Polizist #911**** droht mit Festnahme, #21*** verweigert das Gespräch

Man muss es ja zugeben: Österreichs Polizei ist im internationalen Vergleich durchaus als sehr bürgerfreundlich zu bezeichnen. Allerdings scheinen manche der Herren von der Exekutive ihre geborgte Macht ein wenig falsch zu interpretieren.

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Hektische Betriebsamkeit nach der Alarmauslösung… © Christian M. Kreuziger

Schauplatz Wien-Alsergrund, Freitag, ca. 23:40: Die Alarmanlage des dm-Markts am Julius Tandler-Platz heult auf. Gegenüber eine Pizzeria, deren Gäste zwar interessiert die Sirene und das Blinklicht wahrnehmen, aber sich weiterhin ihren beschaulichen Gesprächen widmen. Bis auf den Suderer, der nachschauen geht. Weil in der Gegend ja zuletzt mehrmals eingebrochen wurde, wie zum Beispiel beim Friseur seines Vertrauens, der nun keinen Computer mehr hat und auch einige andere Dinge vermisst.

Ziemlich zeitgleich mit dem Ohrenzeugen, dem Suderer also, trifft auch die Polizei ein. Ziemlich schnell sogar, was die Bürger und Bürgerinnen durchaus beruhigen darf. Wenig beruhigend ist allerdings, dass man sofort als verdächtig gilt, wenn man zum Schauplatz einer Alarmauslösung eilt und interessiert das Geschehen beobachtet. Aus reiner Neugier – oder wie in diesem Fall – aus professionellem Interesse als Journalist. Oder einfach, weil man nicht wegschaut, sondern hinschaut. Um im Bedarfsfall einen Einbrecher beschreiben zu können.

Womit unsereins allerdings nicht gerechnet hat war die Reaktion des Herrn Polizeibeamten Nummer 911****. Der hat nämlich – nicht gerade von der Muse der Höflichkeit geküsst – gleich einmal einen „Tatverdacht“ ausgesprochen. Und den Ausweis verlangt. Was durchaus verständlich ist und auch als professionell bezeichnet werden darf. Allerdings in einem nicht gerade adäquaten Tonart.

Dass der Suderer im Gegenzug den Herrn Nummer 911**** um eine Visitenkarte gebeten hat, weil ihm weder die Unfreundlichkeit noch der offensichtlich unbegründete Verdacht, ein Einbrecher zu sein, nicht gefallen hat, das hat den jungen Beamten allerdings gar nicht gefreut. Und zwar gleich so wenig gefreut, dass er dem Suderer sogleich die Festnahme angedroht hat.

Auch der erfahrene Kollege, jener im Chargenrang mit der Dienstnummer 21***, dem der Suderer höflich aber bestimmt erklären wollte, dass miteinander reden sehr hilfreich ist, um Missverständnisse aufzuklären, hat ihm nur die kalte Schulter gezeigt.

Aber vielleicht waren die Damen und Herren ja nur vom anstrengenden Dienst gestresst.

Was aus dieser kleinen und auch relativ unbedeutenden Erfahrung zu lernen ist, ist einfach erklärt.

1.: Bürgerin, Bürger – schau prinzipiell weg und halte dich von einem möglichen Tatort fern. Man bekommt nur Probleme, wenn man sich für das Geschehen interessiert. Nicht nur durch mögliche Täter, sondern auch durch jene, die uns schützen.

2.: Auch unter den seit Jahrzehnten von den Bewohnern des Alsergrunds geschätzten Polizisten gibt es offenbar einzelne, die vielleicht noch nicht genug geschult sind, was Bürgernähe eigentlich bedeutet.

3.: Bürgerin, Bürger – vergiss alles, was uns die Filme über professionelle Polizeiarbeit vermitteln. Die Wirklichkeit ist oft enttäuschend.

4.: Bürgerin, Bürger – beschwere Dich nicht, wenn du dich ungerecht beamtshandelt fühlst. Nur wenn Du amtsbekannter Freund der „Freunde und Helfer“ bist, hast Du eine reale Chance, nicht sogleich als Querulant bezeichnet und behandelt zu werden.

Nachbemerkung:
Der Suderer, dem die Festnahme angedroht wurde, hat kurz vorher in der Pizzeria noch einem Kollegen einer sehr großen Tageszeitung erzählt, wie großartig die Beamten im 9. Bezirk arbeiten und angeregt, darüber entsprechend zu berichten. Was vielleicht ja noch geschehen wird…

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