Honorare sind keine Löhne: Wundersames aus der Arbeitswelt…

Herr Herbert Tumpel warnt vor Lohndumping durch die Osteuropäer und verlangt empfindliche Strafen. Das wird manche Genossen gar nicht freuen. Denn die praktizieren das seit Jahren. Mit Erfolg, ganz legal – und ohne Konsequenzen.

AK-Präsident Herbert Tumpel warnt vor Lohn- und Sozialdumping. Das gibt es längst, und auch noch ganz legal...

Der Arbeiterkammerpräsident, für sein Engagement und seine Wortgewalt nicht ganz unbekannt, warnt davor, dass ab 2011 durch Einpendler aus Osteuropa Lohndumping in Österreich zu Problemen führen könnte.

280.000 Menschen könnten, so die Berechnungen der Arbeiterkammer, nach Österreich drängen und hier das Lohnniveau massiv senken. Deshalb fordert er, um auch diesen Arbeitswilligen faire Löhne zu garantieren, neue Gesetze und entsprechende Strafregelungen gegen Lohn- und Sozialdumping.
Das wird nichts nützen. Denn schon seit Jahren werden Arbeitnehmer in einigen Branchen in die Selbstausbeutung gezwungen, Hungerlöhne und fehlende Sozialleistungen sind durchaus üblich. Besonders geschickt geht dabei – ganz legal natürlich – ein Medienunternehmen vor, dass der SPÖ zugerechnet wird. Nicht nur ideologisch, sondern in Form von Eigentum.
Angestellte gibt es dort nur sehr wenige. Wie in vielen Medienunternehmen, im Sozialbereich und in der Welt der Künstler, in der Welt der Webdesigner, Grafiker oder ähnlichen Branchen „kauft“ dieses Unternehmen „Dienstleistungen“, „Werknutzungsrechte“ oder „Stundenleistungen“ ein. Auf dem freien Markt der Gründer, der ICH-AGs, der Zwangsselbständigen. Damit auch die Buchhaltungen, die der Auftraggeber und auch die der Auftragnehmer nicht über Gebühr belastet werden, wird pauschal abgerechnet. Zum Beispiel für journalistische Leistungen im Print oder TV-Bereich.
Die Genossen, also die Manager des SPÖ-Unternehmens, sind auch stolz darauf, ihre „Mitarbeiter“, die formell keine sind, gut zu entlohnen. Zum Beispiel mit 2.800 Euro pro Monat, elf Mal pro Jahr. Das klingt viel, ist es aber nicht. Denn die 2.800 Euro sind Umsatz, den man gerne mit „Bruttolohn“ verwechselt. Als Gegenleistung für diesen Umsatz wird ein Arbeitseinsatz erwartet, der nicht selten mehr als 60 Stunden pro Woche beträgt.

Auch die Leistungen von Fotografen ist man bereits, großzügig zu honorieren. 50 Euro pro Termin wurden angeboten. Auch das klingt viel, ist es aber nicht. Denn mit den 50 Euro sind nicht nur der Zeitaufwand und das Werknutzungsrecht für alle Zeiten und alle Medien des Hauses abgegolten, sondern auch alle Spesen. Darunter fallen die Parkgebühren, die Fahrtkosten, allfällige Requisiten, die Ausrüstung und auch fast alle Steuern und Sozialausgaben. Im günstigsten Fall, so die Berechnungen eines Steuerberaters, bleiben zwischen 4,67 und 6,89 Euro Nettostundenverdienst übrig.
Diese Honorarsätze, nun, die fallen unter die freie Kalkulation des „freien“ Unternehmertums, dafür ist die Kammer für Arbeiter nicht zuständig. Ebensowenig wie für „Studentenjobs“, deren Entlohnung ebenfalls als sehr kreativ bezeichnet werden darf.

Derzeit sucht zum Beispiel die „Unicredit“ für sieben Tage einen „..fußballbegeisterten Menschen“ und bietet einen „Verdienst“ von 100 Euro pro Tag. Brutto. Voraussetzung: „Eine digitale Videokamera, einen Laptop mit Schnittprogramm, Hirn, Herz und die Einsatzbereitschaft für zwölf Stunden/Tag.“ Die großzügige Zusatzleistung: Die Fahrt und Unterkunft werden vom Auftraggeber organisiert und bezahlt.
8,33 Euro ist also das Unternehmen pro Stunde bereits zu bezahlen, sofern der Arbeitswillige Einsatzbereitschaft und vollzähliges Equipment bereitsstellt, um den Videoblog des Unternehmens mitzugestalten. Qualifikation des „freien Mitarbeiters“ vorausgesetzt. Das Unternehmen, das ja sparen muss, setzt natürlich auch voraus, dass Sozialversicherung, Steuern etc. in dieser Tagespauschale inkludiert sind.
Verständlich wird dieses Angebot, auf das nicht einmal mehr Haushaltshelferinnen eingehen würden, aber dadurch, dass die Spesen, die Kunden der Unicredit bezahlen müssen, ja auch vergleichsweise mickrig sind.  Wer zum Beispiel bei der Kreditrate in Verzug kommt, zahlt für die erste Mahnung nur 21,00 Euro, die zweite kostet auch nur 32,00 und erst bei der dritten werden angemessene 50,00 Euro an Spesen verrechnet.

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Schlagworte: Abzocke, Abzockerei, freie Mitarbeiter, Gesetz, ICH AG, Lohndumping, Medien, Politik, Pressefoto, Sicherheit, Soziales, SPOE,

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Ein Kommentar zu Honorare sind keine Löhne: Wundersames aus der Arbeitswelt…

  1. Beate Mitterhuber sagt:

    Gratuliere. Sehr gut getroffen.

    Ich kenne das Problem nur zu gut, einerseits als Selbstausbeuterin und andererseits als Mandatarin in der Wirtschaftskammer (UBIT Grün Alternative).

    Laut Armutskonferenz leben 55.000 Selbständige an der bzw. unter der Armutsgrenze.

    Für die beiden Regierungsparteien existieren wir nicht. Für die SPÖ gelten wir nicht als schützenswürdige ArbeitnehmerInnen. Für die ÖVP und dem schwarzen Wirtschaftsbund sind wir keine „echten“ UnternehmerInnen außer wenn es darum geht, bei der Wirtschaftskammerwahl als Stimmvieh herzuhalten, damit wir den Herren „echten“ Unternehmen schön die Honorare aus diversen WK Aufträgen für die nächsten Jahre sichern.

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