Raubkapitalistische Brutalität: die Gratisblatt-Honorare

Der Herr Kollege, der sich als Partyfotograf betätigt, hat ein lukratives Angebot bekommen. 15 Euro kann er – brutto – verrechnen, wenn er seine bildhaften Hervorbringungen für die Homepage eines Wiener Gratisblatts mit fetten Anzeigen und magerem Inhalt zur Verfügung stellt. Auch sonst sind die Honorare dieses Printprodukts nicht gerade üppig. Aber das gehört zum Geschäft.

Studenten protestieren, Journalisten nicht: Die Medienschaffenden schnallen zähneknirschend den Gürtel enger. © Christian M. Kreuziger

Wir finden diese Produkte an der Wohnungstür oder im Postkastl, mit viel Werbung und ein paar lokalen Geschichterln: Die Gratisblätter, die uns mit Neuigkeiten und allerlei werblichen Sonderangeboten beglücken. Manchmal sind die „heißen“ Stories zwar lauwarm, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht und so weiter. Das mag auch zu einem guten Teil daran liegen, dass in dieser Branche die Mitarbeiter nicht gerade üppig entlohnt werden.

Eines dieser Blätter hat offenbar einen Rechenkünstler eingesetzt und akribisch errechnen lassen, wie viel Euro den Zulieferern von Bild und Text maximal bezahlt werden können, um den Verlagsgewinn nicht zu schmälern. Herausgekommen sind da ein paar Zahlen, die einen zum Staunen bringen.

Ein junger Mann, der sich als Partyfotograf einen Namen zu machen versucht und auch gerne in Gesellschaft ist, kann seine Fotos auch auf der Website des Verlagshauses präsentieren. Pro Veranstaltung darf er sogar 15 Euro als Honorar einstreifen. Dafür darf er seine 150 Fotos, mehr oder weniger, präsentieren.

Bei den freien Mitarbeitern ist man da schon großzügiger. Die liefern ihre Geschichten, bekommen knapp 35 Cent pro Zeile und sogar das Foto, das sie zur Geschichte liefern (müssen), wird bezahlt. Mit 15 Euro/pro Bild konnten die Freien das Zeilenhonorar auffetten. Bis jetzt. Doch die schlauen Pfennigfuchser im Verlag haben entdeckt, dass ein niedrigeres Honorar betriebswirtschaftlich sinnvoller ist und haben den Betrag ein klein wenig reduziert. Auf 13 Euro und noch ein paar Cent. Brutto.

Diese Freien, die das Unternehmen engagiert, sind entweder gekündigte oder aus dem Job gemobbte ehemalige Mitarbeiter, Studenten oder andere Medienschaffende, die es sich leisten können, um ein Taschengeld zu arbeiten. Zum Beispiel eine 50-Zeilengeschichte samt Foto zu liefern, die knapp 30 Euro einbringt. Das sind – im günstigsten Fall – immerhin satte zehn Euro Stundenhonorar, Spesen inkludiert.

Besser bezahlt sind da schon die Reportagen über gesellschaftliche Ereignisse. Für die zahlt das Unternehmen derzeit bis zu 80 Euro für eine Dreiviertelseite, fünf Fotos inkludiert. Wer flott arbeitet, sich nicht lang mit aufwändigen Interviews aufhält und schnell schreibt, kann bei dieser Art der Berichterstattung seinen Stundensatz locker auf elf bis zwölf Euro hochschrauben.

Der Kollege Partyfotograf jedenfalls, der überlegt noch, das üppige Angebot anzunehmen. Schließlich arbeitet er ja gerne, und 15 Euro mehr sind ja besser als gar nichts. Die kann er dann in zwei, frei Getränke mehr pro Termin investieren, um sich den Kummer über die schlechten Zeiten hinunter zu spülen.

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3 Kommentare zu Raubkapitalistische Brutalität: die Gratisblatt-Honorare

  1. SZ1Fotograf sagt:

    Szene1 zahlte voriges Jahr genau 10 Euro pro Event. Die Anfahrt zu Events ist selbst zu organisieren. Im günstigsten Fall sind das am Land ca. 30 Kilometer pro Nacht, im Normalfall aber eher 60.

  2. Kritiker sagt:

    …es wird Zeit, dass man sich organisiert und engagiert gegen solche Methoden vorgeht. Der von Verlagsseite gern geäußerte Hinweis, man sei in einem harten Wettbewerb und man müsse daher sparen sparen sparen betrifft leider nicht nur die Honorare sondern, damit einhergehend, auch die Qualität von Text und Bild.
    Doch statt der Konkurrenz mit Inhalten zu begegnen, versucht man lieber Kosten zu drücken – kurzsichtig, engstirnig und wenig erfolgversprechend.

  3. Xandi Bäck sagt:

    Bis vor einem Jahr hab ich mich auch noch als „Freie“ herumquälen müssen, weil drunt im Burgenland die Jobs mager und jene bei Medien so gar nicht vorhanden sind. Ich hab damals 13,06 Euro pro Bild bekommen, Zeilenhonorar 25 Cent. Kein Km-Geld. Worts case: 80 Kilometer fahren, ein Bilder verkaufen… Vorigen Herbst sind sie dann nochmal runter, obwohl man das kaum mehr für möglich hielt: Irgenwas mit 6 Euro pro Bild (ich war damlas nicht mehr dabei.) Bildergalerien: Pro 25 Foto 13,06. Mein Gesudere war damals kaum mehr erträglich. Bin jetzt angestellt und kann wenigstens davon leben.

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