{"id":5502,"date":"2013-07-25T14:11:55","date_gmt":"2013-07-25T12:11:55","guid":{"rendered":"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?p=5502"},"modified":"2014-12-18T18:24:40","modified_gmt":"2014-12-18T17:24:40","slug":"die-gastronomen-ruinieren-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?p=5502","title":{"rendered":"Die Gastronomen ruinieren sich selbst"},"content":{"rendered":"<p>Die Gastronomen klagen manchmal zu Recht, dass man ihnen das \u00dcberleben immer schwerer macht. Durch Beh\u00f6rdenschikanen, durch Steuern und auch durch gestiegene Kosten. Dennoch darf man anmerken: Der gr\u00f6\u00dfte Feind der Kaffeesieder und Wirten ist die von ihnen selbstverschuldete Unzufriedenheit der G\u00e4ste.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_5504\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?attachment_id=5504\" rel=\"attachment wp-att-5504\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5504\" class=\"size-full wp-image-5504\" alt=\"Letztes Aufb\u00e4umen eines Wiener Traditionskaffeehauses: Nach der Umstellung auf Tiefk\u00fchlkost und entsprechender Preiserh\u00f6hung bleiben die G\u00e4ste aus. Nun versucht man, mit scheinbar originellen Angeboten Touristen zu k\u00f6dern. Was ebenfalls schiefgeht. \u00a9 Christian M. Kreuziger\" src=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Werbetafel.jpg\"   srcset=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Werbetafel.jpg 600w, http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Werbetafel-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5504\" class=\"wp-caption-text\">Letztes Aufb\u00e4umen eines Wiener Traditionskaffeehauses: Nach der Umstellung auf Tiefk\u00fchlkost und entsprechender Preiserh\u00f6hung bleiben die G\u00e4ste aus. Nun versucht man, mit scheinbar originellen Angeboten Touristen zu k\u00f6dern. Was ebenfalls schiefgeht. \u00a9 Christian M. Kreuziger<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der alte Spruch hat nichts an seiner G\u00fcltigkeit verloren: \u201eWer nix wird, wird Wirt!\u201c<\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr liegt &#8211; auch &#8211; an jenen Ma\u00dfnahmen, mit denen das Arbeitsmarktservice und in seltsamer \u00dcbereinstimmung mit Politik und Wirtschaftskammer Langzeitarbeitslosen raten, sich in der Gastronomie selbstst\u00e4ndig zu machen. Das scheitert in vielen F\u00e4llen und bewirkt weiteres Leid.<\/p>\n<p>Zum Beispiel ein kleines Beisl in gar nicht so schlechter Lage neben einem Hotel. Monatelang versuchte der Suderer dort das Angebot an Tramezzini zu testen. Nach der Tagesarbeit, so gegen 19:00 Uhr. Was lange nicht gelang. Denn obwohl das \u00d6ffnungszeitenschild gro\u00dfspurig verk\u00fcndete, neuerdings bis 23:00 konsumieren zu k\u00f6nnen, war oft schon am Nachmittag Schluss. Weil das Wetter zu sch\u00f6n war (da gingen die Jungunternehmer lieber schwimmen), weil es zu kalt war, zu nass, oder weil eben in zwei Stunden ohnehin nur drei G\u00e4ste kurz vorbeigeschaut haben.<\/p>\n<p>Diese Gr\u00fcnde hat der Suderer erst nach Monaten im Gespr\u00e4ch mit den Betreibern herausgefunden, und auch das Faktum, dass das AMS die jungen Herren quasi in die Gastronomie-Selbstst\u00e4ndigkeit gedr\u00e4ngt hat. Wahrscheinlich um die Statistik ein wenig zu versch\u00f6nern.