Journalisten sollen gefälligst zahlen, wenn sie publizieren wollen

Kollegin Hermine H. ist entsetzt. Sie hat ein paar gute Geschichten recherchiert, fotografiert und sie dann einigen Medien angeboten. Die waren sehr angetan von ihrem Werk und wollten die Geschichte drucken. Allerdings: Sie wollten von der Kollegin Geld dafür…

Hermine hat sich auf Themen im Sozialbereich spezialisiert. Schließlich hat sie eine fundierte Ausbildung als Diplomkrankenschwester, einige hochwertige Zusatzqualifikationen, hat später das journalistische Handwerk in Text und Bild erlernt und ist in die Medienbranche gewechselt. Das macht ihr Freude.

Wenig Freude hingegen macht ihr die Entwicklung, die in der Branche gerade stattfindet. Die Honorare werden immer niedriger, ihre aufwändig gestalteten Fotos zu den Geschichten werden nicht bezahlt, Spesenersatz ist ein Fremdwort geworden. Nun hat sie die Erfahrung gemacht, dass seriös recherchierte Geschichten, die sie anbietet, nicht nur nicht bezahlt werden, sondern dass man ihr vorschlägt, dafür „Druckkostenbeiträge“ zu leisten.

Das ist durchaus üblich, wenn auch nicht darüber gerne geredet wird. Bei „positiver Berichterstattung“ über Gastronomiebetriebe, Produkte für Pflege, Kosmetik und in der Medizin, immer öfter auch in der „politischen“ Berichterstattung.

Dass neuerdings die Gröscherlzähler in den Verlagen nun auch die Journalisten als Geldquelle entdeckt haben, das ist bemerkenswert…

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Schlagworte: Abzocke, Abzockerei, Druckkosten, Geld, Journalismus, Medien, Presse, Pressefotos, Zwangsbeglückung,

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Ein Kommentar zu Journalisten sollen gefälligst zahlen, wenn sie publizieren wollen

  1. …ja das kenne ich. Ich bin spezialisiert auf Ideologien und wie diese unser ökonomisches-soziales und ökologisches Handeln im Alltag beeinflussen; Schwerpunkt sind indigene Kulturen in Hinblick auf space-human-environment-relations.

    Ich bin freie Journalistin, und als studierte Geografin (mit Germanistik und Geschichte) mit Schwerpunkt Regionalsoziologie/Humangeografie eine Exotin (auf redaktioneller wie auch wissenschaftlicher Ebene). Man hat mir während meiner Studienzeit erzählt, ich solle mich spezialisieren, dann hätte ich die größten Chancen auf gutes Einkommen und gute Arbeitsmöglichkeiten.

    Man möchte meinen, eine Nische, die man in der umwelt- und sozialpolitischen Bereichterstattung positionieren kann, wäre für den Medienmarkt wertvoll. Das Gegenteil scheint der Fall. Entweder du gehörst zu den Arbeitssammlern/Jobnomaden oder du ziehst eigene Projekte auf (inkl. deren Finanzierung, oder – du bist arbeitslos.

    Die Gewerkschaftsvertretung sagt, die Fachhochschulen hätten den journalistischen Markt ruiniert. Absolventen arbeiten gratis als „Praktikum“, bieten sich sogar an, unbezahlt vier Monate mitzuarbeiten, nur um Berufserfahrung zu erlangen. Darauf setzen die Verlage, weil für sie gratis geschrieben wird. Absolventen der FHs in Journalismus und Medienwesen haben kaum Fachwissen ihres Ressorts oder in Wissenschaftsbereichen. Dieses wird kaum mehr verwendet (Wikipedia etc. macht vieles möglich, obwohl für Techniker Wiki recht gut ist und es nachweislich in sozialwissenschaftlichen Belangen äußerst kritisch zu betrachten ist).
    So kommt es oftmals zu Fehlern in der Berichterstattung, die sich als oberflächlicher Artikel ohne jeglicher Aussage mit teilweise schlecht recherchiertem Inhalt zeigt – v.a. in geografischen Themen der Umwelt- und Sozialgeografie. „Klimalügen“ werden abgeschrieben, Folgewirkungen wirtschaftlichen oder planerischen Verhaltens erst gar nicht mehr thematisiert. Es ist, als ob eine Software den Artikel schreibt – stereotyp, maschineller Stil, alles nur auf die Technik des Schreibens reduziert. Inhalt und Empathie geht verloren. Kritischer Journalismus ebenfalls.

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