Text- und Bilderklau: Wer publiziert, ist selber schuld…

Der Streit um Urheber- und Werknutzungsrechte bekommt immer neuere Facetten. Das liegt einerseits an teilweise verbesserungswürdigen Gesetzen, andererseits aber am Unrechtsbewusstsein mancher Zeitgenossen.

Am Beginn einer Facebook- Diskussion stand eine Warnung. Vor einem Fotografen, der nicht will, dass seine Bilder honorarfrei verwendet werden:

„WARNUNG (von E. S.):
es gibt da in bremen eine kochbuchfotografen, der auf eine menge fotos mir alltagsgegenständen wie z.b. früchte, gemüse, blumen usw. urheberrechte schützen hat lassen und sein clan ist damit beschäftigt, die verletzungen aufzuspüren. der typ klagt dann querbeet. bitte nur eigene fotos verwenden und möchlichst viele warnen.“

Diese Warnung hat nun zweierlei zu Tage gebracht. Einerseits das Faktum, dass immer mehr Autoren und Fotografen auch im Netz recherchieren, um Urheberrechtsverletzungen aufzuspüren und notfalls auch dagegen vorgehen. Andererseits zeigt die Diskussion, dass es eine Vielzahl von Menschen gibt, die meinen, alles auch für eigene Zwecke nutzen zu können, ohne dafür zahlen zu müssen.

Die Argumente, die für die völlig freie Nutzung fremder Leistungen vorgebracht werden, muss man allerdings teilweise als dumm, zynisch und präpotent bezeichnen. So schreibt ein Herr D. W.:

„wer produkte ins netz stellt, muss davon kenntnis haben, wie das netz funktioniert. Es ist moralisch nicht akzeptabel, seine geldboerse an einem oeffentlichen ort zu deponieren und dann gegen jene vorzugehen, die sie auffinden. vordergruendig naives verhlaten gpaart mit juristischen winkelzuegen ruiniert den oeffentlichen raum. Was ich nicht.oeffentlich haben WILL, darf ich nicht exponieren“

Dass es wohl nicht möglich sein wird, nichts ins Netz zu stellen, gleichzeitig aber ein Internetmedium wie einen Blog, ein Nachrichtenportal oder eine Präsentationshomepage zu veröffentlichen, scheint diesem Poster irgendwie entgangen zu sein.

Herr O. W. wieder, der für die absolut freie Werknutzung eintritt, widerspricht sich teilweise auch selbst:

„Wer seine Werke ins Netz stellt, muss damit rechnen, dass sie fremdverwendet werden. Zumeist geschieht dies völlig absichtslos, weil einfach jemand sagen will, „schau mal was ich Geiles im Netz gefunden habe!“. und wenn das jemand fragt, von wem das ist wird gesagt „ach von irgendsoeiner Webseite gezogen“. Da steckt in 99% aller Fälle kein Vorsatz dahinter sondern einfach Mitteilungsdrang.
Davon ab: es lebe der Informationskommunismus…“ und: „z.B. wenn eine Zeitung dein Bild „gratis“ abdruckt um seinerseits damit Geld zu verdienen. Da würde ich ebenso was dagegen haben. Aber wenn jemand ein Bild auf seiner privaten Seiten zeigt, weil es ihm so gut gefällt… so what? Wenn der Name und vielleicht noch die email drauf ist, steigt die Chance, dass ich mein Werk honorarbasiert an den „Mann“ bringe.“

Während sich dieser Facebook-Thread vorwiegend mit der Unkenntnis privater Nutzer beschäftigt, diskutieren andere bereits darüber, das Werknutzungsrecht vollkommen abzuschaffen zu wollen. Die neue politische Bewegung der „Piraten“ tritt zum Beispiel dafür ein, die Werke anderer gratis nutzbar zu machen. Allerdings darf man annehmen, dass gerade jene, die für die freie Nutzung der Werke anderer sehr restriktiv vorgehen, wenn es die eigenen Interessen betrifft. Das gilt auch für die Grünen, die blitzartig reagieren, wenn ihr Logo auf einem Satire-Beitrag erscheint.

Es ist allerdings durchaus nachvollziehbar, dass Menschen, die wegen eines nicht ganz korrekten Impressums auf der privaten Webseite oder wegen anderer kleiner Verstöße von darauf spezialisierten Anwälten mit Forderungen eingedeckt werden, verärgert oder zornig sind. In manchen Fällen mahnen und kassieren diese „Anwälte“ sogar vollkommen zu Unrecht, wie die Erfahrungen zeigen.

In diesen Fällen sind ebenfalls die Gesetzgeber gefordert, dieser Abzocke einen Riegel vorzuschieben.

Dass jener Fotograf, der sehr aufwändig für ein Kochbuch fotografiert hat, seine Arbeit und seine Rechte auch bezahlt haben will, ist allerdings auch klar. Denn die Bilderklauer wollen ja auch nicht, dass ihre Blumen vom Fensterbrett gefladert werden, die sie teuer gekauft oder mühsam gezogen haben. Auch wenn sie die Pflanzen im öffentlichen Raum präsentieren.

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Schlagworte: Abzocke, Abzockerei, facebook, Gesetz, Grüne, Justiz, Medien, Piraten, Politik, Pressefoto, Urheberrecht, Werknutzungsrecht,

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2 Kommentare zu Text- und Bilderklau: Wer publiziert, ist selber schuld…

  1. Roland sagt:

    Kann das angeprangerte Kochbuch etwa dieses sein? http://www.heise.de/ct/artikel/Abgekocht-291092.html

  2. Florian sagt:

    Naja aber wir reden hier über jemanden der es scheibar drauf anlegt das seine Bilder geklaut werden um dann abzukassieren. Das ist schon ein etwas spezieller Fall wenn ich das so sagen darf.

    Davon abgesehen tritt niemand bei den Piraten für eine Abschaffung des Urheberrechts ein. Erst informieren, dann sudern.

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