Wiener Elternverein: „Der 40-Prozent-Obmann“

Der Obmann eines Elternvereins in Wien will bei den Fotokosten für die Klassenfotos sparen. Dafür will er aber 40% der Gage haben. Vom Fotografen. Für den Elternverein, wie er versichert.

Die Wiener Fotografenmeisterin Marie Rambauske ist leicht irritiert. Das ist auf eine Ausschreibung eines Döblinger Elternvereins zurückzuführen, dessen neuer Vorsitzender die Kosten kräftig senken, das Budget des Vereins allerdings gleichzeitig erhöhen soll.

Die nicht ganz schlüssige und von Logik und betriebswirtschaftlichem Denken  vollkommen freie Einladung zum Offert klingt so:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir haben einen neuen Elternvereinsvorstand gewählt und dieser hat
beschlossen aufgrund der zahlreichen Beschwerden, über die überhöhten
Preise des bisherigen Anbieters, von Eltern im letzten Jahr und der
unzufriedenstellenden Situation für den Elternverein, die
Schulfotoaktion neu auszuschreiben.
Wir suchen eine/n Schulfotograf/en/in, der/die in der Lage ist für 8
Klassen bzw. rund 150 SchülerInnen Klassengruppenfotos und schöne
Einzelfotosets zu einem günstigen Preis zu erstellen und sich bereit
erklärt mindestens 40 % der Einnahmen an den Elternverein abzuführen.
Wir ersuchen Sie uns ihr Angebot bis spätestens Mitte nächster Woche
schriftlich oder telefonisch unter xxx zu übermitteln.
Vielen Dank im Voraus!

Mit freundlichen Grüßen

xxx yyyyy
Vorsitzender des Elternvereins“

Der Herr Vorsitzende, der angeblich am Telefon ganz nett klingt, wie Marie Rambauske versichert, gesteht zwar ein paar winzige Schwächen bei der Formulierung ein, die Sache an sich findet er allerdings gar nicht so schlecht. Weil das immer so gewesen sei, dass Fotografen eben zuerst 40% auf die Preise aufgeschlagen hätten und dann die Summe eben an den Elternverein überwiesen hätten. Das, so der Herr Vorsitzende, müsse doch auch weiterhin möglich sein.

Erstaunt war der Vorsitzende dann allerdings schon, als er ein wenig über die Eigenkosten informiert wurde. Denn die tatsächliche Spanne für die Fotografen ist ohnehin schon gering. Noch mehr dürfte der Herr Vorsitzende aber irritiert sein, wenn ihn der Suderer als kleinen und naiv-korrupten Kleinstfunktionär bezeichnet.

Der Herr Vorsitzende nämlich, sich offenbar durch die Medienberichte über die Geschäfte mit dem Staat, den Lobbyisten und Beratern bestärkt, fordert nicht viel weniger ein als eine Art Bestechung. Erschwerend ist dabei auch, dass mit dieser Zwangsprovision auch ein schwerer Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verknüpft sein dürfte.

Auch von Fairness jenen Eltern gegenüber, die Schulfotos kaufen, kann nicht die Rede sein. Schließlich müssen – streng kalkuliert – für die 40%-Provision zumindest 80% Aufschlag eingerechnet werden. Weil es sonst betriebswirtschaftlich ja nicht zu vertreten wäre, eine Art Provision – getarnt als „Spende“ – zu zahlen, die man nicht als Betriebsausgabe geltend machen kann.

Aber so ein Vorsitzender eines Elternvereins muss so etwas ja nicht wissen. Hauptsache er steht gut da, bei seinen Wählerinnen und Wählern. Als „Geiz-ist-geil-Obmann“ oder so ähnlich.

Möglicherweise findet der Herr Vorsitzende sogar einen unerfahrenen Fotografen, der auf diese Bedingungen einsteigt. Damit hätte er einen guten Grundstein für seine eigene spätere Politiker-Karriere gelegt.

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Schlagworte: Abzocke, Abzockerei, Elternverein, Fotograf, Fotografin, Gesetz, Kalkulation, Marie Rambauske, photography, Politik, Schule, Spende, Wien, Wirztschaft, Zwangsbeglückung,

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1 Antwort zu Wiener Elternverein: „Der 40-Prozent-Obmann“

  1. mathias lenz sagt:

    der alte fotograf hat 2010 9 euro für das set VERLANGT!
    und 2011 sogar 14 euro!
    es bedarf keiner weiteren worte…

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