Wird schon wieder missverstanden: Unsere „Krone“…

Schon wieder blasen die Besitzstandsverwahrer mit leichten Anflügen von paranoiden Wahnvorstellungen zum Großangriff auf unsere Kronenzeitung. Herr Peter Gnam soll, so die Jagdgesellschaft, zum Gesetzesbruch aufgerufen haben. Der Grund für den kollektiven Aufschrei in militärischer Kasernenhof-Phonzahl dürfte jedoch eine leichte Leseschwäche jener Herren sein, die lieber ein Schießgewehr in Händen halten, als das „Krone-Kochbuch“.


Es ist ja zum Schießen, wie sehr die Schießgesellschaftsmitglieder mit militärischen Rangabzeichen schon wieder einmal gegen unser geliebtes und erfolgreiches Blatt meutern. Jawoll – meutern! Nicht anders sind die Aufrufe zu verstehen, dieses Blatt zu boykottieren und sogar den Verfasser eines sachlich-journalistischen Artikels bei den Behörden anzuzeigen. „Aufruf zur Wehrdienstverweigerung“ wirft man dem Kollegen vor, der doch nur seine journalistische Pflicht erfüllt. Nicht nur in der gedruckten, sondern sogar in der virtuellen Ausgabe des Haus- und Hofblattes der Österreicher und deren gewählten Vertreter.

Was genau ist es also, das die Herren so erzürnt? Es ist ein harmloser Bericht, der unsere jungen und unreifen Männer davor warnt, den Einberufungsbefehl zu ignorieren. Denn, so warnt der Krone-Schreiber eindringlich, im Falle des Nichteinrückens würden drei Monate Haft oder 130 Tagessätze an Strafe fällig werden. Wer sich sogar mehr als 30 Tage weigert, dem Befehl des Vaterlandes Folge zu leisten, kann sogar bis zu einem Jahr Häfen ausfassen. Auch die Politikschaffenden werden gewarnt. Nämlich vor der drohenden und staatsfeindlichen Massenflucht aus der Wehrpflicht.

Aber diese Feinheiten der Sprache entgehen offenbar diesen Militärschädeln, die nur simple Befehle verstehen. Die würden doch glatt auch meinen, der Suderer würde zum Diebstahl aufrufen wenn er schreiben würde:

Jetzt droht der Krone Millionenverlust durch Zeitungsdiebstahl

Das Nichtbezahlen der Kronenzeitung, die man am Sonntag aus der Zeitungstasche entnimmt und was eh keinen schert, ist Diebstahl und kann bestraft werden. Wer das öfter macht, und dann die gelesene Zeitung der Oma günstig weiter verkauft, muss sogar mit einer Anzeige wegen gewerblichem Diebstahls rechnen, und dann ist das „Schmalz“ noch höher. Auch dann, wenn diese kriminellen Taten als Volkssport gelten, sind sie strafbar. Nur wer ein sehr dringendes Bedürfnis nachweisen kann, zum Beispiel weil Montezumas Rache unbarmherzig zugeschlagen und die Peristaltik auf ein unerträgliches Maß beschleunigt hat, kann – wenn kein Papier in Rollenform zur Verfügung gestanden ist – vielleicht mit der Milde der Richter und dem Verständnis der Behörden rechnen. Vorausgesetzt, man lässt sich nicht dabei erwischen. Denn dann könnte der Tatbestand der „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ dazukommen. Womit natürlich nicht der frevelhafte Diebstahl des jungfräulichen Zeitungspapiers gemeint ist.

Inhaltlich hat der Suderer also nicht zum Diebstahl oder zum widmungsfremden Gebrauch der Krone aufgerufen. Auch wenn dies manche der Militärschädeln und Krone-Gegner jetzt missverstehen werden. Was aber auch egal ist, weil es weder die Krone noch den Suderer kratzt…

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Schlagworte: Bundesheer, Gesetz, Krone, Kronenzeitung, Medien, Politik, Wehrpflicht,

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10 Antworten zu Wird schon wieder missverstanden: Unsere „Krone“…

  1. Herbst 1968. Wenige Wochen vor dem Abrüsten, nach nahezu 8,5 Monaten Präsenzdienst wird wegen der Bedrohung Österreichs durch die Warschauer-Pakt-Truppen der Präsenzdienst auf unbestimmte Dauer verlängert.
    Wie reagierten die zornigen Rekruten: Mit Militärfahrzeugen wurden unerlaubt Bierkisten in die Kasernen gekarrt. Aus dem dritten Stock der Kaserne Kanonenöfen in den Hof gworfen … usw. usf. Dem Kompaniekomandaten blieb nichts anderes übrig als erzürnd zu brüllen. „Das ist Kriegsverweigerung. Im Dritten Reich wären die alle an die Wand gestellt worden!“
    Soviel zum realen Zustand unserer Truppen im Ernstfall

  2. admin sagt:

    Ja, die wilde 68er-Generation 😉

  3. nash sagt:

    der reale zustand der truppen im ernstfall vor über 40 jahren lässt sich ja natürlich 1 zu 1 mit dem heute, hier und jetzt vergleichen oder? herbst 1968, als die panzer des warschauer paktes an der grenze auffuhren und unser bundesheer wegen der feigheit der politik in den kasernen bleiben MUSSTE! das ist wohl kaum dem heer vorzuwerfen, wenn man einfach nichts tun DARF!
    aber es gibt schon parallelen zu heute:

