Fotografengewerbe: Wirtschaftskammer ignoriert eigene Mitglieder

Spott, Hohn und Zorn hat das Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer auf sich gezogen. Denn während die Mehrzahl der Voll- und Meisterfotografen gegen die Freigabe des Gewerbes kämpft, kauft das WIFI Bilder bei ausländischen Billigstagenturen ein. Für eine Broschüre über die Ausbildung zum Meisterfotografen.

Peinlich: Ausgerechnet die Wirtschaftskammer, der auch die Fotografeninnung angehört, ignoriert die eigenen Kammermitglieder und geht fremd - die Bilder stammen von einer Billigagentur, die Amateurfotos vertreibt. © Philip Naderer

Der Wiener Fotografen-Innungsmeister Michael Weinwurm hat es derzeit nicht leicht. Einerseits muss er den offiziellen Kurs seiner Innung mittragen, die in der Mehrzahl gegen die Freigabe des Fotografengewerbes kämpfen, andererseits fällt ihm die eigene Kammer in den Rücken. In den letzten Tagen ist nämlich auch vielen Fotografen eine Werbepostille des WIFI-Wien, das der Wirtschaftskammer gehört, eine Broschüre ins Haus geflattert. Dieses Druckwerk macht auf die vielzähligen Ausbildungsmodule des Instituts aufmerksam. Konkret sollen damit jene angesprochen, die den Meisterbrief der Fotografen erwerben wollen.

Die offizielle Stellungnahme der Meister gegen die neue Freiheit der Fotografen, dass die vielen neuen Bildermacher das Geschäft zusammenhauen würden, die Qualität dadurch sinken könnte und auch keine Lehrlinge mehr eine Ausbildungsstelle finden, wurde mit dieser Aktion allerdings massiv erschüttert. Weil die eigene Interessenvertretung just bei jenen Agenturen die Bilder einkauft, die mit niedrigsten Preisen mehr oder weniger gelungene Amateuraufnahmen vertreibt.

Unklar ist derzeit, ob es nur der Preis war, der für die Wahl der Gröscherlpreisagentur gesprochen hat, oder ob die Gestalter den Meisterfotografen nicht zutrauen, Bilder in adäquater Qualität zu liefern. Nun schäumen jedenfalls jene Presse- und Teilfotografen, denen die Gesetze derzeit noch verbieten, für Broschüren der Kammer Bilder zu liefern.

Was sich wahrscheinlich Dank einer ministeriellen Novelle ändern wird, die eine Freigabe des Gewerbes vorsieht. Was wahrscheinlich aber nichts daran ändern wird, dass die eigene Kammer ihre Mitglieder ignoriert und weiterhin Amateurfotos bei Internetagenturen kaufen wird. Wahrscheinlich auch für die nächste Broschüre zur Meisterfotografen-Ausbildung.

Link zum Agenturfoto

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Schlagworte: Österreich, Fotografen, Gesetz, Gewerbe, Innung, Medien, photography, Politik, Pressefoto, Wien, WIFIO,

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6 Kommentare zu Fotografengewerbe: Wirtschaftskammer ignoriert eigene Mitglieder

  1. tja, was ich schon lange beobachtete ist hiermit auch bestätigt . . .
    geiz ist geil, auch für die vertreter von handwerk und handel.
    kosten senken . . . .
    und damit, wie generell, arbeitsplätze vernichten.
    nicht die freigabe des gewerbes ist die gefahr, sondern wie man sieht, diese institutionen die noch dazu dafür geld kassieren, von ihren mitgliedern . . .
    man sollte sie einfach mal vor sich hertreiben und ihnen zeigen wie hart draußen das leben ist, ohne „beamtenähnliche“ posten in der wk . . .

