{"id":2321,"date":"2010-05-28T11:13:22","date_gmt":"2010-05-28T09:13:22","guid":{"rendered":"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?p=2321"},"modified":"2014-12-18T18:24:53","modified_gmt":"2014-12-18T17:24:53","slug":"die-arztekammer-merkt-die-absicht-und-ist-verstimmt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?p=2321","title":{"rendered":"SVA: Die \u00c4rztekammer merkt die Absicht &#8211; und ist verstimmt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?p=2291\" target=\"_blank\">Wie bereits berichtet<\/a> geht es in der aktuellen Auseinandersetzung zwischen \u00c4rztekammer und der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft nicht nur um die Erh\u00f6hung der Honorare, sondern um den Widerstand gegen das geplante &#8222;Care Management&#8220;. Doch was dies genau ist, haben weder die \u00c4rzte noch die Versicherer bisher kommuniziert.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_2324\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a rel=\"attachment wp-att-2324\" href=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?attachment_id=2324\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2324\" class=\"size-medium wp-image-2324\" title=\"Eppi1\" src=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Eppi1-300x199.jpg\" alt=\"\"   srcset=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Eppi1-300x199.jpg 300w, http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Eppi1.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2324\" class=\"wp-caption-text\">Elisabeth H\u00f6chtl: &quot;Auch die \u00f6sterreichischen \u00c4rzte werden in Zukunft verst\u00e4rkt auch die \u00f6konomischen Aspekte bei ihren Entscheidungen ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen.&quot;<\/p><\/div>\n<p>Zumindest seit 1960 lassen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00c4rztevertreter und jene der Sozialversicherungen die Muskeln spielen, seit zumindest 50 Jahren steht immer wieder ein &#8222;vertragsloser Zustand droht&#8220; zur Diskussion. Die Kassen leiden seit Jahrzehnten unter chronischer Geldnot, die \u00c4rzte f\u00fchlen ihre Leistungen seit Jahrzehnten nicht ad\u00e4quat entlohnt und sowohl \u00c4rzte als auch Kassenvertreter beklagen seit Jahrzehnten den Einfluss der Politik auf die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen, die aus dem Kassenbudgets finanziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1960 beklagte der damalige Vizekanzler Dr. Bruno Pittermann in einem Rundfunkinterview, dass &#8222;die Krankenkassen in eine bedr\u00e4ngte Lage geraten w\u00e4ren, weil ihnen die Finanzverwaltung seit Jahren Lasten f\u00fcr familienpolitische Zwecke auferlegt hat, ohne ihnen einen Ersatz daf\u00fcr zu geben&#8220;. Die &#8222;Arbeiterzeitung&#8220; schreibt am 27. M\u00e4rz 1960: &#8222;Niemand bestreitet den \u00c4rzten ein Recht auf leistungsgerechte Entlohnung; auch sie sind ebenso wie die Verwaltungen der Krankenkassen das Opfer einer kurzsichtigen Finanzwirtschaft.&#8220; Einige Zeilen weiter hofft der Redakteur der &#8222;Arbeiterzeitung&#8220;: &#8222;Hoffentlich bringen die Verhandlungen einen Abschluss, der den honorarvertragslosen Zustand vermeidet und die Leistungen der Kassen ohne empfindliche Belastungen erh\u00e4lt.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_2325\" style=\"width: 593px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a rel=\"attachment wp-att-2325\" href=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/?attachment_id=2325\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2325\" class=\"size-full wp-image-2325\" title=\"AZ1\" src=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/AZ1.jpg\" alt=\"\"   srcset=\"http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/AZ1.jpg 583w, http:\/\/gesudere.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/AZ1-300x154.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 583px) 100vw, 583px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2325\" class=\"wp-caption-text\">Die &quot;Arbeiterzeitung&quot; berichtete bereits am 27. M\u00e4rz 1960 \u00fcber einen drohenden &quot;vertragslosen Zustand&quot;. <\/p><\/div>\n<p>Inzwischen sind 50 Jahre vergangen, allein das Spiel der Kr\u00e4fte im Gesundheitswesen ist &#8211; mit wechselnden politischen Auftr\u00e4gen an die Krankenkassen &#8211; das gleiche geblieben. Nach wie vor delegieren die politisch Verantwortlichen Leistungen an die Krankenkassen, die zwar teuer, aber nur bedingt dem Gesundheitssystem zuzurechnen sind. Damit wurden und werden Aufgaben an das Gesundheitssystem \u00fcbertragen, die eigentlich in das Budget des Sozial- oder Familienressorts fallen m\u00fcssten.