitischen Gründen. © Christian M. Kreuziger | bildtext.com

Die Bürger rüsten auf, weil die Angst steigt. Ungeübte gefährden allerdings sich selbst und andere. Dennoch ist die Entwaffnung des Volkes abzulehnen. Aus demokratiepolitischen Gründen. © Christian M. Kreuziger | bildtext.com

In den Foren für oder gegen privaten Waffenbesitz wird so heftig diskutiert, dass die Online-Kabel sinnbildlich glühen. Die Befürworter von privatem Waffenbesitz rüsten – verbal und teilweise auch real – auf, die Beschwichtiger und Waffengegner setzen Argumente ein, die ebenfalls in die Kategorie „psychologische Kriegsführung fallen könnten.

Die Fakten sind klar: Jene europäischen Staaten, die sich durch besonders restriktive und immer härtere Gesetze auszeichnen, haben die Zahl der Gewalttaten nicht reduzieren können. Oft ist das Gegenteil der Fall. In Regionen, in denen die Dichte an privaten Waffen als sehr hoch zu bezeichnen ist, passiert oft überraschend wenig.

Der Rückschluss, dass mehr Waffen auch mehr Sicherheit bringen, ist allerdings ebenfalls falsch. Es ist eher die regionale Kultur der Menschen, die soziale Situation oder in manchen Fällen auch die lange Tradition, Waffen zwar zu besitzen, aber nicht bei Konflikten einzusetzen.

Wie hysterisch die Gesetzgeber in Europa bereits Regelungen beschlossen haben, ist leicht nachvollziehbar, wenn man europaweite Bestimmungen vergleicht.

Bestimmungen, mit denen übrigens nicht die mit Camouflage-Hosen bekleideten Männer mit Rambo-Ambitionen nach dem sechsten Bier konfrontiert sind, sondern Fischer, Campingurlauber oder einfache Reisende.

Beispiele gefällig? Bitte sehr. In Frankreich sind zum Beispiel Klappmesser streng verboten, deren Klinge man fixieren kann. Dazu gehört auch ein klassisches Exportgut: Das klassische Laguiole-Taschenmesser mit feststellbarer Klinge. Oder das bekannte Opinel, das ebenfalls arretiert werden kann.

Ein Messer, dass traditionell zum Schneiden von Wurst, Käse und dem Baguette verwendet wurde und noch wird.

Hysterische Gesetzgebung zeichnet auch andere Länder aus. In Deutschland sind Messer, die mit einer Hand geöffnet werden können, verboten. In Norwegen ist das Mitführen jeglicher Messer in der Öffentlichkeit verboten.

Dass Schusswaffen nur mit Genehmigung besessen oder gar geführt werden dürfen, ist nachvollziehbar. Jeder Jäger, Sportschütze, Polizist oder Soldat kennt die Wirkung dieser Waffen und kann meist auch damit umgehen. Je besser diese legalen Waffenbesitzer ihre Verteidigungs- oder Sportgeräte kennen und damit umgehen können, umso größer auch das Bewusstsein, dass man auch schwer bewaffnet als einzelner gegen potentielle Angreifer oder auch Terroristen kaum eine Chance hat. Selbst wenn auch andere legal bewaffnet sein sollten: Freund und Feind zu unterscheiden ist in diesen Fällen nahezu unmöglich.

Abgesehen von den Mühen des Alltags, bewaffnet durch die Gegend zu rennen: Einen Revolver oder eine Pistole zu führen finden nur jene großartig, denen meist aus guten Gründen die Genehmigung zum Führen von Schießgeräten untersagt ist. Diese Asphalt-Cowboys denken nicht daran, dass sie auf das zweite Krügel zum Frühstück besser verzichten sollten. Dass eine entsprechend wirksame Waffe, auch wenn sie wie Glock und Co. zum Teil aus Kunststoff sind, geladen immer noch knapp ein Kilo wiegen, auch daran wird von diesen Zeitgenossen nicht gedacht.

Ebensowenig bedenken diese Möchtegern-Gesetzeshüter, dass die Kleidung durch Waffen verdreckt oder auch schnell ruiniert wird. Oder es ist ihnen egal. Aus welchen Gründen auch immer.

Möglicherweise haben diese Freizeit-Rambos zu viele schlechte Filme aus Übersee gesehen. Denn die wenigsten von ihnen würden mit einer Pistole oder einem Revolver ein Ziel in 15 Metern Entfernung treffen. Schon gar nicht, wenn sich dieses bewegt, wie dies potentielle Angreifer zu tun pflegen.

