Die Wahlen sind vorbei. Das ist gut so. Teil 2.

Was absehbar war, scheint nun viele der „Spin-Doctors“ und Parteistrategen zu überraschen. Nur jene der Siegerfraktion nicht. 

Bei der Bezirksvertretungswahl hat die ÖVP vergleichsweise besser abgeschnitten als bei der Gemeinderatswahl. Das wird gute Gründe haben. Dennoch ein paar Überlegungen abseits der Details.

Der Absturz der ÖVP

Die angeblich eiserne Lady, die Frau Innenminsiterin, nun die hat mit Abschiebungen und Festnahme von Kindern einige der eigenen Parteifreunden abgeschreckt. Ebenso die Wiener Spitzenkandidatin, Frau Christine Marek. Ihre Forderungen im Wahlkampf nach Burkaverbot, nach einer Stadtwache oder anderen Eigentümlichkeiten kamen weder bei Andersdenkenden noch bei vielen ÖVP-Mitgliedern gut an. „Wir haben einen Wahlkampf wie eine Mini-FPÖ“, sagt  einer der Bezirksratkandidaten. „Statt unsere Wirtschaftskompetenz und die wichtigen Ideen für die Stadt zu vermitteln dümpeln wir mit Parolen dahin, mit denen wir zwischen Strache und Häupl zerrieben werden“.Dem Herrn Kandidaten, der das rund zwei Wochen vor der Wahl gesagt hat, kann man nur Recht geben. Ein ebenso großes Problem der ÖVP, mit dem nun die stark gewachsene FPÖ zu kämpfen haben wird: Es gibt nicht genug geeignete Menschen, die sich für politische Funktionen eignen. „Wir Wirtschaftstreibenden, die erfolgreich sind, haben keine Zeit für endlose Sitzungen und Debatten über unnötige Kleinigkeiten“, sagt einer, der es wissen muss. Und: „Für die Jungen werden wir immer unattraktiver.“

Der (vorschnelle) Jubel der FPÖ
Die Funktionäre der FPÖ fühlen sich im Siegestaumel. Noch. Sie werden, das ist absehbar, ihre Forderungen nach Macht, nach Funktionen und Einfluss wohl deutlich artikulieren. Und sogar sehr, sehr laut. Wie seinerzeit, als in Kärnten ein Trupp der lokalen Buberl- und Radaubrüderpartie sogar das ORF-Studio stürmen wollte. Was die wirklichen Sieger der Wahl nicht bedenken: Die meisten ihrer Wähler haben entweder aus Protest gegen andere Fraktionen blau gewählt oder eben den Parteichef, dessen flotte Sprüche gut  ankommen. Flott deshalb, weil die Repräsentanten der Freiheitlichen eines können, was die anderen schon lang in Seminaren und Betroffenheitsworkshops verlernt haben: klare Aussagen klar zu formulieren. Spannend ist auch zu beobachten, allerdings gar nicht sehr verwunderlich, dass intensive und kreative Nutznießer des Sozialsystems, meist inländischer Herkunft aber mit Migrationshintergrund in dritter Generation, den flotten Maulwerksburschen auch deshalb gewählt haben, weil er gegen die Sozialschmarotzer eintritt. Das entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, aber manche der FPÖ-Wähler sind eben cerebral so einfach strukturiert, dass sie gar nicht mitbekommen, dass die Hetze gegen die „Hängemattenlieger“ eigentlich sie selbst trifft. Und einige, das sei noch nebenbei bemerkt, haben blau gewählt, „weil es a Hetz‘ is“. Aber das passt irgendwie gut zusammen.

Demnächst – vielleicht – mehr.

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Schlagworte: ÖVP, FPÖ, Medien, Politik, Sicherheit, Soziales, SPOE, Stadt, Wahl, Wahlkampf, Wien,

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