<\/p>\n<p>Allerdings fuhrwerken auch gelernte Gastronomen wild entschlossen in eine Richtung, die ihre Stammg\u00e4ste ziemlich reduziert. Zum Beispiel mit schlechter Qualit\u00e4t, einer Preisgestaltung, die jenseits von Gut und B\u00f6se zu bezeichnen ist oder mit sonstigen lustigen Ideen, die auch den letzten Dauergast vertreibt.<\/p>\n<p>Spitzenreiter sind derzeit ja jene Innenstadtlokale, die neuerdings f\u00fcr das Leitungswasser Geld verlangen. Zum Teil in einer H\u00f6he, die man als Sachwucher bezeichnen muss. Auch die Argumente, warum das denn so sein muss, sind nicht gerade geeignet, Vertrauen in die Gastfreundlichkeit zu gewinnen.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<p>Illustriert am Thema Wasser: Jeder Klogang der G\u00e4ste sp\u00fclt mehr erstklassiges Wiener Hochquellwasser in die Kanalisation als eine ganze Tafel von Mittagsg\u00e4sten bei der Essenseinnahme. Und wenn dann die Damen und Herren Gastronomen meinen, f\u00fcrs Tafel-Leitungswasser deshalb Geld verlangen zu d\u00fcrfen, weil ja die Gl\u00e4ser gewaschen und das kostbare Nass serviert werden muss, stellt sich die Frage: Nu &#8211; die H\u00e4useln werden nicht gereinigt und das Klopapier f\u00fcllt sich auch selber nach? So wie die Seifenspender?<\/p>\n<p>Dass vor allem hochpreisige Lokale nun die \u201eWassergeb\u00fchr\u201c einf\u00fchren ist ebenfalls bemerkenswert. Was unsereinem aber wurscht sein kann, weil diese Lokale eben nicht mehr besucht werden.<\/p>\n<p>In vielen Lokalen ist allerdings vor allem die sinkende Qualit\u00e4t des Speisen- und Getr\u00e4nkeangebots der Grund, dass viele G\u00e4ste ein Art \u201eneues Biedermeier\u201c in den pers\u00f6nlichen Lebensstil einbauen und sich und ihre G\u00e4ste selber bekochen, weil die Qualit\u00e4t nicht dem Preis entspricht. Beispiele gef\u00e4llig? Gerne.<\/p>\n<p>Da wird in einem Lokal, das ehemals als sehr gut bezeichnet wurde, der gebackene Kabeljau samt Haut paniert. Was man als extrem eklig bezeichnen muss. Das brennt sich ins Gehirn ein, allein der Gedanke l\u00e4sst den Kabeljaufreund an Tagen, in denen dieses Gericht angeboten wird, einen weiten Bogen um das Etablissement machen. Oder, was ebenfalls schon vorgekommen ist, der panierte Fisch auf einem Haufen Erd\u00e4pfelsalat platziert wird. Wenn dann der Zwiebelrostbraten flachsig ist und die Pastagerichte teilweise von Obers ertr\u00e4nkt werden, dann ist der Ofen aus. Oder wenn der Kochlehrling, oder wer auch immer, halb grob geschnittene Gurken in einer Art s\u00fc\u00df-s\u00e4uerlichen marinadenartigen Suppe ers\u00e4uft und dies als \u201eGurkensalat\u201c servieren l\u00e4sst. Zu faschierten Laberln mit einem \u201eErd\u00e4pfelp\u00fcrree\u201c, mit dem man Fu\u00dfballer-Pickerl in ein Album kleben k\u00f6nnte, weil es schon zum Kleister geworden ist.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel: Ein ehemals extrem gut besuchtes Traditionscaf\u00e9 wechselt Besitzer und Mannschaft. Statt frisch gekochten Speisen gibt es nun Tiefk\u00fchlgerichte, oft nicht von einem Koch, sondern vom Kellner zubereitet. Teurer als fr\u00fcher, daf\u00fcr schlecht genug, um in einer Bundesheerkaserne eine bewaffnete Meuterei ausl\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Fazit: Die Stammg\u00e4ste sind weg, daf\u00fcr bekommt man jederzeit einen Platz. Soferne man sich \u00fcberhaupt hineintraut, in das Kaffeehaus. Weil man &#8211; ganz \u201eweltm\u00e4nnisch\u201c &#8211; beschlossen hat, die Tische mit Tischt\u00fcchern, Servietten und Esswerkzeugen auszustatten.