<\/p>\n<p><strong>Krankenkassen als Zahlmeister f\u00fcr die Tourismusbranche<\/strong><\/p>\n<p>Auch eine Reihe von lautstarken Lobbies wurden zunehmend auf Kosten der Krankenkassen bedient, die mit \u00fcberpr\u00fcfenswerten Methoden arbeiten. Hom\u00f6opathie auf Kassenkosten, Wohlf\u00fchl-Seminare, getarnt als &#8222;Therapie&#8220;, als &#8222;Kur&#8220; getarnte Aktivurlaube, die in erster Linie die von der Tourismuswirtschaft und den Lokalpolitikern aus dem Boden gestampften &#8222;Kurhotels&#8220; f\u00fcllen und finanzieren m\u00fcssen. Wissenschaftlich auf Heilwirkung \u00fcberpr\u00fcfbar sind die meisten dieser von den Kassen finanzierten &#8222;Diagnose- und Therapieangebote&#8220; nicht.<\/p>\n<p>Auch die Finanzierbarkeit der Kassen ist l\u00e4ngst an jene Grenzen gesto\u00dfen, vor denen in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts der damalige Sozialminister Alfred Dallinger gewarnt hatte. Die Wertsch\u00f6pfung der Wirtschaft werde immer mehr durch Maschinen und Computer erbracht werden, die keinen finanziellen Beitrag zum Gesundheitswesen liefern werden, so seine Prognose. Deshalb m\u00fcsse, so seine damalige Forderung, auch eine &#8222;Wertsch\u00f6pfungsabgabe&#8220; zur Finanzierung des Sozialsystems eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Mit dieser Einsch\u00e4tzung behielt der t\u00f6dlich verungl\u00fcckte Minister recht, die Einnahmen im Sozialversicherungssystem k\u00f6nnen den Anforderungen nicht gerecht werden. Harte Verteilungsk\u00e4mpfe finden hinter den Kulissen seit Jahren statt. Doch \u00d6sterreich ist keine Insel, die staatlichen oder sozialpartnerschaftlich organisierten Sozialsysteme sind europaweit am kollabieren. Dies hat bewirkt, dass zunehmend \u00d6konomen an Einfluss gewinnen, die einen radikalen Umbau der Krankenversicherungssysteme fordern und teilweise auch bereits umgesetzt haben. Was in \u00d6sterreich als Horrorszenario gilt, wurde in Gro\u00dfbritannien &#8211; mit allen negativen Folgen &#8211; bereits Realit\u00e4t. Im Reich der Queen gilt, vereinfacht beschrieben: Der Aufwand f\u00fcr medizinische Leistungen muss sich lohnen. Das hei\u00dft im Klartext: ein neues Schultergelenk f\u00fcr einen 78-j\u00e4hrigen, eine Prostatakrebsoperation f\u00fcr einen 84-J\u00e4hrigen ist zu kostenintensiv und wird, anders als (derzeit noch) in \u00d6sterreich, nicht genehmigt.<\/p>\n<p><strong>Internationale Standards f\u00fcr \u00d6sterreichs Sozialsystem<\/strong><\/p>\n<p>Als Grundlage f\u00fcr diese Entscheidungen wird zunehmend mit den Erkenntnissen der &#8222;Evidence based Medicine&#8220; argumentiert. Dr. Elisabeth H\u00f6chtl, die sich in ihrer Dissertation an der &#8222;Privaten Universit\u00e4t f\u00fcr Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik&#8220; mit dem Thema &#8222;Evidenzbasierte Medizin und medizinische Leitlinien zwischen Theoriebezug und Praxisrelevanz&#8220; auseindergesetzt hat, erkl\u00e4rt den Hintergrund: \u00a0&#8222;Das Ziel ist es auch, anstelle der irrationalen \u00e4rztlichen \u201eKunst\u201c nachvollziehbare diagnostische Methoden ohne Doppelgleisigkeiten und effektive therapeutische Interventionen zu erm\u00f6glichen, um die bestm\u00f6gliche Versorgung der Patienten zu garantieren. Alle medizinischen Ma\u00dfnahmen sollen auf ihre Wirksamkeit ausreichend gepr\u00fcft sein, die Auswahl der Diagnosem\u00f6glichkeiten und Therapien sollen den jeweiligen Verdachtsdiagnosen angemessen gew\u00e4hlt werden.&#8220; (Quelle: Dissertation Dr. Elisabeth H\u00f6chtl, MAS)<\/p>\n<p>Genau dies will nun die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft als erste Krankenkasse \u00d6sterreich zumindest teilweise in der neuen Honorarordnung realisieren. Generaldirektor Stefan Vlasich k\u00fcndigt dies, wenn auch behutsam, klar an: &#8222;Wir haben drei Ziele, in die wir investieren wollen. Die Pr\u00e4vention, die wir st\u00e4rken wollen, die Einf\u00fchrung des Arztes als Lotse und Gatekeeper f\u00fcr die Behandlung chronisch Kranker nach EbM-Richtlinien und die Betreuung von Akutpatienten.