Nicht alle FPÖ-Wähler sind dumme Nazis. Das muss man respektieren.

Die latente Unterstellung, dass alle FPÖ-Wähler heimliche Nazis oder zumindest Sympathisanten mit einem Intelligenzquotienten unter 75 sind, ist einfach dumm. Viele haben subjektiv gute Gründe, blau zu wählen.


FPÖ-Wähler generell zu beschimpfen ist kontraproduktiv. Das hat die Wien-Wahl deutlich gezeigt. © Christian M. Kreuziger

Jeder vierte hat in Wien also die FPÖ gewählt. Das lässt den Schluss zu, dass zumindest jeder zwölfte aus meinem Bekanntenkreis zu dieser Wählergruppe gehört. Ja, und es gibt einige, die sich sogar deklariert haben, dem Herrn Strache ihre Stimme gegeben zu haben. „Den Strache“ haben sie gewählt. Nicht aber die – meist männlichen – Funktionäre, denn die kennen sie kaum.

Jene, die sich deklariert haben, ihre Stimme der blauen Fraktion zukommen zu lassen, sind weit entfernt davon, erstens dumm und zweitens Nazis zu sein. Einige haben ihre Gründe und Motive artikuliert, und die sind vielfältig. Und aus der Perspektive dieser Menschen auch nachvollziehbar.

Eine Kellnerin zum Beispiel, die hat ihr Problem mit einigen, die ganz gut von den Sozialleistungen leben, ohne viel dafür tun zu müssen. Ganz gut leben heißt: Notstandshilfe, Mietzinsbeihilfe und andere Leistungen, ergänzt durch ein paar gelegentliche „Pfuschs“ bringen diesen Stammgästen, denen sie täglich schon in der Früh das zweite Bier oder das dritte Viertel serviert, wesentlich mehr Geld ins Säckel, als sie in ihrem Vollzeitjob verdient. Denn ihr bleiben, abgesehen von ein paar Euro Trinkgeld, fünf Euro pro Stunde netto übrig.

Dass dieses Beisl hauptsächlich von Gemeindebaubewohnern frequentiert ist, könnte man als kleine Pikanterie am Rande bezeichnen. Ebenso pikant: Gerade diese (inländischen) Nutznießer des Sozialsystems wählen – blau.

Andere, die eigentlich traditionelle SPÖ-Wahler sind, haben klar deklariert, der Regierungsfraktion einen Denkzettel verpassen zu wollen. Weil sie das Gefühl haben, von „den Roten“ nicht mehr vertreten zu sein. Weil die klassische „Arbeiterpartei“ eher die Interessen der Wirtschaft vertritt als jene der Arbeitnehmer. Dieses Gefühl hat auch die Gewerkschaft schon zu spüren bekommen, deren Zulauf an Mitgliedern seit Jahren stagniert. Der schreibt man zwar große Erfolge zu, aber nur mehr bei der Verteidigung der Beamten- und Lehrerprivilegien. Die Mitarbeiter im Handel, bei den Dienstleistungsunternehmen oder in der Gastronomie verlieren zunehmend das Vertrauen in ihre Gewerkschaft.

Anderen wieder missfällt einfach, dass beinahe alle anderen Fraktionen in der politischen Agitation reale Alltagsprobleme nicht wahrnehmen und teilweise wegdiskutieren wollen. Probleme mit Menschen aus anderen Ländern zum Beispiel. Den „Zuwanderern“, den „Asylanten“ und den „Migranten“.

Beim Thema „Ausländer“ werden – nicht nur in Wien – die Versäumnisse der Politik der letzten Jahrzehnte deutlich sichtbar. Das hat bereits in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts begonnen. Damals waren es Gastarbeiter, die man gebraucht und ins Land geholt hat, ohne sich um sie zu kümmern. Obwohl es auch damals schon Probleme gab. Vor allem mit dem Nachwuchs dieser „Tschuschen“.

In Hernals, einem klassischen Arbeiterbezirk, wollte damals die sozialistischen Jugend eine Gruppe gründen, in die vor allem die Gastarbeiterkinder aus der Gegend um die Ortliebgasse eingeladen werden sollte. Mit der Möglichkeit, Partys zu feiern oder Tischtennis zu spielen. Die Bezirksparteiführung, nun, die wollte das nicht. „Wenn ihr die Jugo-Buam in unsere Parteilokale einladen wollt, dann gibt’s kein Geld mehr von der Partei“ wurde den Jugendvertretern beschieden.

Mittlerweile sind es nicht mehr die „Tschuschen“ und deren Kinder, sondern eine Vielzahl von Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Kulturen, die in manchen Lebensbereichen für Irritationen sorgen.

