Die SVA und das katastrophale Kommunikationsmanagement

Der SVA-Generaldirektor bricht ein Interview ab, übt sich im „Standard-Chat“ in vornehmer Zurückhaltung bei der Beantwortung konkreter Fragen und widerspricht sich. Vielleicht sollte er sich neue Kommunikationsberater suchen, denn die öffentliche Wirkung ist katastrophal.

Angeblich sind die Verhandlungen zwischen der SVA, der Krankenkasse der gewerblichen Wirtschaft, an den hohen Honorarforderungen gescheitert. Das sagt zumindest der Generaldirektor der Anstalt, Herr Magister Stefan Vlasich. Die SVA-Tarife seien deutlich höher als jene der Gebietskrankenkassen, als Beispiel werden immer die hohen Kosten für Laborbefunde angeführt und sogar an der Eingangstür zum Beratungszentrum plakatiert, um plakativ demonstrierende Versicherte der Anstalt gegen die Ärztekammer einzustimmen.

Bei bestimmten Leistungen zahlt die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft tatsächlich höhere Tarife als die Gebietskrankenkassen. Allerdings: die Sätze für einige Tarife sind jedoch geringer als jene der anderen Kassen. Ebenso wie die Gebietskrankenkassen gilt auch bei der SVA, dass bestimmte Leistungen nur begrenzt gewährt werden. Die Honorierung des ärztlichen Gesprächs, dessen Honorierung Patientenvertreter und Ärzte noch vor zwanzig Jahren massiv eingefordert haben, wird derzeit von der SVA mit 10,90 Euro honoriert, allerdings nur bei maximal 11% der Patienten/Quartal.

Dies wird vornehm verschwiegen in der Diskussion mit den protestierenden SVA-Versicherten.

Dafür wird mit Angst machenden Horrorszenarien gedroht. Ärzte würden die Situation nun ausnützen, um exorbitant hohe Privathonorare von den SVA-Kunden während der vertragsfreien Zeit verlangen. Tatsächlich halten sich die meisten Ärzte an die Tarifempfehlungen der Kammer. Statt 10,90 Euro verrechnen viele nun 13,08 Euro für das therapeutische Gespräch. Bei einem „echten“ Privathonorar müssen Patienten dafür mit Kosten von rund 75 Euro rechnen. Bei den Damen und Herren Professoren kostet das dann auch schon einmal das Doppelte.

Generaldirektor Vlasich und die kreative SVA-Terminologie

Im Telefoninterview am Freitag, dem 28. Mai 2010 hat SVA-Generaldirektor die konkreten Prozentsätze genannt, die gefordert (von der Ärztekammer) oder geboten (von der SVA) wurden. Jährliche Steigerungen von 1,46% (Forderung der Ärzte) stünden, so Vlasich, dem Angebot von 0,34 (Angebot SVA) gegenüber. Dass diese Differenz von knapp einem Prozent der Grund für das Scheitern der Verhandlungen gewesen sein soll, das klingt nicht gerade glaubwürdig. Deshalb hat der General, allerdings eher nebenbei und Folgefragen ausweichend, noch erwähnt, dass auch „ein neues Modell der Versorgung“ entwickelt werden soll.

“Wir haben drei Ziele, in die wir investieren wollen. Die Prävention, die wir stärken wollen, die Einführung des Arztes als Lotse und Gatekeeper für die Behandlung chronisch Kranker nach EbM-Richtlinien und die Betreuung von Akutpatienten”, so der SVA-Generaldirektor am 28. Mai. Dass es sich dabei um ein „Hausarztmodell mit Gate-Keeper-Funktion“ handelt, hat Vlasich am Freitag noch bestätigt.

Ganz anders klingt dies am am 1. Juni während der Kundgebung der facebook-Gruppe „Vertragsloser Zustand“. Auf konkrete Fragen antwortet der Kassenmanager mit – nennen wir es politischen – Argumenten. Gleichlautend auch die Antworten, sofern man die Statements überhaupt so nennen kann – im „Standard-Chat“. Vlasich: „Einer unserer Reformvorschläge war das populationsbezogene Hausarztmodell – wo wir besonders die Versorgung von chronisch kranken PatientInnen in den Mittelpunkt stellen wollen.“ Bei der öffentlichen Diskussion ist dann überhaupt nur mehr vom „Vertrauensarzt“ die Rede, ohne dass darauf eingegangen wurde, dass damit wohl nur ein Vertrauensarzt der SVA gemeint sein kann.

Die Antwort klingt gut und patientenfreundlich. Allerdings ist mit dieser positiv klingenden Antwort ein System gemeint, dass in vielen Bereichen das Ende der freien Arztwahl bedeutet. Denn das „Hausarztmodell“ sieht vor, dass ein Arzt alle Facharztbesuche quasi „genehmigen“ muss, die vorgeschlagenen diagnostischen Maßnahmen und Therapien nach wirtschaftlichen Kriterien überprüft und in bestimmten Fällen die Therapiefreiheit der Fachärzte einschränken kann. Auf diese Fragen wollte Herr Generaldirektor Magister Stefan Vlasich nicht antworten und hat das Interview abgebrochen. Mit der eleganten Entschuldigung, „noch mit einem anderen Kundgebungsteilnehmer sprechen zu müssen“.

Links:

Wikipedia: Hausarztmodell

Das kostet derzeit der Facharztbesuch für SVA-Versicherte :  SVA-Tarife plus 20% (Urologie)

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Schlagworte: Angst, Arzt, Ärztekammer, Gesundheit, Health Care Managent, Medizin, Patienten, Politik, Sicherheit, Soziales, Stefan Vlasich, SVA,

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1 Antwort zu Die SVA und das katastrophale Kommunikationsmanagement

  1. Petra Kefer sagt:

    Jetzt sudre mal ich dazu: Das jetzt ist ein Versuchsballon, das gesamt System zu kippen. Das betrifft dann nicht nur die Versicherten der SVA sondern UNS ALLE!!!

    Ich frag mich nun, wozu haben wir einen Hauptverband? Wo ist der Gesundheitsminister? Da wird gestritten auf den Rücken derjenigen, dies sich dann den Arztbesuch wirklich nicht leisten können.

    Auftrag des HV’s wäre, einen Kompromissvorschlag zu erstellen – den muss die SVA sowieso schlucken wenn der verordnet wird vom Ministerium und die liebe Ärztekammer soll mal nachdenken, was die Konsequenz wäre, wenn sie darauf nicht einsteigen.

    Die meisten ihrer Mitglieder würden auf das sichere Honorar nicht verzichten wollen und der Rest hätte so und so die Kassenverträge gekündigt!

    Im Moment wird mit allen Tricks gearbeitet, von Ärztekammer, SVA und auch von deren Versicherten, die immer kreativer werden und die immer mehr versucht sind, Lücken im System zu suchen!

    Also Ihre werten Herrschaft, Stolz runterschlucken, weitersudern und endlich Klarheit und Rechtsfrieden schaffen und lasst unser System in Ruh! Das passt schon im Grossen und Ganzen – wenn auch in manchen in der Tat Reformbedürftig.

    So jetzt hab ich auch mal gesudert und werds immer mal wieder tun….

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