Ein Milizoberst ist sauer und schreibt einen Brief.

Erich Maria Hofer, Journalist mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen ist seit Jahrzehnten ein treuer Diener seines Herrn, der Republik Österreich. Dieser dient er seit vielen Jahren als Milizsoldat. Treu, ergeben aber nicht immer frei von vehementer, aber konstruktiver Kritik – innerhalb des Bundesheeres. Nun hat sich dafür entschieden, seine Kritik auch nach außen zu tragen. Mit einem offenen Brief an den Herrn Minister, der auch für die Landesverteidigung zuständig ist. Das könnte ihn zwar seinen Job als Oberst der Miliz kosten, ist ihm aber gleichgültig.


Ein Brief, der gut zum „üblichen Gesudere“ passt:

Sehr geehrter Herr Bundesminister!

Kurz zu meiner Person als Absender: Als langjähriger ehemaliger Zeitoffizier (Hauptlehroffizier, Kompaniekommandant und S3 an der HVS, heute HLogS WIEN) bin ich mobbeordert als S5 beim KdoEU (GenMjr BAIR) in WIEN und der öffentlichen Präsentation der Leistungen unseres Heeres seit vielen Jahren mitgestaltend und tief verbunden. Auch im Zivilberuf als Journalist leite ich eine branchenführende Fachzeitschrift sowie eine stark besuchte Online-Plattform im Wachstums- und Jobmotor-Segment des Gesundheits- und Sozialwesens. Mit diesem Schreiben gebe ich als Milizoffizier meiner tiefen Betroffenheit über die von Ihnen als HBM öffentlich inszenierten, von mir persönlich als überaus peinlich empfundenen Wendemanöver in Fragen der Wehrpflicht, die enorme Verunsicherung und Frustration nicht nur beim Heereskader, sondern auch in der zivilen Öffentlichkeit erzeugen, Ausdruck und protestiere dagegen auf das Schärfste.

Wenn Sie sich persönlich in der Öffentlichkeit als Politiker desavouieren wollen, bitte sehr. Wenn jedoch das gesamte Bundesheer und seine verantwortlichen Repräsentanten für diesen medialen Overkill in Geiselhaft genommen und desavouiert werden, muss ich Sie als Staatsbürger in Ihre parteipolitischen Schranken weisen!


Ein derartiges heeresschädliches Verhalten hätte bei einem Soldaten jeden Ranges – der Sie ja niemals waren – unweigerlich und völlig zu Recht zu einer disziplinären Prüfung und wahrscheinlichen strikten Ahndung geführt. Ich bedaure, dass dies in Ihrem Fall rechtlich nicht möglich ist und auch der von mir hoch geschätzte UHPB als Oberbefehlshaber keine rechtlichen Möglichkeiten besitzt, Ihnen diesen groben Unfug zu untersagen!


Ob Sie mit dieser hochnotpeinlichen und unglaubwürdigen politischen Hü-Hott-Performance – unser Heer wohl als willkommenes Bauernopfer betrachtend – den vorgeblich angestrebten Landeshauptmannsessel des Burgenlandes erklimmen können, erscheint mir gerade in diesem sehr heeresfreundlichen Bundesland überdies mehr als fraglich…


Sollten Sie in Ihrer offenkundig gewordenen Führungsschwäche noch weitere Köpfe rollen lassen wollen, bitte nehmen Sie doch MEINEN – mehr als eine schlichte Entorderung können Sie dabei zum Glück nicht anstellen. Der von Ihnen angerichtete SCHADEN für diese Republik insgesamt sowie für unser Heer im Besonderen ist jedenfalls ist weit größer und nachhaltiger als Sie sich das überhaupt vorstellen können. Abschließend weise ich darauf hin, dass ich diesen Protest im Rahmen meiner Möglichkeiten massiv medial verbreiten und auch dem hoch geschätzten UHBP als Oberbefehlshaber, dem in dieser Causa offenbar nicht gut beratenen Herrn Bundeskanzler und weiteren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens übermitteln werde. Zudem gebe ich meiner tief empfundenen staatsbürgerlichen Hoffnung Ausdruck, dass Ihr bedauerliches und desaströses politisches Wirken schon bald zu Ende sein möge, bevor das letzte Porzellan jahrzehntelanger positiver Image-Arbeit für unser Heer endgültig zu Bruch gegangen sein wird…

Mit dem Ihrem Amt geschuldeten Respekt, aber zutiefst verärgert grüßt
Erich M. HOFER, Oberst                                                                                                  Chefredakteur & S 5 (mob)

Zu diesem Brief des Herrn Oberst, der sich tief den sozialdemokratischen Grundsätzen verbunden fühlt, merkt der Suderer an: Solchene Briefe, noch dazu in aller Öffentlichkeit, die hätte es früher, also vor ein paar Monaten, nicht gegeben. Da hätten sich die Herren Offiziere und die subalternen Dienstgrade überlegt: „Ja, dürfen wir denn das? Nein, sicher nicht!“

Dass sich dies verändert hat, ist dem Herrn Bundesminister Norbert Darabos zu verdanken. Das ist auch bemerkenswert…



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Schlagworte: Bundesheer, Edmund Entacher, Erich Maria HOfer, Gesetz, Norbert Darabos, Politik, Sicherheit, Wehrpflicht,

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8 Kommentare zu Ein Milizoberst ist sauer und schreibt einen Brief.