Der Mohamed, der eine Pizzeria betreibt, die Anker-Filialchefin, die aus dem Iran kommt und immer wieder ein Gratissemmerl dazupackt, der Lieblingskellner, der aus Mazedonien stammt oder der Elektrikerkollege, der aus Polen zugewandert ist, die werden auch von den FPÖ-Wahlern nicht als „Ausländer“ empfunden. Oder wenigstens nicht als solche, die man fürchtet und daher bekämpfen muss.

Es sind „die anderen Ausländer“. Jene, die man nur aus den Zeitungen oder vom Hörensagen kennt und die auch etwas angestellt haben. Auch jene, deren Sprache und Kultur vollkommen unbekannt sind, deren Kleidungsstil sich von unserem unterscheidet, deren Lebensstil wir zwar im Urlaub, nicht aber in der eigenen Stadt schätzen.
Zum Teil weil wir dies alles missverstehen, zum Teil aber auch, weil sich die eigene Wohnumgebung in einen fremdsprachigen Stadtteil verwandelt hat, der die angestammte Bevölkerung zur Minderheit macht. Mit den gleichen sozialen Problemen, die es in diesen Vierteln „der Unterschicht“ immer gegeben hat, die man jetzt aber nicht mehr lösen kann, weil dies durch die Sprachbarrieren verhindert wird.

Überdurchschnittlich hoch – aber das ist eine subjektive Schätzung – ist die Zahl der FPÖ-Wähler in jenen Berufsgruppen, die vor allem von den Grünen und den Sozialdemokraten geringschätzig oder sogar feindselig betrachtet werden: den Polizisten, Justizwachebeamten und in geringerem Ausmaß auch Soldaten. Vor allem die Mitarbeiter von Polizei und Justizwache sind in hohem Maß beinahe ausschließlich mit jener Gruppe von Ausländern konfrontiert, die straffällig geworden sind. Dieses Bild prägt, auch wenn es nicht der Realität entspricht. Und diese subjektiven Erfahrungen sind ein guter Nährboden für rechte Grundhaltungen. Das nützt die FPÖ, und das darf auch nicht verwundern. Vor allem dann, wenn die als „Gutmenschen“ verunglimpften engagierten Bürger jene allein lassen und sogar zu Feindbildern stilisieren, die mit kriminellen Randgruppen arbeiten müssen.

Vergleichsweise gering, dafür aber sehr bunt ist noch die Gruppe jener, die aus Protest die FPÖ gewählt haben, weil sie mit vielem nicht einverstanden sind, das von den Regierungsfraktionen sowohl in Wien als auch im Bund beschlossen wurde oder nicht gelöst ist. Das reicht die Palette des Protests gegen die populistische Agitation und Gesetzgebung der etablierten Parteien von der Einführung des Hundeführscheins über die zunehmend autofahrerfeindlichen Umbauten und Gesetze bis hin zum Denkzettel wegen der unverständlichen Sprache und auch Ausgrenzung der FPÖ-Wähler.

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Schlagworte: Angst, Ausgrenzung, Ausländer, ÖVP, FPÖ, Gastronomie, Grüne, Hund, Kampfhunde, Medien, Nazis, Politik, Polizei, Sicherheit, Soziales, SPOE, Stadt, Verkehr, Wahlkampf, Wien,

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11 Kommentare zu Nicht alle FPÖ-Wähler sind dumme Nazis. Das muss man respektieren.

  1. Kein dummer Nazi sagt:

    Ist doch völlig egal ob „dummer Nazi“ oder nicht. Die haben der FPÖ und ihren menschenverachtenden Idealen die Stimme gegeben. Das war 1933 nicht anders. Wenn jemand wegen seinem „Gesudere“ dereinst im Häf’n sitzt, wird er wohl nicht mehr so viel Verständnis aufbringen.

  2. Hugo Gold sagt:

    wie man die HC wähler dumm verunglimpft kann man hier lesen (gedruckt publiziert im falter 41/10)
    http://www.dorisknecht.com/2010/10/ich_glaube_nicht_mehr_an_marchen.php

    einen tieferen und verächtlichmachenderen artikel hab ich noch selten gelesen.

  3. Auch kein dummer Nazi sagt:

    Schön, dass auch Sie „Kein dummer Nazi“ sind. Ein weiteres Demokratieproblem – abgesehen von manch rechtsradikalen Strömungen in ganz Europa – ist, dass Leute wie Sie alle in einen Topf werfen und billigste Stimmungsmache aus der untersten Schublade betreiben. Die Zeiten von 1933 sind Gott sei Dank vorbei! Mit Ihrem ungebührlichen Vergleich stellen Sie die Gräuel des Nazi-Regimes auf eine Stufe mit einem Kreuzerl für die FPÖ bei einer Wiener Landtagswahl. – Schämen Sie sich!