Dass das Führen von Faustfeuerwaffen durch ungeübte Bürger ein Mittel gegen Terroranschläge sein könnte, muss man ebenfalls als Phantasie aus dem Reich der Hollywood-Drehbuchautoren bezeichnen. Die meisten dieser ungeübten Waffenträger würden eher sich selbst oder andere Unschuldige verletzen.

Ebenso als Phantasten muss man auch jene Politikschaffenden, die das Volk komplett entwaffnen wollen, bezeichnen. Denn es ist ein zutiefst undemokratischer Akt. Das haben die Schergen des dritten Reiches klar gezeigt, als über Juden ein strenges Waffenverbot verhängt wurde, die uniformierten Parteigänger hingegen reichlich mit Waffen ausgestattet wurden. Ein vollkommen entwaffnetes Volk oder eine unerwünschte Minderheit kann sehr leicht unterdrückt und einem möglichen Staatsterror ausgesetzt werden.

Dass nun immer mehr Menschen vermehrt Waffen erstehen, ist dennoch nachvollziehbar. Weil das Unsicherheitsgefühl und damit auch ein Ohnmachtsgefühl steigt. Weil die politische Diskussion nicht mehr glaubwürdig ist. Denn während die eine Gruppe der Politikschaffenden wider besseres Wissen verharmlosend über Kriminalität diskutiert und eine andere Gruppe jede gröbere Wirtshausrauferei, sofern sie „von denen da“ ausgeübt wird, dramatisiert.

Faktum jedenfalls bleibt: Eine gute Sicherheitspolitik bedeutet nicht Be- oder Entwaffnung des eigenen Volkes. Eine gute Sicherheitspolitik ist gute Sozialpolitik. Lokal, national und auch international. Dann – und nur dann – kann die Kriminalitätsrate gesenkt und das Sicherheitsgefühl gestärkt werden.

Faktum bleibt jedoch auch: Wer verlässlich ist, soll auch sein Heim notfalls mit Waffen schützen können. Unter zwar strengen, aber fairen gesetzlichen Voraussetzungen. Denn illegale Waffen wird es weiterhin geben, ebenso wie die steigende Gewaltbereitschaft bestimmter Straftäter. Von denen sich dann wahrscheinlich der eine oder andere abschrecken lassen wird, wenn mit Gegenwehr potentieller Opfer zu rechnen ist.

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Schlagworte: Österreich, Gesetz, Justiz, Medien, Pistole, Polizei, Revolver, Schützen, Selbstverteidigung, Sicherheit, Soziales, Terror, Waffen, Zwangsbeglückung,

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4 Kommentare zu Pistolen gegen Terror? Unsinn!

  1. Anonymous sagt:

    Wow. Es fehlt etwas ganz oben in diesem Artikel:
    Man sollte hier dazuschreiben, dass auch dieser Artikel Argumente einsetzt die in die Kategorie der „psychologische[n] Kriegsführung“ fallen könnten.
    Man kann nicht erst andere kritiesieren und danach das gleiche machen. In diesem Artikel werden Leute als grenzdebile Deppen bezeichnet, die das Recht haben wollen eine Waffe zu tragen. Beispiel gefällig? Bitte sehr: “ Asphalt-Cowboys“, „Asphalt-Cowboys“, „Freizeit-Rambos“. Deine Argumente mögen ja stimmitg sein (ich werde mich hierzu nicht auslassen), aber du kritisierst zuerst die Diskussionskultur und machst dann genau so weiter wie die, die du kritisierst. Good Job!

  2. Bernhard Schindler sagt:

    Für mich ist es eigentlich recht simpel:
    Ist eine Waffe eine Garantie dafür, einen Terroranschlag zu überleben?
    Nein.
    Ist das Nichtvorhandensein des Rechts, eine Waffe führen zu können, eine Garantie dafür, dass man im Falle eines Terroranschlags komplett wehrlos ist?
    Ja.
    Fakt ist: Wer sich wehren kann, hat zumindest eine Chance. Wer sich nicht wehren kann, wird abgemetzelt wie Vieh, genau wie in Frankreich, wo die Leute nur am Boden liegen und sich die Ohren zuhalten konnten, während die Terroristen seelenruhig mehrere Magazinladungen in die Mengen gefeuert haben.
    Der Islamismus wird nicht aufhören, nur weil sich die Leute hier bewaffnen. Genau wie ein Sicherheitsgurt keine Autounfälle verhindern kann. Man überlebt dann aber ggf. einfach eher…

  3. admin sagt:

    Leider kenne ich viel Asphalt-Cowboys und Möchtegern-Rambos. Diese möchte ich einfach nicht bewaffnet wissen. Weder als altgedienter Soldat, noch als Sportschütze.

  4. Horst sagt:

    Lol. Du Idiot…

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