Jenseitig: Herr Stronach und die Pressefreiheit

Der austrokanadische Milliardär, der neuerdings Abgeordnete als Art „politischer Groupies“ sein eigen zu nennen scheint, hat einen lustigen Zugang zur Pressefreiheit veröffentlichen lassen. Was leider gar nicht lustig ist.

Wie das Magazin „Datum“ aufgedeckt hat, scheint man im Team des Politik-Neulings Frank Stronach unter Omnipotenzphantasien zu leiden. Anders ist es nicht erklärbar, dass Journalisten, die den 80-jährigen Jungpolitker interviewen wollen, zuerst eine rigoros einschränkende Erklärung unterschreiben müssen, die keinen journalistischen Spielraum lässt.

Um zu einem Interview mit dem gebürtigen Steirer zu kommen, müssen Journalisten eine Erklärung unterschreiben, die in dieser Form hierzulande wohl einzigartig ist:

„Ich, N. N., erkläre hiermit, vor einer Veröffentlichung von Gesprächen und Interviews mit Herrn Frank Stronach des gesamten Interviewtext Frau Dr. Kathrin Nachbaur, Leiterin des Instituts für sozialökonomische Gerechtigkeit, zur Einsicht und schriftlichzen Freigabe zu senden. Ich schicke auch Titel und Einleitung zur etwaigen Richtigstellung von Fakten zu. Falls die Autorisierung nicht erteilt wird, werde ich weder den Umstand des Interviews noch das Gespräch ganz oder auszugsweise veröffentlichen.“

Um sich nicht dem Vorwurf der Zensur auszusetzen hält man noch fest:

„Frank Stronach hält hiermit ausdrücklich fest, dass er die Freiheit des Journalismus respektiert, er ein absoluter Befürworter des Journalismus als objektives, neutrales Kontrollorgan der Demokratie, seiner Politik und Politiker ist und die Vereinbarung ausschließlich zur Einhaltung der Werte Wahrheit, Fairness und Transparenz gilt!“

Wie die Redaktion des Magazins „Datum“ möglicherweise zu Recht vermutet, haben scheinbar bereits einige Kollegen der Printmedien diese Vereinbarung unterschrieben. Anders ist es nicht erklärbar, dass bereits Interviews erschienen sind. Die nun allerdings in neuem Licht erscheinen und einige Fragen offen lassen. Zum Beispiel, wie die tatsächlichen Antworten des Herrn Parteigründers gelautet haben und wie sie – von wem auch immer – geschönt oder verändert wurden. Im Sinne von „Wahrheit, Fairness und Transparenz“, wie sich wohl von selbst versteht.

Dennoch ist Herr Stronach, der bei Interviews und Diskussionen gerne viel spricht, ohne auf Fragen einzugehen, mit dieser Aktion nicht gerade erfolgreich. Denn nach dem Bericht in „Datum“ haben nicht nur Journalisten massiv gegen diesen Zensurversuch protestiert.

Das Team der „Wahrheits-, Fairness- und Transparenzliebenden“ rudert nun zurück. Zwar nur marginal, aber dennoch. Mit einer Pressemitteilung, in der man – halbherzig – Fehler eingesteht, ohne die unannehmbaren Bedingungen nur Ansatzweise zurück zu nehmen.

„Anbei die aktualisierte Erklärung, die wir ab heute verwenden werden.
Die neue Erklärung im Wortlaut:
Ich, VORNAME NACHNAME, MEDIUM erkläre hiermit, vor einer Veröffentlichung von Gesprächen und Interviews mit Herrn Frank Stronach den gesamten Interviewtext an Herrn/Frau XY, Funktion, Adresse, emailadresse, zur Einsicht und schriftlichen Freigabe zu senden. Kürzungen bzw. jegliche Änderung sind ohne schriftliche Zustimmung von Seiten des Team Stronach untersagt. Falls die Autorisierung des Interviews nicht erteilt wird, ist eine Veröffentlichung untersagt.“

Dass Journalisten von Qualitätsmedien Zitate oder die Antworten auf Interviewfragen autorisieren lassen, ist tatsächlich üblich. Fallweise, und dann, wenn es um das richtige zitieren von Fakten oder komplizierten Zusammenhängen geht. Dies allerdings eingeschränkt auf Printmedien.

Im Radio oder im TV ist diese Vorgangsweise zumindest in unseren Breiten derzeit undenkbar. Das würde bedeuten, dass „Stronachs Pressedienst“ beim Schnitt präsent wäre. Das würde hierzulande wohl einen Aufschrei verursachen, den die Partei des Neopolitkers Stronach nicht lange überleben würde.

Bedenklich ist allerdings, wie sektenartig die Stronach-Abgeordneten ihre Botschaften bei Parlamentsdiskussionen herunterbeten. Das erinnert an jenen Konzern, der es in Österreich noch nicht geschafft hat, als „Kirche“ anerkannt zu werden. Auch die Formulierung des Stronach-Pressedienstes für Interview-Vereinbarungen klingt verdächtig nach den Methoden dieses US-Konzerns.

Ob der von vielen empfohlene Interview-Boykott durchzuhalten ist, ist unwahrscheinlich. Dass nun aber die vielen ausgezeichnet recherchierenden Journalisten des Landes gefragt sind, ist nicht anzuzweifeln. Denn wer sich auf diese Art abzusichern versucht, macht sich verdächtig. Rein demokratiepolitisch, wie angemerkt sein soll.

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