  4. Auch kein dummer Nazi sagt:

    Die obige Antwort richtet sich selbstverständlich nicht an den Autor des Artikels, sondern an den Poster „Kein dummer Nazi“.

  5. Andy sagt:

    Darf ich bitte von den Kommentatoren erfahren, wieso das Geschichtsverständnis der oben genannten Bonisten immer nur 1933 beginnt? Mir ist schon bewusst, was damals geschah. Es wird aber nie thematisiert, dass es 1934 einen Bürgerkrieg im Land gab, oder dass es 1929 eine wirkliche Wirtschaftskrise gab, nicht diese Blase wie jetzt. Dass es den Knebelvertrag von Versailles gab? Wisst ihr das überhaupt? Und wenn ja, wollt ihr euch damit nicht beschäftigen, weil die Welt dann doch nicht so einfach in Yin und Yang geteilt werden kann? Oder wisst ihr es nicht, und macht deshalb diejenigen, die sich damit beschäftigen, klein, um selbst besser dazustehen?

    Wieso wird gestritten über irgendwelche Symbole, die allesamt mit dem Kreuz zusammenhängen, meistens schon älter sind als das christliche Kreuz? Wieso wird der Herr Schickelgruber als dummer Irrer hingestellt, der Vatikan aber nach wie vor hofiert? Wer hat mehr Menschen auf dem Gewissen?

    Da würden mir bestimmt noch hunderte Fragen einfallen, aber ich vermute, dass es einfacher ist, die sogenannte Nazikeule zu schwingen, als das Konkordat abzuschaffen (das übrigens ein Überbleibsel des Narrens ist) 😉

  6. Kein dummer Nazi sagt:

    Es ist wirklich erschreckend, wie hier und jetzt, nach und nach etwas ganz Boshaftes salonfähig gemacht wird, von Leuten, die glauben für „alles“ Verständnis haben zu müssen und ständig verharmlosen. Und wer glaubt, die „Zeiten von 1933“ sind ein für alle Mal vorbei und erledigt, der irrt gewaltig! Es geht nicht primär um Diffamierung einzelner Personen, die die FPÖ gewählt haben, es geht darum, die menschenverachtende Politik dieser Partei zu verhindern. Das gelingt wohl kaum, in dem man diese wählt.

  7. Andy sagt:

    Aha, und wie definiert man „menschenverachtend“? Dieses ganze Rechts-Bashing dient meiner Meinung nach seit Sinowatz nur dazu, von der eigenen Unfähigkeit abzulenken! Das kommt mit schöner Regelmässigkeit immer dann, wenn die Gefahr von Stimmenverlusten droht, oder sie eben schon verloren sind. Ich wage auch zu behaupten, dass dieses Instrument von Kreiskys Nachfolgern zwar erfunden wurde (ihm selbst wäre das nie in den Sinn gekommen), von den Grünen aber in den letzten Jahren perfektioniert wurde….

