Mäßig intelligent, präpotent und uneinsichtig: die Radl-Rowdies

Die Deppinnen und Deppen, die mit ihren Radeln die Gehsteige unsicher machen, haben eine extrem starke Lobby. Dennoch wird der Gegenwind rauer, weil auch manche Politikschaffende – nach Bürgerbeschwerden – endlich Einsicht zeigen.

Bei Rotlicht über die Ampel, dann mit 35 km/h auf dem Gehsteig. © Christian M. Kreuziger

Raser gibt es bei allen Verkehrsteilnehmer. Zu Fuß, auf dem Rad, mit motorisierten Zwei- oder Vierradfahrzeugen. Dass mittlerweile die Autodrängler, Raser und Möchtegern-Rennfahrer streng bestraft werden, findet durchaus die Zustimmung aller. Nur bei den Radlern, da blieben die Politikschaffenden und auch viele Medienschaffenden vornehm zurückhaltend.

Zum Beispiel vor ein paar Jahren, als eine Geschichte über einen Wiener Bezirksvorsteher von einem Chefredakteur (der Stadtpolitk nahestehend) aus einem Blatt gekippt wurde. Weil es angeblich keine Relevanz hätte, den Herrn Bürgervertreter als Gehsteig-Radelrowdie zu enttarnen.

Vor allen Rot und Grün schielen in der Stadt Wien auf die Stimmen der Radfahrer, deren Gruppe immer größer wird. Was ja durchaus begrüßenswert ist. Vor allem deshalb, weil sich sich mehr als 95% der Pedalritter an die geltenden Verkehrsregeln halten.

Dennoch ist man in der Stadt sehr zurückhaltend, wenn es um Sanktionen für unbelehrbare Gehsteig-Raser oder Fahrradweg-Geisterfahrer geht. Da sind die amtlich legitimierten Wächter über Sauberkeit und Ordnung mehr als vornehm zurückhaltend. Die Polizei baut lieber dort ihre Tempokontrollstellen auf, wo mit wenig Aufwand viel kassiert werden kann. Zum Beispiel im Bereich der Spittelauer Lände. Oder man kontrolliert „einfach so“ Autofahrer in der Stiftgasse. Mit Regelmäßigkeit.

Geister-Radler unterwegs: Alltag in der Alserbachstraße. © Christian M. Kreuziger

Eifrig bemüht sind auch die Hundstrümmerkontrollore in der Auslaufzone im Prater. Da kann es schon vorkommen, dass sechs amtliche Mitarbeiter der Stadt eine ältere Dame umzingeln, um 36 Euro zu kassieren, weil der Flocki seine halbfesten Verdauungsprodukte mitten im Wald hinterlassen hat.

Kaum kontrolliert werden hingegen die Radler, die mit hohem Tempo auf den Gehsteigen unterwegs sind, obwohl zwei Meter daneben ein Radweg, amtlich als „Mehrzweckstreifen“ bezeichnet, angelegt wurde.

Dass die Stadt nicht genügend Personal für die Kontrollen hätte, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Für die Überwachung des ruhenden Verkehrs, also für die kräftige Abzocke der Automobilsten, gibt es genügend Uniformierte in blauen Uniformen. Die kontrollieren nicht nur in den Problemzonen, sondern sehr gerne auch dort, wo es genügend Parkplätze gibt. Zum Beispiel in der Lukschgasse oder der Rustenschacher Allee, wo viele kurz stehen bleiben, um den Haushund zu entleeren, aber den Kurzparkschein vergessen.

Am Personalmangel kann es also nicht liegen, dass die Radel-Rowdies unkontrolliert Menschen gefährden, die ohne Argwohn aus den Häusern kommen. Die nicht damit rechnen, dass ein Zweirad-Depp mit 35 km/h auf dem Gehsteig rast. Oder Mütter, die mit dem Kinderwagen das Haus verlassen.

Auch die Kellnerinnen und Kellner, die Getränke in den Schanigarten servieren, setzen sich immer wieder der Gefahr aus, von Radl-Rowdies abgeschossen zu werden. Zum Beispiel in der Wittelsbachstraße. Dort haben ein paar halbherzige Kontrollen wenig gebracht. Vielleicht auch nur deshalb, weil man nicht konsequent genug ist, die Situation zu entschärfen.

Fast lautlos und mit hohem Tempo, und immer knapp an den Hauseingängen vorbei. © Christian M. Kreuziger

Man darf annehmen – und in persönlichen Gesprächen geben das Politiker auch zu – dass eine immer größer werdende Wählergruppe nicht verärgert werden soll. Weil auch die gesetzestreuen Radler sich sofort und unreflektiert mit den Rowdies solidarisieren. Dabei wäre es relativ einfach, die Situation zu verbessern. Mit ebenso knallharten Kontrollen und pädagogisch wertvollen Organmandaten und bei gravierenden Gefährdungen mit Führerscheinabnahmen.

Dass entschlossene Kontrollen Wirkung zeigen, haben die Hundstrümmerl-Kontrollore der Stadt bereits mit Erfolg vorgezeigt.

