{"id":2835,"date":"2010-11-14T18:14:19","date_gmt":"2010-11-14T17:14:19","guid":{"rendered":"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?p=2835"},"modified":"2014-12-18T18:24:49","modified_gmt":"2014-12-18T17:24:49","slug":"die-turken-der-herr-botschafter-und-wir-osterreicher","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?p=2835","title":{"rendered":"Die T\u00fcrken, der Herr Botschafter und wir \u00d6sterreicher"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber mangelnde Medienpr\u00e4senz kann sich seine Exzellenz, der Herr Botschafter der T\u00fcrkei, nach einem <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/politik\/innenpolitik\/608981\/Tezcan_Warum-habt-ihr-110000-Tuerken-eingebuergert?direct=609016&amp;_vl_backlink=\/home\/politik\/innenpolitik\/610224\/index.do&amp;selChannel=\" target=\"_blank\">Interview<\/a> mit der Tageszeitung &#8222;Die Presse&#8220; nicht beklagen. Das ist gut so, auch wenn das manche gar nicht m\u00f6gen. Aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_2838\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a rel=\"attachment wp-att-2838\" href=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?attachment_id=2838\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2838\" class=\"size-medium wp-image-2838\" title=\"Graff\" src=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Graff1-300x199.jpg\" alt=\"\"   srcset=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Graff1-300x199.jpg 300w, http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Graff1.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2838\" class=\"wp-caption-text\">Der Botschafter der T\u00fcrkei hat heftige Diskussionen ausgel\u00f6st. Vielleicht hilft das, die Spannungen zu l\u00f6sen. \u00a9 Kreuziger<\/p><\/div>\n<p>Herr Kadri Ecved Tezcan, Botschafter der T\u00fcrkei und wie er selbst sagt, auch der etwa eine Viertelmillion z\u00e4hlenden t\u00fcrkischen Gemeinde in \u00d6sterreich, hat einige unangenehme S\u00e4tze zu Protokoll gegeben. Das mag zwar undiplomatisch gewesen sein, hat aber zu bemerkenswerten Redaktionen gef\u00fchrt. In der Politik, in den Medien und auch bei den vielzitierten &#8222;Mentschen&#8220;, wie Politikschaffende das Wahlvolk gerne bezeichnen.<\/p>\n<p>Eines vorweg: Recht haben sie alle, die sich zu Wort gemeldet haben. Irgendwie halt. Das h\u00e4ngt vom jeweiligen Standpunkt ab.<\/p>\n<p>Viele Politikschaffende, vor allem jene, die in der Bundesregierung besch\u00e4ftigt sind, haben den Herrn Botschafter daf\u00fcr gescholten, dass er \u00d6sterreich kritisiert. Zum Beispiel hat er das Faktum, dass die Polizeiministerin f\u00fcr Migration zust\u00e4ndig ist und bei Problemen polizeiliche L\u00f6sungen bevorzugt, angesprochen.<\/p>\n<p>Die Frau Polizeiministerin Magister Doktor Maria Theresia Fekter hat wieder andere Probleme mit dem Herrn Botschafter via <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/politik\/innenpolitik\/610043\/Fekter_Tezcan-hatte-Probleme-mit-Frau-auf-Augenhoehe?_vl_backlink=\/home\/politik\/innenpolitik\/609016\/index.do&amp;direct=609016\" target=\"_blank\">Medien<\/a> verbreiten lassen. So bemerkt sie im Interview mit der &#8222;Presse&#8220;: &#8222;Ich habe den Eindruck gewonnen, dass er Probleme hatte, in einem politischen Amt einer Frau auf Augenh\u00f6he begegnen zu m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>Das klingt nach Retourkutsche. Pers\u00f6nlich. Sachlich hat, so Fekter, der Botschafter t\u00fcrkische Schulen f\u00fcr t\u00fcrkische Jugendliche gefordert. Unter anderem. Doch dar\u00fcber demn\u00e4chst mehr.