Fotografie: Das Eigentor des „Genossen Innungsmeister“

Der „rote“ Innungsmeister-Stellvertreter der Wiener Fotografeninnung kämpft zwar wacker gegen die Freigabe des Gewerbes, kauft jedoch selbst für seine eigenen Dumpingangebote Fotos von Amateuren ein.

Stock Bild KFZ Fotografie: Das Eigentor des „Genossen Innungsmeister“

1.000 Bilder wie dieses um sieben Euro: Billigstagenturen bieten Fotos um wenige Cent zur freien Nutzung an. Auch der stellvertretende Innungsmeister der Wiener Fotografeninnung musste auf Bilder der Microstock-Agenturen zurückgreifen, um seine Leistungen auf “Groupon” zu bewerben. Foto: © ultimatedesignertoolkit.com

Der Genosse Leo Vodicka darf sich auch mit allerlei Titeln schmücken: Innungsmeisterstellvertreter, Professor und Kommerzialrat. Der Herr Meisterfotograf jedenfalls ist als engagierter Kämpfer gegen die geplante Freigabe des Fotografengewerbes bekannt. Weil, so die Argumente der Freigabegegner, die Branche von Knipsern überschwemmt würde, die dann den Markt mit Fotos angeblich zweifelhafter Amateurqualität zu Dumpingpreisen überschwemmen würden.

Dass Herr Leo Vodicka, Meister und Innungsmeister-Stellvertreter, anders handelt als er spricht, das macht ihn derzeit zur Lachnummer in der Branche. Denn der in Wien-Floridsdorf ansässige Anbieter von Video- und Fotoaufnahmen und Kommerzialrat wirbt auf der Schnäppchenplattform „groupon.at“ mit Dumpingpreisen für seine Leistungen. Zum Beispiel mit einem „Valentines-Special: 49 statt 149 € – Blitzlichtgewitter de luxe bei einer Fotosession für 1 oder 2 Personen bei Foto Vodicka“.

Besonders irritiert sind nun jene Berufskollegen, denen Herr Vodicka nach wie vor verbieten will, mehr als nur Pressebilder zu produzieren, über die pikant zu nennende Tatsache, dass ausgerechnet der Innungsmeister-Stellvertreter Bilder von Billigstagenturen oder anderen Quellen für seine Werbeoffensive verwendet. Wie ebenfalls in der Branche allgemein bekannt ist, sind es vorwiegend „pfuschende Amateure“, die sich bei diesen Agenturen ein paar Euro für die Fotoausrüstung dazu verdienen. Angeblich, so ein brancheninternes Gerücht, soll sich Meister Vodicka damit gerechtfertigt haben, dass ihm „Groupon“ die Verwendung von Bildern der Billigstagenturen vorgeschrieben habe.

Recherchiert man die Quellen der Bilder, die auf Groupon für die Angebote von Meister Vodicka werben sollen, ergeben sich leicht irritierende Fakten. Zum Beispiel das Bild einer Bewerbungsmappe, das von zwei deutschen Banken auf deren Webseiten verwendet wird. Das Bild einer jungen Dame, die für Vodickas „Bewerbungsfotos“ um 39,- statt um 125,- Euro werben sollen, stammt von der Agentur „istockphoto.com“, andere, das sein Angebot für „49 statt 159 Euro – Professionelles Fotoshooting für Hochzeit, Kommunion, Firmung, Beauty-, Erotik-, Business- oder Lifestyle bei Foto Vodicka“ wirbt, kommen von den Agenturen fotolia und pixmac.

Wahrscheinlich ist es ja wahr, dass groupon den Partnern vorschreibt, welche Bilder die Angebote illustrieren. Allerdings wäre der Erfolg der „Meister-Werbeaktionen“ mit Bildern, die der Herr Kommerzialrat auf seiner Homepage präsentiert, vielleicht nicht ganz so erfolgreich wie mit den gekauften Amateur- oder Profi-Aufnahmen.