Bei jenen, die im Schritttempo auf dem Gehsteig unterwegs sind, ist allerdings Toleranz angebracht. Bei diesen Radlern genügt sicher der erhobene Zeigefinger. Womit allen gedient wäre. Mehr als mit wenig intelligenten Forderungen nach Nummerntaferl-Pflicht.

Mehr:

Frau Stadträtin – „tschuldigen scho, es passt net!“

Weil Wahlkampf ist: Toleranz für Gehsteig-Radl-Rowdies

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Schlagworte: Abzocke, Angst, Gefahr, Gehsteig, Gehweg, Gesetz, Gesundheit, Grüne, Medien, Politik, Polizei, Rad, Radel-Rowdies, Radfahrer, Sicherheit, SPOE, Stadt, Wahlkampf, Wien, Zwangsbeglückung,

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9 Kommentare zu Mäßig intelligent, präpotent und uneinsichtig: die Radl-Rowdies

  1. Christian M. sagt:

    also bis auf den letzten satz völlig richtige wahrnehmung. nur halte ich die nummerntafelpflicht auch für fahrräder und nur in der stadt sehr wohl für sinnvoll, denn dann könnte der (sudernde ;)) bürger nämlich selbst tätig werden, wenn schon die rot-grüne speichelleckerpartie nix zsammbringt und die radfahrer per anzeige zur räson bringen.
    und da gehts jetzt nicht um denunziantentum oder ähnliches, sondern darum, diesen 5% mal zu zeigen, daß ihr verhalten nicht nur sie selbst sondern alle gefährdet. wenn ich denk wie oft mir schon ein radfahrer vom gehsteig völlig unmotiviert vor die motorhaube gesprungen ist oder in einer einbahn, wo er nicht fahren darf, entgegengekommen ist, wundert mich, daß noch nichts schlimmeres passiert ist… (*aufholzklopf*)

  2. F.H. sagt:

    Lieber Herr Suderer….

    Sie ham ja recht….bei vielem was sie sagen…ABER es scheint mir doch so als ob sie zu jenen Menschen gehören die zwar wissen dass das Fahrrad eine, oder vielleicht sogar die, vernünftigste Fortbewegungsart in der Stadt ist, aber selbst sitzen sie doch lieber nur drauf wenns ins Weinviertel zu den Heurigen geht…..oder täusch ich mich da!?

    Weil, wenn sie schon schreiben das möchtegern Rasern schon lange der Kampf angesagt worden ist…..dann muss ich ihnen leider sagen, schreiben sie zwar einen schönen Blog mit netten Fotos…(naja) aber von der Realität auf Wiens Straßen haben sie keine Ahnung. (und dabei stimme ich ihnen noch immer zu was die Gehsteig-, die gegen die Einbahn-, und Radweggeisterradlerinnen betrifft)

    Ich rate ihnen mal…verbringen sie mal ein paar stunden auf dem Rad und fahren sie durch die Stadt nicht nur um den Ring oder der Lichtensteinstraße. (die sie anscheinend sehr gut kennen) Die sind nämlich die wenigen Punkte in Wien die Radverkehrstechnisch schon auf einem mittelalterlichem Stand sind. Nicht wie der Rest der Wiener Radinfrastruktur die sich noch in einem Stadium kurz nach dem Urknall befindet.

    Ich glaub sie werden dann nämlich feststellen müssen dass sie den ganzen schönen tag lang nichts anderesmachen werden haben als sich ins hoserl zu machen weil sie merken das sie nicht willkommen sind und sie keine Platz haben….

    Also schön weiter Sudern aber doch nicht soviel blödsinn schreiben

  3. admin sagt:

    Geehrter Herr F.H.,

    offenbar projizieren Sie gerne Ihre Gedanken auf andere. Ich habe mehr Ahnung von Wiens Straßen als mir lieb ist, ich kenne die meisten Radwege und daher auch jene im innerstädtischen Bereich oder auch viele in den Außenbezirken. Ich mache „mir auch nicht so schnell ins Hoserl“, aber auch diese Bemerkung werte ich als Projektion.

    Ihr Suderer

    😉

  4. Hum Bug sagt:

    Wurde das zweite Foto wegen dem stehenden „Geisterradler“ oder wegen der Kreuzung- und Radwegblockierenden Automassen gemacht?

  5. Hugo Gold sagt:

    auch wenn der Ring und die Liechtensteinstrasse radltechnisch schlecht sind berechtigt das noch keinen Radler zur Anarchie und zur Gefährdung von Fußgängern. Sonst könnts nämlich sein, dass diese aus Angst um ihre Gesundheit zur Selbsthilfe greifen und nur mehr mit Spazierstöcken auf die Straße gehen, so ein aus Schreck in die Speichen gerutschter Stecken ist dann schon blöd. Weil manchmal macht man sich schon ins Hoserl wegen der Deppen.
    Icvh möchte hier übrigens für eine Radlergruppe ausdrücklich eine Lanze brechen: die Fahrradkuriere sind durch die Bank rücksichtsvolle und ernstzunehmende Verkehrsteilnehmer.

