Herr Fellners Mitarbeiterin will ein Foto. Gratis.

Dass Politikschaffende gerne dafür zahlen, wenn ihr Foto in den Medien erscheinen soll, wird derzeit ja heftig diskutiert. Dass die Verlage zwar mitunter üppige Anzeigentarife verlangen, aber für die redaktionelle Gestaltung des Umfelds andere gratis arbeiten lassen wollen, sollte ebenfalls diskutiert werden. Weil es einfach unanständig ist.

Die nette Dame, die in der Anzeigenabteilung des „wöchentlichen High Class Frauenmagazins“ MADONNA werkt, versteht möglicherweise die Welt nicht mehr. Ihr Wunsch nach einem Gratisfoto wurde ihr doch glatt abgeschlagen. Wenn Sie ein Foto von einer Expertin zum Abdruck braucht, möge sie es doch von der Agentur APA/picturedesk.com beziehen oder einen Fotografen schicken.

Der Hintergrund: Für einen Themenschwerpunkt, der für Inserenten aus dem Gesundheitsbereich interessant sein könnte, wurde ihr eine Ärztin genannt, die in ihrem Fach versiert ist und auch ein wenig Zeit investieren würde, um Fragen der Redaktion zu beantworten.

Dieser Wunsch wurde erfüllt.

Nicht erfüllt hingegen wurde der Wunsch, ein druckfähiges Foto gleich mit zu liefern. Das könne der Verlag ja in der Agentur beziehen. Nach einigen Tagen Funkstille und der Erkenntnis, dass für den Abdruck des Fotos ein bescheidenes Honorar von 45 Euro zu zahlen ist, musste die Dame aus der Anzeigenabteilung wieder zum Telefon greifen. Man möge doch ein Foto nachliefern, weil dies auch alle anderen Experten mit Handkuss machen würde.

In diesem Fall ging die Rechnung allerdings nicht auf. Die Ärztin hat nämlich eher das Problem, zu viele Patienten zu haben und sieht daher keinen Bedarf an „Werbung“, die sie ja durch ein Gratisfoto quasi geschenkt bekommen würde. Ihr ist es egal, ob sie zitiert wird oder nicht und auch wurscht, ob ein Bild erscheint.

Damit auch die Relation der Kosten ein wenig greifbarer wird: Eine ganze Seite können Inserenten um wohlfeile 12.290 Euro buchen, wahrscheinlich sogar ein wenig billiger, wenn sie lang und gründlich feilschen. Da wird es verständlich, dass der Verlag bei den Bildern sparen muss. Zwar auf Kosten der Fotografen und Journalisten, aber das ist derzeit ja hoch in Mode. Zumindest dann, wenn alle mitspielen.

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Schlagworte: Abzocke, Abzockerei, Arzt, Österreich, MADONNA, Medien, Pressefoto, Zwangsbeglückung,

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3 Kommentare zu Herr Fellners Mitarbeiterin will ein Foto. Gratis.

  1. Stefan sagt:

    Zeitungen/Zeitschriften arbeiten heute eben so. Sie arbeiten eben gerne nach dem Motto: Frechheit siegt!
    Aber auch ein nettes Beispiel für die „Moral“ der Tageszeitungen:
    ein Großformatiges Blatt, allerdings mit relativ geringer Auflage, hat ein Inserat angenommen, dass als „Seite 1“ gestaltet war. Thema: „Rauchen schadet ihrer Gesundheit!“. Vertrieben wird dieses Blatt aber, genau wie viele andere auch, über Trafiken, die mit dieser Ausgabe (noch dazu ein Freitag-exemplar mit TV-Programm!) gleich Anti-Werbung für ihren Berufsstand machen dürfen/müssen. Auf die frage, was das soll, auf den Hauotvertriebspartner losgehen, erhält man vom Chefredakteur nur die Antwort: „Ach, sie sind gegen die Pressefreiheit? Das ist gut zu wissen, es gibt also immer noch Leute, die für die Zensur sind!“ . Sind Chefredakteure wirklich vom Denken befreit (oder gleich von jedweder Intelligenz)?

  2. Wie gesagt: Wenn alle mitspielen kann man sich das leisten. SSKM.

  3. Rudi sagt:

    Tja, was soll man DAZU noch sagen.
    Anscheinend gibt es immer noch die – vielleicht auch gewerkschaftliche Ansicht – dass ein Fotograf für ein Auftragsfoto einer Zeitung € 45,– zu bekommen hat.
    Nur – das ist wohl eine Zahl die der Fotograf gerne hätte und wobei die Gewerkschaft kräftig ihre blauen Äuglein zudrückt, schweigt und ihre Hände in Unschuld wäscht!
    Ich kenne vielmehr ein Wiener Wochenblatt, das – vertraglich geregelt – € 13,60 bezahlt, egal wie oft es verwendet oder an wen es weitergegeben wird.
    Und das ist leider kein Einzelfall.
    Von der Honorierung eines verfassten Textes, dem Foto mitgeliefert kann man nur mehr von einer almosenhaften Handlung, sicher nicht von einer leistungsgerechten Entlohnung sprechen. Nur, von Almosen kann keiner leben.
    Versucht man sich Rat bei der Gewerkschaft zu holen zieht diese die Schultern in die Höhe, hat ein mildes Lächeln und meint, das dürfe man nicht unterstützen.
    Also, was dann?

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