Was allerdings nicht rechtens ist: Die Verwendung der Billigstbilder durch den „roten“ Innungsmeister-Stellvertreter parteipolitisch zu nutzen. Denn auch die Werber der vorwiegend „schwarzen“ Wirtschaftskammer haben offenbar wenig Vertrauen in die eigenen Meister. Auch für das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) wurden – wie berichtet – Bilder von Microstockagenturen verwendet. Und zwar ausgerechnet für jene Broschüre, die für die Fotografenausbildung werben soll…

 

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Schlagworte: Agenturen, Dumping, Fotografie, Gesetz, groupon, Innung, iStock, Kommerzialrat, Leo Vodicka, Medien, Meister, Meisterfotograf, Microstock, photography, pixmac, Politik, Pressefoto, Zwangsbeglückung,

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9 Antworten auf Fotografie: Das Eigentor des „Genossen Innungsmeister“

  1. Ursula sagt:

    Hallo,
    danke für die kritischen Kommentare bzgl. Fotografengewerbe. Ich kann dazu nur anmerken, dass es in Kärnten derzeit schon so weit ist, dass der Handlanger des Innungsmeisters sich nicht zu blöd ist und persönlich Personen anruft, welche sich auf freiefotografie.at eingetragen haben, um diese zu bedrohen bzw. einzuschüchtern!
    Was für ein Armutszeugnis!

  2. Markus sagt:

    Die Fotos auf seiner Homepage sind ja eher Amateurhaft :-)

  3. Lensbert sagt:

    Herrlich, das wird in die An(n)alen des sinkenden Innungskahns eingehen!

  4. wauwau sagt:

    … minus 69 Prozent … ja ja, wie gut, dass Prozentrechnen einst ein so wesentlicher Bestandteil der Meisterprüfung war, ebenso wie Kalkulation. Damit kein Meister je gezwungen sein müsste, seine Leistung zu Billigsttarifen zu verschleudern! Nein, niemals nie nicht!

    Moment, und warum dumpt dann der Vodicka derart deftig? Ist er als Preis-Terminator T-69% unterwegs, oder als Leo Callahan mit dem Preis-Colt Kaliber 69?

    Strebt er am Ende gar das Floridsdorfer Weltmarktmonopol an? Zitat Wiki: “Es kann verschiedene Ziele geben, ein Wirtschaftsgut zu einem Dumping-Preis anzubieten: Um Marktanteile der Konkurrenz zu verringern [oder] die Konkurrenz ganz vom Markt zu verdrängen um ein Monopol zu erreichen.” Bam, oida. Respekt!

    Oder doch nur: Minus 69% – weg mit dem Dreck!?

  5. Andreas Koller sagt:

    was ich nicht verstehe: warum wirbt dieser herr eigentlich nicht mit bildern, die er selbst gemacht hat (zumindest solche, auf denen keine Personen sind), sondern kauft bilder zu? ich mein – so ein Foto wie das hier http://www.etapart.de/pages/etapart/bewerbung.php sollte er doch hinbekommen.

  6. Pingback: Lasset die Guten (Fotografen) gewinnen! | CORRESPONDESSE

  7. Das ist die schiere Angst vor dem zukünftigen und kreativeren Mitbewerbern ;-)

  8. wurzelpfrmpft sagt:

    die akteure des kasperltheaters, welche in den sechzigern stehengeblieben sind, können sich sowieso nur mehr vom holzbeissen ernähren. deren haltung und ergebnisse zwingen einen vom fach (+ den nachwuchs) sich einfach nur zum fremdschämen…. und es gibt wohl nicht allzuviel schlimmeres, als ins eigene nest zu scheissen….

  9. Claudia Fallmann sagt:

    Anfang August habe ich einen Gutschein für einen Fotografiekurs bei Foto Vodicka gekauft, leider war es mir nicht möglich ein äußerst Kurs gefasst hat und auf seine nicht aktuellen Ankündigungen auf der Homepage verwiesen hat auszumachen. Heute bekam ich einen sehr zornigen Anruf von Herrn Vodicka, der ins Telefon plärrte, er wäre Fotograf und nicht Lehrer. Worauf ich mich sehr gewundet habe, warum man denn Fotografiekurse auf Grupoun anbiete, wenn man sie eigentlich gar nicht halten will. Ich fand, dass wäre eine nette Idee gewesen, aber da zahl ich lieber irgendwo 300,- und nicht 50,- ,wenn ich mich dann nicht anschnauzen lassen muss. Schließlich bin ich Kunde und nicht Bittsteller.

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