<\/p>\n<p>Die \u00d6sterreicher wieder, die haben das gar nicht gern geh\u00f6rt, dass der Herr Botschafter behauptet, die \u00d6sterreicher w\u00fcrden sich &#8211; au\u00dfer im Urlaub &#8211; nicht f\u00fcr andere Kulturen interessieren. Schon gar nicht f\u00fcr die t\u00fcrkische, das hat er vielleicht gemeint.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber die Ghettos hat der Herr Botschafter etwas gesagt. Dass T\u00fcrken und andere Ausl\u00e4nder in den anderen Gegenden in Wien gar keine anderen Wohnungen bekommen w\u00fcrden als in den gewissen Vierteln um den Brunnenmarkt oder in Favoriten. Auch dass \u00d6sterreicher ihre Kinder nicht in Schulen schicken w\u00fcrden, in denen mehr als 60% Migrantenkinder unterrichtet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Es wird diskutiert, und das ist gut so<\/strong><\/p>\n<p>Abgesehen von den diplomatischen Verstimmungen und den Befindlichkeitsst\u00f6rungen der Politikschaffenden ist dennoch eine Diskussion in Gang gekommen. Die man schon vor Jahrzehnten h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen und die auch schon vor vielen Jahrzehnten gef\u00fchrt wurde. Leider meist von Rechtspopulisten dominiert und extrem vereinfacht.<\/p>\n<p>Dass massive Zuwanderung nicht ohne Probleme m\u00f6glich ist, wird kaum jemand leugnen k\u00f6nnen. Das hat mit Befindlichkeiten zu tun, viel mehr jedoch mit kulturellen Unterschieden und vor allem mit Sprachproblemen. Was nicht verstanden wird, und zwar in Wort, Geste oder Tradition, das macht Angst. Angst vor Ver\u00e4nderung zum Beispiel. Angst davor, das gewohnte eigene Verhalten \u00e4ndern zu m\u00fcssen und sich auf \u201eFremdes\u201c einzulassen.<\/p>\n<p>Diese \u00c4ngste sind es auch, die Vorurteile erst erm\u00f6glichen und die Ger\u00fcchtek\u00fcche brodeln lassen. Das war schon vor Jahrhunderten nicht anders.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an einige dieser uralten \u00c4ngste, Vorurteile und Ger\u00fcchte. Zum Beispiel an den Kult um den \u201eAnderl vom Rinn\u201c. 1462 soll im Tiroler Ort Rinn der dreij\u00e4hrige Anderl Oxner von Juden durch einen Ritualmord ums Leben gekommen sein. Was im Laufe der Jahrhunderte folgte, war signifikant f\u00fcr das Entstehen von Ger\u00fcchten, von Legitimation von andersgl\u00e4ubigen Menschen und kollektivem Zorn und den daraus folgenden Rachegedanken.<\/p>\n<p>Wer nun meint, das h\u00e4tte sich nach dem Holocaust im Dritten Reich ge\u00e4ndert, irrt. Noch in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es \u00e4hnliche Schilderungen grauenvoller Rituale der Juden. Diese w\u00fcrden kleine Kinder rauben, \u00fcber eine Holzrutsche, an deren Enden Sensen eingebaut sind, in Keller rutschen lassen und dort ihre blutr\u00fcnstigen und grauenvollen religi\u00f6sen Rituale pflegen. Das haben Angeh\u00f6rige einer kleinen christlichen Sekte behauptet. Die zwar Jesus als Gott anerkannt haben, allerdings war dieser, so die Glaubensgrundlage, ein in Pal\u00e4stina lebender Abk\u00f6mmling germanischer Zuwanderer.