Zu arm für die Rezeptgebühr…

Es sollte ein wenig zu denken geben, dass in Österreich Menschen leben, die sich die Rezeptgebühr von 5,10 Euro nicht leisten können. Denn das dicht geknüpfte soziale Netz hat viele Löcher.

Es sollte zu denken geben, dass es Menschen gibt, die sich 5,10 Euro für ein Medikament nicht leisten können. © Christian M. Kreuziger

Letztens, in der Ordination: Ein Patient, der Medikamente braucht, ersucht um zwei Rezepte. Eines, auf dem zwei Packungen des einen Medikaments verordnet werden, ein anderes, auf dem das zweite Medikament aufgelistet ist. Die Ordinationsassistenz macht, was man in diesen Fällen eben tut: Alle Medikamente werden auf einem Rezept ausgedruckt.

Das hat dem Patienten gar nicht gefallen und der hat protestiert. Was die Ordinationsassistenz ein wenig verwundert hat, denn eigentlich ist es ja gleichgültig, ob zwei oder drei Packungen auf einem Zettel stehen.

Der Patient hat es dann, ein wenig fordernd und unmissverständlich erklärt, warum er auf zwei Rezepten besteht. Die eine Arznei, nämlich jene, die er ganz dringend braucht, die kann er sich gerade noch leisten. Für das andere Medikament, das er zwar ebenfalls, aber eben nicht sofort benötigt, hat er einfach nicht genug Geld. Das kann, so der Patient, ein paar Tage warten, bis er die nötigen 5,10 Euro zur Verfügung hat.

Dieser Patient hat auch keinen Anspruch auf die Befreiung von der Rezeptgebühr. Denn sein Einkommen ist ein paar Euro höher als die Grenze, ab der die Kasse alle Kosten übernimmt.

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Schlagworte: Arzt, Gesetz, Gesundheit, Krankenkasse, Medizin, Ordination, Patient, Politik, Rezeptgebühr, Sicherheit, Soziales, Sparpaket,

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3 Kommentare zu Zu arm für die Rezeptgebühr…

  1. hugo gold sagt:

    in solchen fällen greife ich in den musterschrank und schenke dem patienten eine schachtel. was aber schon dazu geführt hat, dass, nicht unbedingt garso bedürftige patienten, ein recht auf derartige bemusterung abgeleitet haben. in letzter zeit wird derartiges tun aber durch zunehmenden geiz der pharmaindustrie leider verhindert.

  2. .C. sagt:

    Hab letztens etwas Ähnliches in der Apotheke mitbekommen. Frau brauchte Medikamente fürs Kind, die Apotherkerin hat sie aufgeklärt. Als es auf den Preis zu sprechen kam wurden 2 von 3 Sachen zurückgegeben und die Apothekerin konnte die Dame davon überzeugen zumindest die Antibiotika fürs Kind mitzunehmen…

    @Hugo: Eine Rezeptbefreiung muss man erst einmal haben, der Anspruch darauf bringt einem noch nichts 😉

  3. Hildar sagt:

    Unverschämt von einem deutschsprachigen Gesundheitssystem das sich die Leute keine Medikamente mehr leisten können. Hauptsache der Industrie und dem Ausland geht’s gut. Armselig 🙁

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