<\/p>\n<p>Diese Unsitte, auf allen Tischen Besteck zu platzieren hilft zwar dem Servierpersonal Zeit sparen, falls doch einmal G\u00e4ste kommen, diese Unart jedenfalls, die greift munter um sich. In Kaffeeh\u00e4usern oder Gastst\u00e4tten gleicherma\u00dfen. Unsereinem &#8211; und da geh\u00f6rt der Suderer wohl der Mehrheit an &#8211; wird dadurch unmissverst\u00e4ndlich vermittelt, dass man als Gast schlicht und ergreifend unerw\u00fcnscht ist, wenn man nicht zu speisen gedenkt.<\/p>\n<p>Auch unser \u201et\u00e4gliches Brot\u201c ist in der Gastronomie nicht mehr bekannt. Da wird offenbar nur mehr das tiefgefrorene Klumpert serviert, das sich trefflich monatelang lagern l\u00e4sst und wenig kostet, daf\u00fcr aber teuer verkauft werden kann. Und \u201ejust in time\u201c zubereitet werden kann. Was theoretisch gut klingt, in der Praxis aber regelm\u00e4\u00dfig die G\u00e4ste gr\u00fcndlich aus diesen Lokalen treibt. Zum Beispiel dann, wenn die K\u00fcche nicht oder sehr sparsam disponiert. Da wird n\u00e4mlich oft erst dann \u201eaufgebacken\u201c, wenn die W\u00fcrschteln schon im Topf sind.<\/p>\n<p>Ergebnis: Die Frankfurter werden serviert, \u201edas Geb\u00e4ck kommt gleich\u201c &#8211; allerdings brennhei\u00df und erst zu einem Zeitpunkt, wenn die Wurstware schon kalt und verschrumpelt ist. Wenn das nun \u00f6fter passiert, und das ist so, hat man schon wieder einen potentiellen Stammgast weniger. Und wahrscheinlich auch gleich das gesamte Umfeld. Weil man ja den Freunden bei den Lokalempfehlungen mehr trauen darf als den bunten Werbeeinschaltungen in den Gratis-Bezirkspublikationen jeglicher Art.<\/p>\n<p>Ebenfalls ein Quell ewiger Freude: Die \u201eWeinkarte\u201c. Selbst in den grindigsten Beiseln scheint man entdeckt zu haben, dass man schlechten Wein viel zu teuer verkaufen kann, wenn man zu scheinbar teuren Gl\u00e4sern greift und vor allem auf der Karte den Namen des Winzers erw\u00e4hnt. Auf diese Art wird oft und gerne der Wein, der um 1,85 Euro\/Liter eingekauft wird, zum 4,20 Euro-Tr\u00f6pferl geadelt. Pro Glas, nicht pro Liter. Das ver\u00e4rgert viele. Sogar Touristen, die ja auch nicht ganz bl\u00f6d sind.<\/p>\n<p>Was bei aller Suderei dennoch positiv anzumerken ist: Es gibt sie noch, die kleinen, feinen und normalen Lokale, die Wert auf Qualit\u00e4t legen. Das sind vorwiegend jene, wo man Menschen aus allen Schichten trifft. Lokale ohne \u201eGschisti-Gschasti\u201c, daf\u00fcr aber mit einem hervorragendem Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Insgesamt ist es aber wahrscheinlich egal, was Gastronomen ihren G\u00e4sten servieren. Weil vor allem viele junge Menschen nicht einmal wissen, wie man Zwiebel schneidet oder wie eine echte Semmel schmeckt. Weil sie es nie gelernt haben. Und gegen die US-Laberln aus der Schachtel schneidet das Men\u00fc beim Wirten wahrscheinlich auch nicht schlechter ab.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<div><div style=\"padding-top:10px;margin-bottom:10px;font-size:10pt;font-family:arial;font-weight:bold;\">Did you like this? 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