<\/p>\n<p>Auch \u201eZigeunern\u201c werden noch immer geheimnisvolle Kr\u00e4fte zugeschrieben. Vor allem jenen, die leichtgl\u00e4ubige Zeitgenossen kr\u00e4ftig mit allerlei Fluchdrohungen und Heilsversprechen abzocken. Diese wurden zwar nicht mehr \u201everhext\u201c, um ihr Erspartes und den Schmuck herauszur\u00fccken, aber sie wurden \u201ehypnotisiert\u201c. Entweder kommen manche der Opfer selbst auf die Idee, manchmal wird sie diesen aber auch eingeredet. In jedem Fall wird diesen \u201eFremden\u201c zugesprochen, \u00fcber unheilvolles Wissen und die entsprechende Absichten zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Es ist auch noch nicht allzu lange her, dass den Schwedinnen eine besonders freiz\u00fcgige Gestaltung ihres Sexuallebens zugeschrieben wurde. Von \u00d6sterreichern. Sogar Filme wurden gedreht, die einschl\u00e4gige Titel hatten. \u00c4hnliche freiz\u00fcgig werden Europ\u00e4erinnen derzeit von den Bewohnern vieler L\u00e4nder gesehen, die zu den beliebten Urlaubsdestinationen z\u00e4hlen. Auch das d\u00fcrfte Gr\u00fcnde haben, die mit kulturellen Unterschieden und Kommunikationsproblemen zu begr\u00fcnden sind. Oder eben mit pers\u00f6nlichen Vorlieben der handelnden Personen beiderlei Geschlechts.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Kebab, Pizza oder Schweinefleisch s\u00fc\u00df-sauer&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Politisch agitiert wird auch gerne mit den Essgewohnheiten der Zuwanderer. Zumindest ansatzweise und mit dem Beigeschmack der Ger\u00fcchteb\u00f6rse. Das in Wien angeblich \u00fcbliche und weit verbreitete Grillen von Hammeln im Gemeindebau ist eines jener Ger\u00fcchte, die von Rechtspopulisten stets mit gro\u00dfem Beifall bei Wahlveranstaltungen oder auf Homepages zum Besten gegeben wird.<\/p>\n<p>Dass in Wien viel \u00f6fter gegrillt wird, zum Beispiel auf der Donauinsel oder im Schwarzenbergpark, das ist evident. Man darf das n\u00e4mlich mittlerweile. Vereinzelt hat man fr\u00fcher auch im \u00dcberschwemmungsgebiet gegrillt. Allerdings selten, denn das Schleppen der Utensilien inklusive Griller und Holzkohle, verbunden mit der Anreise per Tramway, das war nun doch ein wenig m\u00fchsam. Da hat man dann doch das kalte Wienerschnitzel mit Gurkensalat aus dem Glasl bevorzugt.<\/p>\n<p>Entsetzen hat man auch vor 25 Jahren bei vielen Menschen ausgel\u00f6st, wenn man zugegeben hat, rohen Fisch zu verspeisen. Sushi oder Sashimi gab es nur in einem winzigen Lokal beim Naschmarkt. Das hat sich nun ver\u00e4ndert. Auch Lamm kam \u00e4u\u00dferst selten auf den Tisch. Vielleicht zu Ostern, oft bei Familien mit l\u00e4ndlichem Migrationshintergrund. Dort gab es auch manchmal ein \u201eKitzerl\u201c zum hohen Fest der Christen. Lamm oder Kitz waren den meisten Wienern eben fremd und wurden von der Mehrheit strikt abgelehnt.<\/p>\n<p><strong>Kopftuch, Dirndl und das \u201eWehrmachtskappel\u201c&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Es ist erst ein halbes Jahrhundert her, dass vor allem im l\u00e4ndlichen Gebiet strenge Bekleidungsregeln gegolten haben. Verheiratete katholische Frauen ohne Kopftuch in der \u00d6ffentlichkeit, das war undenkbar. Blickdichte Str\u00fcmpfe, auch im Hochsommer waren Pflicht, Frauen beim Gottesdienst ohne Tuch oder Schleier, und nicht stets getrennt von den M\u00e4nnern sitzend, waren in manchen katholischen Gemeinden eine grobe Missachtung der g\u00f6ttlichen Weltordung.<\/p>\n<p>M\u00e4nner trugen Hut, zumindest eine Kappe. Oft aus alten Wehrmachtsbest\u00e4nden, ohne Abzeichen halt. Das tun sie immer noch, die \u00e4lteren Herren. Halt nicht mehr das Modell \u201eBundesheer\u201c oder \u201eLagerhaus\u201c. Jetzt tr\u00e4gt man die feschen, die man in den USA auf dem Haupt hat. Mit unterschiedlichen Aufschriften und verschiedenen Farben. Sogar die einst verp\u00f6nte Jean haben diese Herren f\u00fcr sich entdeckt. Fr\u00fcher, in der Jugend, da trugen sie noch die Trevira-Hosen, in mausgrau gehalten.