    – die systemerhaltung sollte schon längst ausgelagert sein, real passiert ist das nie, daher müssens eben rekruten machen! (in d zB putzt seit jahrzehnten kein rekrut mehr einen gang…)
    – die miliz darf per weisung nicht mehr üben, ergebnis: rekruten werden 6 monate ausgebildet und DÜRFEN dann nicht mehr genutzt werden
    – die panzerflotte, die ach so marod vor sich hinrottet, nebenbei bemerkt eine der modernsten in europa, darf pro jahr und fahrzeug nur mehr 55km fahren. da sind die standschäden größer, als der sprit kosten würde, aber: weisung von oben…
    – die eurofighter, deren betrieb eigentlich außerhalb des heeresbudgets finanziert werden sollte, belasten das reguläre heeresbudget enorm. konsequenz: kein geld für ersatzteile (auch wegen darabosiensischen verträgen), flugtauglichkeit nur begrenzt vorhanden und das geld fehlt an anderen wichtigen ecken und enden wie zb kasernsanierungen, übungen etc…
    – der burgendlandeinsatz, seit schengen sinnlos geworden und auch vorher natürlich umstritten, wird künstlich am leben erhalten, kostet dem heer jährlich 70mio für nichts und wieder nichts, bleibt aber als wahlkampfschlager aufrecht und wird nicht mal gegenfinanziert

    lauter beispiele dafür, daß die politik es ist, die das heer nicht arbeiten lässt, aber schuld ist natürlich nur das böse sinnlose bundesheer.
    bei einer solchen mentalität und diskussionskultur wird mir schlecht, ehrlich. ich kotze auch regelmäßig in den letzten wochen…

  4. Bernhard Leber sagt:

    Herr Nash, inhaltlich vollkommen richtig, kann Ihnen voll und ganz zustimmen.
    Worauf ich noch hinweisen möchte, Jugoslawien-Krise 1991, die Menschen waren dankbar wie unsere Truppen aufmarschierten an der Grenze zu unserem südlichem Nachbarn und das BH gab den Menschen ein Gefühl von Sicherheit.
    Auch in Europa besteht die Möglichkeit, dass politische Systeme umgestürzt werden. Was passiert wenn Demonstrationen, wie zB. in den letzten Jahren in Frankreich und der Bundesrepublick Deutschland sich ausweiten, die Gewalt brutaler und umfangreicher wird, was passiert dann?

    …………………………………………

  5. FLO sagt:

    Was mich als junger Unteroffizier stört ist, dass ich Grundwehrdiener habe die zum teil sehr motiviert sind aber die Mittel nicht zur Verfügung stehen.
    Und so kommen wir schon zum springenden Punkt das liebe Geld. Jeder will eine gut ausgebildete Armee bei weniger Geld. Frei nach dem Motto nur keinen Cent zuviel ausgeben.
    Und warum gibt es keine Ausbildung im Kampf der verbundenen Waffen? Achja das war doch die Sache mit dem Geld.

    Nur gut das die vorgeschlagenen Modelle ein größeres Budget aufweisen. Oder etwa nicht?

    Ps noch ein Grund warum ich für den Grundwehrdienst bin, ist das der Staat das letzte mal die Möglichkeit hat aus den jungen Menschen ordentliche ÖsterreicherInen zu machen, die in der lage sind (Arbeits)Aufträge zu erfassen und diese pünktlich und ordentlich zu erledigen (und das sind dinge die nicht nur beim Militär wichtig sind).

  6. fips sagt:

    die krone das schmierblatt der nation, früher mal als guter ofenanünder in zeiten der modernen fern und gaswärme nutzlos und versagt sogar als klopapier

  7. Eva Österreicher sagt:

    nash hat eine ungemein genaue, auch für Laien wie mich gut verständliche Schilderung über die Missstände bei unserem Heer geschildert. Diese sind sicher nicht durch ein Berufsheer zu beheben, sondern einfach durch bessere Organisation durch Militärexperten (nicht durch einen Zivi und die Krone) und ein Etat, mit dem man unser Heer in der jetzigen Truppenstärke und damit unsere Sicherheit finanzieren kann. Soweit ich informiert bin, gibt unser Staat für unser Bundesheer nur halb so viel Geld aus wie andere vergleichbare Staaten in Europa.
    Würde vorschlagen, die Informationen von nash einmal in Form eines Leserbriefes einer unabhängigen Tageszeitung zukommen zu lassen, wie etwa die „Salzburger Nachrichten“ o.ä. Die Krone scheidet aus, die würde eine Fachinformation keinesfalls veröffentlichen und ist auch nicht unabhängig.

  8. Eva Österreicher sagt:

    wer muss meinen Kommentar moderieren??

  9. Polajnar Günter sagt:

    Zur indiskutablen Meinungmache der Kronenzeitung (Gnam, Pandi):
    „Rauchen Sie Tabak, er verdirbt höchstens die Tapeten. Aber unterstehen Sie sich nicht, jemals die Kronen-Zeitung anzusehen; die verdirbt Ihren Charakter!“
    (Frei, nach Gustav Freytag)

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