Hubert Pirker: vom Google- zum selbst gemachten Medienopfer

Hubert Pirker, designierter Nachfolger des mittlerweile bei nahezu allen in Ungnade gefallenen Ernst Strasser, hat es nicht leicht. Vor allem mit den Medien. Denn die rollen nun seine Vergangenheit auf. Es sind allerdings nicht die Medien, sondern seine eigenen rhetorischen Ungeschicklichkeiten, die ihn nun angreifbar machen. Besonders seine Stellungnahme gegenüber der Austria Presseagentur zum Thema Lobbying kann man als originellen Versuch werten, sich zeitgerecht aus dem Rennen zu nehmen.

Die Originalhomepage der EU-Triconsult ist zwar gelöscht, die Spuren im Netz jedoch nach wie vor vorhanden

Besonders geschickt agiert der designierte Nachfolger des gescheiterten EU-Abgeordneten und Ex-Innenministers Ernst Strasser nicht gerade. Schon das vollständige Löschen seiner Firmen-Homepage, das der 62-jährige ÖVP-Politiker veranlasste, weckte die Neugier der mitunter gründlich recherchierenden Journalisten.

Dass Google diese Seite noch immer im Cache abrufbar hält, wird für den „Schon-wieder-EU-Abgeordneten“ Pirker zum Kommunikationsproblem. Während bereits seine Texte, mit denen er für sich und seine Leistungen auf seiner Homepage geworben hatte, in hunderten Webseiten der großen Medien, in sozialen Netzwerken und in Blogs publiziert werden, behauptet der Kärntner gegenüber der APA, er sei „kein Lobbyist, sondern habe mit seiner Firma „EU-Triconsult“ lediglich Lobbyisten-Dienste angeboten.“

Das ist eine gewagte Aussage, die an der Wahrheit vorbeischrammt. Denn auf seiner eigenen Webseite hat der Kärntner Politiker exakt für diese Leistungen geworben. Nämlich exakt mit diesem Wortlaut:

„Nach elf Jahren als Mitglied des Europäischen Parlaments, immer in  Führungsfunktionen und verantwortlich für die Durchsetzung von Interessen im komplexen Gefüge der EU, stelle ich Ihnen mit EU-TRICONSULT meine europäischen und internationalen Netzwerke, mein Wissen um die EU-internen Verfahrensabläufe, meine Verhandlungs- und Lobbyingerfahrungen mit europäischen und internationalen Institutionen und Unternehmen zur Verfügung. Mit EU-TRICONSULT nutzen Sie das Lobbying und die Beratung von Insidern und sind dadurch den Mitbewerbern immer einen Schritt voraus.“

Mit seinem Statement hat Pirker seiner Fraktion jedenfalls keinen guten Dienst erwiesen. Außerdem hat er mit seiner verhaltensoriginellen Aussage, nämlich “kein Lobbyist zu sein, sondern nur solche Dienste angeboten zu haben”, seinen rhetorischen Fähigkeiten und auch seiner Glaubwürdigkeit schwer geschadet. Auch seine Ankündigung, sich für “härtere Regeln gegenüber Lobbyisten einsetzen zu wollen”, ist zwar “Politsprech”, aber in der medialen Wirkung sicher kontraproduktiv. Denn dazu könnten den Kollegen ein paar lustige Beispiele einfallen, die ähnlich originell klingen.

Das könnte zum Beispiel die Forderung des Ex-Bankers sein, die Spesen, die den Kunden verrechnet werden, per Gesetz zu senken. Auch die Forderung von Frächtern nach höheren Löhnen oder jene nach höheren Steuern für Spekulationsgewinne durch Großanleger fällt in diese Kategorie.

Eines ist dem gelernten Volksschullehrer und promovierten Pädagogen Hubert Pirker jedenfalls gewiss: Durch seine Rechtfertigung in Sachen Lobbying wird er sich in nächster Zeit höchster Aufmerksamkeit erfreuen können. Jener der Medien, der Politikerkollegen und wohl auch der einiger ehemaliger Klienten.

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Schlagworte: ÖVP, Ernst Strasser, EU, facebook, Hubert Pirker, Kärnten, Lobbying, Medien, Parlament, Politik,

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