<\/p>\n<p>Die Tracht der Juden, \u201eden schwarzen Kaftan\u201c mit dem Hut, der war vielen schon immer suspekt. Vor allem in den Jahren nach dem Krieg, als es viel weniger Juden gab als jetzt und sich viele gar nicht durch ihre Kleidung dazu bekennen wollten. Diese Tracht also, die war urspr\u00fcnglich als Bekleidungsvorschrift dem Volke Israels aufgezwungen worden. In einer Zeit, als nur bestimmte Schichten und Gruppen der Bev\u00f6lkerung bestimmte Stoffe, bestimmte Farben und bestimmten Schmuck tragen durften. Das d\u00fcrfte sich im kollektiven Unbewussten irgendwie erhalten haben. Bei aller Uniformierung, die es gibt: Wenn es fremde Uniformen wie Trachten sind, dann fordern schon viele ein Verbot derselben. Weil es eine \u201ereligi\u00f6se Manifestation\u201c sei. Oder sogar eine politische \u00c4u\u00dferung.<\/p>\n<p>Das stimmt zwar bedingt, sollte aber legitim sein. Denn die verschiedenen Trachten, die k\u00f6nnten ja unser Stadtbild bunter und interessanter machen. Manchen macht dies aber Angst, vielleicht weil hierzulande traditionelle Kleidung zu oft und zu lang politisch missbraucht wurde. Oder weil man sich mit den blauen US-Uniformhosen von der Vorg\u00e4ngergeneration abgrenzen wollte.<\/p>\n<p>Dennoch reagieren Linke, Rechte, Intellektuelle oder Bildungsferne im Land nahezu hysterisch auf Kopftuch und \u00dcberm\u00e4ntel. Ganz Europa scheint derzeit eine Phobie ergriffen zu haben, die \u00c4u\u00dferliches bek\u00e4mpft statt die Ursachen f\u00fcr soziale Spannungen zu analysieren und zu beseitigen.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<p><strong>\u201eMein Park geh\u00f6rt mir. Den verteidige ich auch. Bis aufs Messer.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die st\u00e4dtischen Konfliktzone \u201ePark\u201c, auch die ist nicht neu. Dass bildungsferne Gruppen Jugendlicher \u201eihren\u201c Park gegen Eindringlinge verteidigen, das ist schon lang pubert\u00e4res und testosterongesteuertes Gruppenverhalten. Hernals gegen Ottakring, auch das gab es schon, als die Gruppe der Zuwanderer sehr \u00fcberschaubar war. Auch damals waren die lokalen Cliquen, die vorher \u201ePlatten\u201c genannt wurden, bewaffnet. Mit verbotenen Springmessern, Schlagringen und \u2013 was mittlerweile aus der Mode gekommen ist \u2013 mit Fahrradketten.<\/p>\n<p>Diese bildungsfernen Jugendlichen, die aus den gleichen Wohnvierteln wie die heutigen stammten, waren der deutschen Sprache ebenso wenig m\u00e4chtig wie manche der heutigen Migrantenkinder. Viele waren und blieben bis heute funktionale Analphabeten, manche gingen in die \u201eSonderschule\u201c, und immer dann, wenn die Sprachlosigkeit mangels Hirn oder Sprachschatz \u00fcberhand nahm, schlugen sie zu. Mitunter auch sehr brutal, wie die Chronikseiten damals zu berichten wussten.<\/p>\n<p>Eigentlich hat sich also gar nicht soviel ge\u00e4ndert. In der Sache zumindest. Sehr wohl aber in der Wahrnehmung, der Quantit\u00e4t der Berichterstattung und der Qualit\u00e4t der Diskussion \u00fcber die derzeitigen Probleme. Die man durchaus ver\u00e4ndern sollte, damit sich manches \u00e4ndert.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<div><div style=\"padding-top:10px;margin-bottom:10px;font-size:10pt;font-family:arial;font-weight:bold;\">Did you like this? 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