&#8220; F\u00fcr Akutpatienten soll sich nichts \u00e4ndern, verspricht der General der SVA, die pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen sollen verst\u00e4rkt werden, bei den Kosten f\u00fcr &#8222;technische Bereiche&#8220; wie Labor oder R\u00f6ntgen k\u00f6nnten hingegen 11,7 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden.<\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Das Gesundheitssystem wird zum &#8222;Markt&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Was die &#8222;Gatekeeper-Funktion&#8220; des (Haus)-Arztes bedeuten k\u00f6nnte, das hat Elisabeth H\u00f6chtl wissenschaftlich beschrieben: &#8222;Es ist anzunehmen, dass jene, die der EbM derzeit noch skeptisch oder ablehnend gegen\u00fcber stehen, vor allem f\u00fcrchten, an Kompetenzen, Einfluss und Autorit\u00e4t zu verlieren. Besonders in der Berufsgruppe der \u00c4rzte wird mitunter argw\u00f6hnisch beobachtet, dass anderen Professionen durch die konsequente Beachtung der EbM-Grunds\u00e4tze, die in dieser Arbeit beschrieben wurden, mehr Mitsprachem\u00f6glichkeiten zugestanden werden (m\u00fcssen): So \u00fcberpr\u00fcfen Gesundheits\u00f6konomen zunehmend die \u00e4rztlichen Ma\u00dfnahmen in den diagnostischen und therapeutischen Bereichen nach evidenten wissenschaftlichen Erkenntnissen, Gesundheitspolitiker treffen Entscheidungen und beschlie\u00dfen Gesetze, die ebenso diese Erkenntnisse ber\u00fccksichtigen wie Leistungstr\u00e4ger, die zunehmend jene Leistungen reduzieren, deren Sinnhaftigkeit nicht wissenschaftlich erwiesen sind.&#8220;<\/p>\n<p>Konkret bedeutet dies, dass das Gesundheitssystem zunehmend zu einem &#8222;Markt&#8220; wird, an deren &#8222;Anbieter&#8220; qualitativ und \u00f6konomisch h\u00f6here Anspr\u00fcche gestellt werden, als dies in der Vergangenheit der Fall war. &#8222;Auch in \u00d6sterreich werden international g\u00fcltige medizinische Standards f\u00fcr gesundheitspolitische und gesundheits\u00f6konomische Entscheidungen zunehmend eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen als bisher&#8220;, so H\u00f6chtl. &#8222;Auch die \u00f6sterreichischen \u00c4rzte werden in Zukunft verst\u00e4rkt auch die \u00f6konomischen Aspekte bei ihren Entscheidungen ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen. Denn die Einf\u00fchrung international anerkannter Standards wird verst\u00e4rkt dazu f\u00fchren, dass manche diagnostische und therapeutische Interventionen nicht mehr von Sozialversicherungen finanziert werden und daher in den \u201ekassenfreien Raum\u201c gedr\u00e4ngt werden, der von Patienten selbst finanziert werden muss.&#8220;<\/p>\n<p>Im Klartext hei\u00dft dies: Viele \u00e4rztliche Leistungen, die derzeit noch auf Kosten der Krankenkassen erbracht werden, m\u00fcssen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter von Patienten selbst bezahlt werden. Von der Hom\u00f6opathie \u00fcber Kuren bis zu zus\u00e4tzlichen Diagnosemethoden, deren Nutzen wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen ist.<\/p>\n<p>Links:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.arbeiter-zeitung.at\/\" target=\"_blank\">Arbeiterzeitung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Evidenzbasierte_Medizin\" target=\"_blank\">Wikipedia: Evidence based Medicine<\/a><\/p>\n<p>[ad name=&#8220;Google Adsense&#8220;]<\/p>\n<div class=\"box base-mini\">\n<div class=\"head\">\n<h4 class=\"title\">Artikel auf facebook teilen<\/h4>\n<\/div>\n<div class=\"content\"><a name=\"fb_share\"><\/a><script src=\"http:\/\/static.ak.fbcdn.net\/connect.php\/js\/FB.Share\" type=\"text\/javascript\"><\/script> <script type=\"text\/javascript\">\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[\n\/\/ < ![CDATA[ tweetmeme_style = 'compact'; tweetmeme_source = 'eurertwittername';\n\/\/ ]]><\/script><script src=\"http:\/\/tweetmeme.com\/i\/scripts\/button.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/div>\n<\/div>\n<div><div style=\"padding-top:10px;margin-bottom:10px;font-size:10pt;font-family:arial;font-weight:bold;\">Did you like this? 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