Mariahilferstraße: Die Pseudo-Fußgängerzone

Eigentlich ist unsereiner ja ein großer Befürworter von Fußgängerzonen. Wenn sie klug geplant und angelegt sind. Der Lokalaugenschein in der „Mahü“ lässt jedoch nur einen Schluss zu: Die Planer aus Politik und Verwaltung sind offenbar schwer überfordert.

Begegnungszone, Fußgängerzone, Flaniermeile: Gescheitertes Experiment in der Wiener Mariahilferstraße auf Kosten der Stzeuerzahler. © Christian M. Kreuziger

Begegnungszone, Fußgängerzone, Flaniermeile: Gescheitertes Experiment in der Wiener Mariahilferstraße auf Kosten der Stzeuerzahler. © Christian M. Kreuziger

Es fällt schwer, nach dem Besuch der angeblichen Fußgängerzone in der Mariahilferstraße nicht gegen das Strafgesetz (Üble Nachrede, Ehrenbeleidigung) zu verstoßen, wenn man die Hervorbringung der beteiligten Politikschaffenden und Planer zu beschreiben versucht.

Bleiben also die Fakten. Zum Beispiel, dass nur ein sehr kleiner Bereich der Einkaufsstraße als „Fußgängerzone“ bezeichnet werden darf. Also jenes kurze Stück zwischen Andreasgasse und Neubaugasse. Der Rest ist eine als „Begegnungszone“ bezeichnete Verkehrsfläche, auf der man zwar auch schlendern darf, was man allerdings tunlichst vermeiden sollte. Das liegt an Radlern, die mit der doppelten Geschwindigkeit als erlaubt (20 km/h) unterwegs sind, aber auch an den zwei- und vierrädrigen Fahrzeugen jeglicher Art, die legitim unterwegs sind.

Dass auch Autofahrer die „Fuzo“, also die echte, ignorieren, hat auch vielerlei Gründe: Präpotenz, noch nicht aktualisierte Navigationsgeräte, verwirrende Beschriftung oder der Frust, den der Einbahnzirkus auslöst, wenn man einmal in die Falle getappt ist und nicht mehr aus dem Grätzel herausfindet.

Zumindest am 15. Oktober, einem warmen und sonnigen Nachmittag, hielt sich auch der Ansturm der Menschen in Grenzen. Jene, die dort arbeiten oder einkaufen, die bleiben weiterhin auf den bequemen Gehsteigen und in der Nähe der Auslagen. Ein paar Unerschrockene schlendern, manchmal mit Hund oder Kind, mutig auf der ehemaligen Fahrbahn. In der Mitte natürlich, denn die Pflastersteine auf den ehemaligen Parkstreifen sind auch mit flachen Schuhen nicht bequem zu begehen.

Die Fußgänger jedenfalls, die sind auch in dem kleinen und entbehrlichem Stückerl „echte Fuzo“, als minimale Minderheit zu bezeichnen. Was nicht wundert, bei den Radlern, die sich – nona – nicht an das „Schritttempo“ halten. Oder weil eben noch relativ viele Autos, mitunter auch recht flott, dahinbretteln. Dort, wo der Bus durch die „Begegnungszone“ schleicht, ist es überhaupt zu eng für alle. Und auch zu gefährlich, weil man ja auch mit jenen Deppinnen und Deppen rechnen muss, die ohne auf die Umgebung zu schauen ihre SMS oder Facebook-Statusmeldungen tippen. Manche sogar beim Radelfahren.

Was ebenfalls nicht zum Flanieren einlädt: Die Schanigärten der diversen Systemgastronomen schotten sich in Richtung Fahrbahn mit den Begrenzungswänden aus Glas oder anderen Materialien hermetisch ab, sind als von der Fahrbahn aus nicht zu betreten. Und dass die „Möblierung“, also die Parkbankerln, auch so aufgestellt sind, dass die Blickrichtung zu den Hauswänden gegeben ist, macht das Konstrukt auch nicht besser.

