Ärztesoftware: fragwürdige und unerwünschte Pharma-Werbung

Bereits im vergangenen Jahr ist die Softwarefirma „Innomed“ in die Schlagzeilen geraten. Der Grund: Man hatte in die Ordinationssoftware ohne Wissen der Ärzte eine Schnittstelle eingebaut, um für ein Marktforschungsunternehmen anonymisierte Patientendaten zu übermitteln. Jetzt sorgt das Unternehmen neuerlich für Verärgerung seiner zahlenden Arztkunden. Mit eingeblendeter Werbung für ein Potenzmittel.

Unerwünschte Werbung in teuer bezahlter Ordinationssoftware sorgt bei Ärzten für Unmut. © Christian M. Kreuziger

Unerwünschte Werbung in teuer bezahlter Ordinationssoftware sorgt bei Ärzten für Unmut. © Christian M. Kreuziger

Eine ganze Gruppe von Ärzten überlegt derzeit, den Anbieter der Ordinationssoftware zu wechseln. Denn immer wieder sorgt das Unternehmen mit hinterfragenswerter Firmenpolitik für Ärger unter den Kunden. Bereits vor Jahren hatte ein klammheimlich installierter Programmbestandteil den Zorn von Ärzten und Ordinationsgehilfinnen erregt. Beim Eintrag einer Diagnose öffnete sich ein Pop-Up-Fenster mit einem Medikationsvorschlag. Nach heftigen Protesten wurde dieser Programmbestandteil wieder deaktiviert.

Im Vorjahr dann die nächste Aufregung, die sowohl Politik, Datenschützer als auch die Medien beschäftigte. Ebenfalls ohne die Kunden zu informieren hatte das Unternehmen eine Schnittstelle zum US-Marktforschungsunternehmen „IMS Health“ im Ordinationsprogramm installiert, über das zumindest bei einigen hundert Ärzten anonymisierte Patientendaten übermittelt wurden.

Knapp ein halbes Jahr später sorgt das Unternehmen „Innomed“, das von der deutschen Gruppe „Compugroup“ gekauft wurde, neuerlich für massive Verärgerung in heimischen Ordinationen. Schon beim anklicken des Fensters für die Medikation der Patienten wird zum Beispiel in urologischen Ordinationen ein Werbebanner für „Cialis“ eingeblendet.

Was bleibt ist die Vermutung: Die Firmenpolitik zielt auf Gewinnmaximierung, in diesem Fall mit mehr als hinterfragenswerten Methoden. Was die betroffenen Ärzte besonders wurmt: Die Lizenzgebühren für die Software sind nicht gerade gering und der Telefonsupport durchaus auf jenem Niveau, wie ihn Konsumenten von nervenaufreibenden Hotline-Telefonaten mit Telekommunikationsunternehmen kennen.

Bericht im Standard über die Datenschnittstelle

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3 Kommentare zu Ärztesoftware: fragwürdige und unerwünschte Pharma-Werbung

  1. Kurt Neuwirth sagt:

    Lieber Christian, sag‘ bitte, ist es Deine Absicht, Zufall oder geniale Positionierung durch ein ausgeklügeltes Programm, dass ausgerechnet unter diesem Posting eine Werbung für eine Arztsoftware auftaucht?

  2. admin sagt:

    Google-Werbung kann manchmal unbarmherzig sein… 😉

  3. stefan sagt:

    Also, die Werbung in dem Programm ist eher belanglos. Viel schlimmer ist die Abhängigkeit vom softwarehersteller, die es zb unmöglich macht, ohne Support Einsatz einen Drucker auszutauschen.

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