  2. Andreas sagt:

    Liebe KollegInnen, bei der Qualität und Ausrüstung die manche Pressefotografen liefern bzw. anwenden darf es nicht wundern,dass jeder ambitionierte Knipser oft Gleiches zu Wege bringt. Immer die selben Perspektiven.. am liebsten aus der subjektiven.. z.B. Grasser von hinten – in Front die Journalisten.. möglichst weitwinkelig…Und dann erst immer dieselben Nasenbohrerfotos im Parlament..
    Liebe Leut…lasst Qualität entscheiden..und nicht irgendwelche Prüfungen..btw. John Lennon konnte auch nicht Noten lesen und dennoch komponierte er..
    Macht bessere Fotos dann braucht ihr auch nicht die „Freien“ fürchten… ach ja – ich machs mit einer V-Lux3..und Digilux3..
    Nicht so trendig wie eure Knipsen aber ich komm auf 1500-2000 Euronen/anno über die „Gröscherlagenturen“- dafür eben all over the world (bei einem output von 50 Fotos/anno)

  3. Andreas (Berufsfotograf) sagt:

    also ich finde das nicht so schlimm.
    das WIFI betreut ALLE berufssparten und nicht nur die fotografen.
    und es steht genauso unter enormen kostensenkungsdruck wie alle unternehmen.

    da zu erwarten, dass der zuständige grafiker/texter/etc bei einer broschüre für fotografen plötzlich einen anderen workflow verwendet, ist „blond“ 😉

  4. Webdesign ist ein freies Gewerbe – nur weil es Fotografie schon etwig gibt, herrscht hier der Protektionismus. Das ist so lächerlich. Talent, Qualität, Glück, persönliche Eigenschaften und Fleiß entscheiden, nicht ein Zettel auf dem steht welche Prüfung man abgelegt hat. Es wird Zeit, das sich die Fotografen der Realität stellen: Fotos sind Massenware ebenso wie Webseiten!
    Es gibt somit aus meiner Sicht keinen vernünftigen Grund warum die WIFI nicht auch so wie ALLE bei Stockagenturen einkauft.
    Jeder gute Fotograf kann sich bei den Stockagenturen ein schönes Nebeneinkommen aufbauen – aber nur wenn die Qualität passt.
    Ich kenne den Aufnahmeprozeß bei ein paar der oben genannten Gröscherlpreisagenturen – da kommen einige Meisterfotografen mit ihrem Portfolio nicht leicht hinein.

  5. moritz sagt:

    bei der WKO kann man sicherlich einiges verbessern, aber bevor ich mir darüber gedanken mache, investier ich die energie lieber in spannendes marketing! DAS bringt mich und mein biz weiter.

    hätte die interessensvertretung bei der katalogproduktion auf bilder von kammermitgliedern zurückgegriffen, hätten sie wohl eine öffentliche ausschreibung machen müssen und dabei viel viel zeit vertan. und ob DER aufwand für die paar bilder gelohnt hätte? typisch österreichisch hätten dann wohl auch die verlierer revoltiert, so wie sie auf die barrikaden steigen gegen änderung der zugangsbestimmungen. sudern ist halt auch leichter, als kreativ sein und sich anstrengen.

    aber die freie marktwirtschaft scheint genauso wenig frei zu sein, wie die demokratie demokratisch…freundschaft!

  6. thinkaboutit sagt:

    Also, die Kammer schaut grundsätzlich auf die Kämmerer, ich plädiere für die Auflösung der Kammern, Zünfte und Gilden gibt es ja auch keine mehr.
    Aber im ernst, wo sind denn die Lehrstellen für jene talentierten jungen Leute, die unbedingt FOTOGRAF werden wollen, nicht Fotoapparatverkäufer oder Filmentwickler bei dm, sondern Fotograf? Nicht da, genau, gibt es nicht mehr. Und was machen dieese jungen Leute dann? Ihre Talente umpolen? Zähneknirschend herumversagen, aufgeben, resignieren….nein, sie fotografieren, machen Kurse, learning by doing und wer braucht schon noch eine Dunkelkammer? Und jetzt wollen sie, dass das Gewerbe ein Freies wird, recht so! Zuerst sich nicht um Kontinuität kümmern und dann beleidigt im hortus conclusus sitzen wollen. Die Kammer ist ein Selbstbedienungsladen für die Kämmerer, Meister, die nicht mehr ausbilden wollen sind für den Hugo.Knips…..

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