Was das Fazit des Besuchs betrifft: Man bekommt das Gefühl, dass die „Mahü“ nicht belebter, sondern toter geworden ist, dafür aber die Radler eine neue flotte Route vom Westbahnhof zur Innenstadt bekommen haben. Wo sie zwar nicht rasen dürfen, es manche aber trotzdem tun.

Den Verantwortlichen bleibt nur zu raten: Macht Schluss mit dem Spuk. Jetzt. Das verschleuderte Geld brauchen Institutionen aus dem Sozialbereich oder der Kultur dringender.

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Schlagworte: Österreich, Fußgängerzone, Fuzo, Grüne, Kosten, Maria Vassilakou, Mariahilferstraße, Politik, Stadt, Steuergeld, Verkehr, Wien, Zwangsbeglückung,

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4 Kommentare zu Mariahilferstraße: Die Pseudo-Fußgängerzone

  1. „Das liegt an Radlern, die mit der doppelten Geschwindigkeit als erlaubt (20 km/h) unterwegs sind, aber auch an den zwei- und vierrädrigen Fahrzeugen jeglicher Art, die legitim unterwegs sind.“

    In der Begegnungszone sind 20 km/h erlaubt, meinen Sie tatsächlich, dass die Radler (ich nehme an, Sie meinen damit alle oder zumindest einen großen Teil) mit 40 km/h unterwegs sind? Vielleicht wäre Wien dann ja eine Hochburg des Radsports, so eine Durchschnittsgeschwindigkeit sucht sicher ihres gleichen, vor allem, wenn man die Fahrt bergauf Richtung Westbahnhof betrachtet.

    Aber abgesehen davon: Die MaHü fühlt sich jetzt „toter“ an, weil endlich keine Autos dort herumfahren, weil man Menschen hört, und nicht Motoren. Dass baulich nachgezogen werden muss und Details geändert werden müssen, ist klar, aber einen „Rückbau“ zu fordern und Stopp zu schreien halte ich für kurzsichtig.

  2. n sagt:

    Flotte Radroute vom Westbahnhof zur Innenstadt gab es schon davor. Andere Richtung geht so, ist aber auch durch die Steigung nicht so flott. Was es davor nicht gab und auch ohne Fuzoquerung nicht geben würde ist eine sichere Route, sprich eine wo man mit Kind rauf oder runter fahren würde. Nicht jedes Kind soll oder will abgeschirmt durch die Welt transportiert werden.

    Bauliche Gegebenheiten adaptieren braucht entweder etwas mehr Zeit oder viel mehr Geld und entweder einen stärkeren diktatorischen Drang bzw. mehr repräsentative Demokratie oder eine gesündere direkte Demokratie. Für letzteres an der eigenen Nase fassen – raunzen und mitbestimmen sind zwei unterschiedliche Sachen.

  3. R. Hinger sagt:

    Ich bin Fahrradbefürworter, soviel vorweg, und ich fahre selber viel und gern. ABER: Was AutofahrerInnen in jahrzehntelanger Übung weitgehend verinnerlicht haben, müssen etliche RadlerInnen (schätzungsweise ca. 30 %) noch lernen: So wie das Auto im Straßenverkehr kein Sportgerät ist (weil das viel zu gefährlich ist), sondern ein Fortbewegungsgerät, das mehr „kann“ als es darf, so ist auch das Fahrrad kein Sportgerät, sondern halt „nur“ ein Fortbewegungsmittel, wenn es im Straßenverkehr eingesetzt wird. So wie das Auto gefährlich ist, ist es auch das Rad. Gefährdet sind (überwiegend unverschuldet, wäre aber egal:) Kinder, Ortsunkundige, FußgeherInnen, andere Radfahrer … Das Radfahren wird solange ein Imageproblem haben, solange die dafür geltenden Regeln nicht eingehalten werden. Mein spezieller Gruß gilt da denen, die mir am Radweg gegen die Einbahn entgegenkommen. Radfahren schützt vor Egoismus nicht und nicht vor Rücksichtslosigkeit.

  4. Die mariahilfer Strasse war schon immer ein ort der Begegnungen

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