  1. werner milec sagt:

    hallo !

    endlich jemanden der es wagt mit seiner meinung nicht hinter dem berg zu halten !

    herzlichst,werner milec(vzlt im ruhestand)

  2. Johann Schmit sagt:

    „…mehr als eine schlichte Entorderung können Sie dabei zum Glück nicht anstellen…“. Was ist eine „Entorderung“? Wenn es sich der Herr Kopflos Entorderter nicht vorstellen kann, sollte er sich bemühen die Frage zu beantworten: Stell Dir vor es gibt kein Bundesheer. Zivilschutz, Zivildienst, Assistenz- und Auslandseinsatz wird von kompetenteren volkswirtschaftlich kostengünstiger wahrgenommen. Nur die versoffenen, sexistischen Naziberufssoldaten werden heimatlos …

  3. admin sagt:

    „Beorderung“ ist ein militärischer Begriff. Ins allgemein Verständliche Übersetzt: Die Zuweisung zu einem Miliz-Planposten, für den man berufsbegleitend aus- und weitergebildet wird und der im Übungs- oder Einsatzfall ausgeübt wird. „Entorderung“ heißt also: Rausschmiss aus der Milizfunktion…

  4. Walter Penco sagt:

    Ich kann dem Hr. Oberst Hofer nur zustimmen und Anerkennung für seine Haltung aussprechen.

    @ Hr. J. Schmit:
    Ich kann die Kopflosigkeit des Hr. Oberst nicht erkennen, nur die Hirnlosigkeit ihres Beitrages! Sorry!

    herzlichst Walter Penco, StWm d. Res

  5. Dr. Hans Bayr, Obst a.D. sagt:

    Ich würde so gern richtig mitsudern, bin aber schon entordert und der Wehrpflicht enthoben. Da würde jeder mit Recht sagen: Jetzt erst traut er sich! Aus diesem Grund genieße ich die laufende Diskussion als Befreiung. Die Armee als „große Schweigerin“ hat endlich ausgedient. Mich freut richtig, erfahren zu haben, über 45 Jahre unwissentlich Mitglied des SC Kroatisch Minihof gewesen zu sein. Jetzt bin ich zwar nach der Aussage des Ministers nur mehr irrelevant, kann das jedoch öffentlich kund tun. Der Ministers als Vertreters des Staates hat Dämme der Konvention und der Fairness gebrochen und jetzt fließ der Meinungsfluß ungehindert. Pech auch für den Minister, keine Bedrohung weit und breit gesehen zu haben, sondern nur Katastrophen. Jetzt hat er Revolutionen in einer Weltgegend, die nicht umsonst bei uns „Naher Osten“ heißt. Fluten von Ideen sind eben nicht aufzuhalten, auch nicht durch bezahlte Medien. Und das (auch von mir bisher unterschätzte) Medium Facbook hat gezeigt, was es leisten kann.

  6. Bernhard Leber sagt:

    Sehr geehrter Herr Oberst Hofer

    Ich kann mich inhaltlich Ihrem Schreiben voll und ganz an anschließen.

    Bernhard Leber, Wm

  7. christian, du hast in einem punkt meiner ansicht nach nicht recht, es ist kein wahlkampfgetöse, es ist eher ein versuch, einfach durchzumarschieren, ohne rücksicht auf „empfindlichkeiten“. will nicht schreiben auf „verluste“, denn das wäre ein zu hartes wort. aber es gibt auch leute, die einfach nicht wollen, dass sich was ändert. die leisten nicht unbedingt aus ehrenwerten gründen widerstand – ehrenwert wäre, dass man angst hat, man könne den aufgaben des heeres nicht mehr nachkommen. das ist okay. aber aus ablehnung von veränderungen, die einen mehr fordern als der status quo, einfach dagegen sein, das ist weniger ehrenvoll.
    dennoch braucht man natürlich fingerspitzengefühl, weil man ja nicht sagen kann, dass nur mehr die dabei sein sollen, die mitkönnen. man muss auch die an bord bekommen, die für einen anderen weg wären. das ist keineswegs unmöglich, es ist die frage, wie man es anlegt. sie müssen auf jeden fall raum bekommen, sich zu artikulieren. das muss ja nicht automatisch dann widerstand gegen veränderung sein, es ist ja auch nicht wirklich platz dafür zu diskutieren, wie es den leuten beim heer geht oder wie die angehörigen der miliz ihre rolle und deren öffentliche wahrnehmung sehen.

  8. Walter Penco sagt:

    @Alexandra Bader
    Die Notwendigkeit der Veränderung zu erkennen und den Willen zu zeigen etwas verändern zu wollen, ist die eine Sache.
    Wir alle wissen, das Veränderungen bei unserem Bundesheer notwendig sind. Auch die politische Lage in und ausserhalb der EU zwingt unseren Staat sich zu entscheiden was wir in Zukunft militärisch leisten müssen, sollen, wollen und können. Diese Diskussion muss (jedoch auf breiter Basis) und wird auch geführt werden.
    Wenn aber aus reinem politischen Druck aus den eigenen Reihen heraus, etwas rasch und ohne gute Vorbereitung, nur weil einige Umfragen zeigten, dass man dem Volk nach dem Mund redet oder ein Bürgermeister in seinem Wahlkampf etwas versprochen hat, durchgesetzt werden soll, ist dies sehr bedenklich. Werden dabei Zahlen und Fakten geschönt oder so dargestellt, dass es die eigene Position stärkt, wird die Sicherheit eines ganzen Landes zum Spielball macht.

    Nun ist es durchaus Ehrenhaft, wenn man dem Volk, dem man geschworen hat es zu schützen und wenn notwendig sogar mit der Waffe zu verteidigen, die Wahrheit sagt und nicht mithilft es auch noch zu belügen.

    In einem gebe ich Ihnen Recht, die Verteidigung des Status Quo wäre nicht Ehrenhaft, dies trifft meines Wissens auf den Hr. Gen. Entacher jedoch auch nicht zu.

    lg Walter Penco, StWm d. Res

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