  6. Harri Mannsberger sagt:

    Rennradfahrer im Dress, die das Radfahren als Sport betrachten, verhalten sich nach meinen Beobachtungen als vollwertige Verkehrsteilnehmer, dh, stopp bei roten Ampeln, kein Gehsteigbefahren, halten sich an die Stvo….
    Die Ampelmissachter und Gehsteigfahrer sind meist junge als auch ältere Semester, die mit dem Rad spazierenfahren, aus der zweiten Spur vor den Autos(fahrenden) nach rechts abbiegen etc. als gelte die Stvo nicht für sie…
    Der Beste war der freihändig fahrende, telefonierende Radfahrer auf der Ungargasse mit Kleinkind auf dem Kindersitz ! ….und dann im fliessenden Verkehr ohne Handzeichen (beide benötigte er zum telefonieren und gestikulieren) nach links abgebogen !

  7. .C. sagt:

    jaja, der Kampf auf Wiens Straßen…
    und ob man es glaubt oder nicht: Radfahrer werden abgestraft. 21€ pro Verfehlung, wie zB fehlende Reflektoren, Licht kaputt (obwohls Tag ist) usw…

    nummentafel am rad, finde ich eine ganz schlechte idee.

    mal ehrlich, gibts das schon irgendwo? wieso funktioniert das mit dem radfahren in manchen städten, die sich darüber vernünftige gedanken gemacht haben, ganz ausgezeichnet? städte in denen die radfahrthematik wirklich ernst genommen und ein vernünftiges konzept auf die beine gestellt wurde. klar kostet das geld und dauert auch seine Zeit. Aber das was gerade in Wien geschieht hat meiner Meinung nach 3 Ursachen: Sommerloch, politisches Kleingeld einstreifen und komplettes Versagen der Stadtregierung in diesem Bereich.

    Der behördliche Aufwand steht doch in keiner Relation zum Nutzen von Nummerntafeln… Naja, doch, die unrechtmäßigabgestellten Fahrräder könnte man abstrafen, während man sich schnell eine Semmel beim Nahversoger kauft…
    Da kostet der Behörden-SchnickSchnack dann vermutlich mehr Geld und Zeit als der Fahrradkauf. Zumal dann auch die jährliche Fahrradgebühr fällig wird. Pfeif ich gleich aufs Rad, geh zu Fuß, nehm die Öffis oder fahr wieder mehr Auto.
    Und was ist mit Sportgeräten? Brauchen die auch Nummerntafeln? Beim nächsten Wettkampf wird man dann bemitleidet?

    Ich bin für Nummerntafeln für Fussgänger! Nämlich die 5% der Fussgänger, die den Verkehr gefährden, die in Schlangen drängeln, die bei Rot über die Ampeln gehen, die einen anrempeln, einen umstossen, rücksichtlos sind, auf dem Radweg gehen, diesen blockieren, die am Ende und am Anfang von Aufgängen und Rolltreppen stehen, um zu tratschen oder zu telefonieren. Fussgänger die einem vor das Auto laufen oder in der Mitte vom Gehsteig gehen, sodass man nicht an ihnen vorbei kommt. Leute die im Gehen essen oder rauchen oder telefonieren und einen zwingen auf diese besonders zu achten…

    Inlineskates, Roller, Skatebords, Einräder, Stelzen, Laufschuhe, etc. alles potentiell gefährlich! Für alle eine Nummerntafel!

    Noch besser alle eine Strichcode oder gleich einen RFID-Chip implantieren…

  8. I wor´s ned sagt:

    Nummerntafeln für Fahrräder….
    Das gab´s in der Schweiz schon sehr, sehr lange – die haben es aber abgeschafft weil—die Taferl immer öfter gestohlen wurden. Gut, die hatten nur die Jahreszahl drauf damit man sah das Ding ist versichert aber man könnte schon viel anstellen mit „richtigen“ Nummertaferl und dem Verdacht auf andere lenken oder?
    Eine Haftpflicht für Radfahrer wär eventuell aber noch so schlecht.

  9. Martin sagt:

    Ohne Nummerntafeln wird es nicht gehen.

    Die Verlockung, nach einem Zusammenstoß mit einem Fußgänger einfach weiterzufahren ist einfach zu groß.
    All diese Unfälle gehen, mangels Anzeige nicht in die Statistik ein. Wer macht sich schon die Mühe stundenlang bei der Polizei auf die Aufnahme eines Protokolls zu warten, eine Anzeige „gegen Unbekannt“ was soll das bringen.

    Aber ich bin oft in Wien zu Fuß unterwegs, ganz besonders auch an den „Radbrennpunkten“ und was man da erlebt ist einfach unbeschreibliches Rowdytum der Radfahrer.

    Mit der Nummerntafel ist natürlich eine Haftpflichtversicherung zu verbinden.
    1. hat nicht jeder eine Haushaltsversicherung die auch Radunfälle deckt
    2. bei Personenschaden ist die Deckungssumme einer Haushaltsversicherung rasch erreicht. Stellen sie sich mal eine dauernde Behinderung eines Menschen als Folge eines Radunfalls vor.

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