  8. Günter sagt:

    Widersprüchlichkeiten provozieren Widerspruch.
    Ich widerspreche : der Behauptung, daß der Vergleich zu 1933 und dem Deutschen aus Braunau unzulässig sei. Damals wie heute wird eine Menschengruppe als Schuldige bezeichnet. Dmala wie heute erfolgt der größte Zulauf aus den Reihen der Sozialdemokratie. Damals wie heute wird eine Partei mit „einfachen“ „LÖSUNGEN“ von jenen gewählt die zu den Verlierern gehören, die Angst haben,Angst davor vielleicht schon bald zu den Verlierern zu gehören, Angst vor Fremdem, Unbekanntem.
    Damals wie heute wird provoziert und ausgegrenzrt und anschliessend über Provokation und Ausgrenzung gejammert. Damals wie heute wird das Recht der Meinungsfreiheit beschworen um Meinungen zu äußern, die andere diffamieren, beleidigen und herabwürdigen.
    Menschenverachtend definiere ich die Unterteilung in „gute“ und „schlechte“ Ausländer, insebsondere, wenn von den Guten verlangt wird erst einmal 6 Jahre zu arbeiten, Steuern und Sozialabgaben zu leisten und auf jegliche Ansprüche zu verzichten. Menschenverachtend empfinde ich die Forderung einen „guten“ Ausländer sofort zum „Schlechten“ zu machen und ihn abzuschieben, wenn er seinen Job verliert.
    Nicht menschenverachtend aber dumm empfinde ich die Forderung nach Deutschkenntnissen aller Flüchtlinge/Migranten in einer Publikation, die von Rechtschreibfehlern (nicht Druckfehlern !) nur so strotzt.
    Ob die Abschaffung des Konkordats – und damit ein wesentlicher Teil der Trennung von Kirche und Staat – sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Aber gerade der blauäugige Recke, der sich , das Kreuz ins Scheinwerferlicht der Medien haltend, zum Retter des christlichen Abendlandes gegen den Islam ernennt, hofiert damit jene Institution, die im Posting oben so in Frage gestellt wurde. Meiner Meinung nach ist die Frage über wen nun eher der Stab zu brechen ist- über einen Vatikan, der über Jahrhunderte hinweg mit Hexenverbrennungen und Kreuzzügen (!!!!) zum Tod zahlreicher Menschen beigetragen hat oder über einen Einzelnen, der auf Grund kruder Gedanken in wenigen Jahren Abertausende in Gaskammern hinrichten lies- keine Frage der Quantität !
    Ganz ausser Acht gelassen wurde bisher auch die Tatsache, dass ein erheblicher Teil der so viel geschmähten Ausländer ihr Kreuzerl bei der Partei des Kämpfers gegen den Islam gemacht haben.Im Glauben zu den „Guten“ zu gehören und nicht von seinen „Lösungen“ betroffen zu sein. In der Hoffnung jene los zu werden, die ihnen den Platz streitig machen und in Dankbarkeit den nationalistischen Gedanken gegenüber- wenn auch SEINE Nation nicht die Ihre ist.
    Da wie dort bekommt man auf den Hinweis auf inländische Schmarotzer und Verbrecher die Antwort, dass man damit wohl genug habe und nicht noch ausländische dazu hereinholen müsse.
    Welche Lösungen bieten sich nun an ?
    Als rechts Überholerin christliche Kinder abzuschieben, oder Sozialhilfebezieher zu Zwangsarbeit verdonnern ? Oder dem Unbekannten ein Gesicht geben ? Keiner will den freundlichen Kebabverkäufer oder den netten türkischen Standler vom Brunnenmarkt abschieben. Aber weg mit dem anonymen Ausnutzer der österreichischen Gutmütigkeit. Lasst uns die „Fremden“ zu Nachbarn machen, gebt ihnen ein Gesicht. Reichen wir die Hand und sprechen wir sie an. Machen WIR klar, dass wir sie verstehen wollen und sie daher UNSERE Sprache sprechen müssen.
    Geben wir ihnen zur Begrüßung nicht nur Informationen, was wir bieten, sondern auch darüber, was wir verlangen. Und hören wir damit auf die Fehler der 60er immer wieder zu machen,als man glaubte man holt sich billige Arbeitskräfte, die nach getaner Arbeit wieder verschwinden, mit wenig Geld,mit schlechten Wohnungen zufrieden und am Rand der Gesellschaft lebend. Nehmen wir uns ein Beispiel an unseren Kindern, die vorurteilsfrei in Kindergärten gemeinsam spielen und lernen.. mit – und voneinander. Yes we can !

  9. Andy sagt:

    Guter Kommentar, Günter! Ich würde zwar nicht alles unterschreiben, aber Teile davon. In den Tag starte ich aber jetzt auf alle Fälle mit einem Grinsen im Gesicht, denn:

    Wir sollten wirklich nicht alle Fehler der 68er ewig mitnehmen 😉

  10. Wolfgang sagt:

    Ja, nicht alle Wählerinnen und vor allem Wähler die dieses mal Ihr Kreuzerl bei der FPÖ gemacht haben sind Nazis. Aber dumm sind sie allemal (Dummheit bezeichnet umgangssprachlich eine törichte Handlung sowie einen Mangel an Intelligenz oder Weisheit.)
    Sie haben aus der Geschichte nichts gelernt. Und dabei ist es egal ob wir das Jahr 1934, das Jahr 1939 oder die nationalistischen Strömungen Mitte des 19. Jahrhunderts anführen. Nationale Strömungen haben noch immer mit Gewalt geendet.
    O. K. das ist Geschichte – aber es reicht ein einfacher Blick zu unseren Nachbarn. Dort sehen und erleben wir, wohin rechtes Gedankengut führt.

  11. Dejan sagt:

    Ich bin Serbe und wähle selbst die FPÖ wie viele Serben hat also nicht mit Nazis zu tun.

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