Der Staat produziert seine Wutbürger selbst

Rigorose Strafen für Hundebesitzer, rigoroses Vorgehen gegen eine Drehorgelspielerin, Millionenabfertigung für unfähige Landesbankmanager – die Politikschaffenden dürfen sich nicht wundern, wenn sie immer öfter mit der Wut der Bürger konfrontiert werden.

Herr Johann Kleinhofer von der Mariazeller Land GmbH. sah sich genötigt, einzuschreiten. Der Grund für seine „Amtshandlung“: Heimtückisch und hinterhältig hat sich eine Lehrerin, die aus Jux und Tollerei fallweise ihre Drehorgel dem p.t. Publikum zu Gehör bringt, beim Mariazeller Advent eingeschlichen. Mit Klängen von Mozart und mit Weihnachtslieder hat sie dort die öffentliche Ordnung des Herrn Kleinhofer gestört. Das ist zwar den Standlern und den Besuchern nicht aufgefallen, aber der Beauftragte der Obrigkeit hat entschieden, dass das Werk’l, also die Drehorgel samt Frau an der Kurbel sofort zu verschwinden hat.

Im Wiener Prater hingegen ist nicht ein Tourismus-Sheriff eingeschritten, sondern gleich die echte Polizei. Gegen eine Fotografin, die es an einem Samstag um 20.15 – also knapp vier Stunden nach Sonnenuntergang – wagte, mit ihrem angeleinten Hund die Jesuitenwiese zu überqueren, um zur Hundeauslaufzone zu schreiten. Das hat die Polizei veranlasst, amtszuhandeln. Denn ein Hundeverbot zu ignorieren, das muss geahndet werden. Und zwar mit einer Anzeige, was nicht billig sein wird.

Weil die Hundebesitzerin auch der Meinung war, es gehe die Polizei nichts an, ob sie verheiratet ist oder nicht, hat man ihr auch gleich erklärt, dass ihr unkooperatives Verhalten die Ordungshüter davon abhalten würde, das Schwerverbrechen in der Stadt zu bekämpfen. Was sie damit ja begonnen hatten, mit Suchscheinwerfern die Jesuitenwiese nach illegalen Hunden abzusuchen.

Andererseits muss man natürlich zur Kenntnis nehmen, dass im Staat Ordnung herrschen muss und auch einiges zu finanzieren ist. Da kommen die vielen kleinen Strafgelder gerade Recht. Zum Beispiel, um die Verluste der Hypo Landesbank Tirol auszugleichen. Dort hat man sich von unfähigen Managern im gegenseitigen Einvernehmen getrennt, also den Herren Direktoren den unfreiwilligen Abgang mit Millionen schmackhaft gemacht. Jetzt geht es darum, die Scherben aufzuräumen und die Verluste abzudecken. Auf Kosten der Steuerzahler.

Und weil die Finanzkrise derzeit ja für alle Grauslichkeiten herhalten muss, kann man das in einem Aufwaschen erledigen. Nach dem Motto: Auch Kleinvieh macht Mist.

Did you like this? Share it:
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Ärgerliches, Menschen, Politisches, Rätselhaftes abgelegt und mit

Schlagworte: Abzockerei, Österreich, Drehorgel, Gesetz, Hund, Hunde, Hundebesitzer, Hundezone, Jesuitenwiese, Johann Kleinhofer, Politik, Polizei, Prater, Sicherheit, Soziales, Stadt, Strafen, Werkel, Wien, Zwangsbeglückung,

verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Kommentare zu Der Staat produziert seine Wutbürger selbst

  1. Das Positive daran sollte man nicht übersehen: Einsparungsmöglichkeiten werden signalisiert, wir müssen ja überall sparen. Der Job für solche Beamten ist doch in Frage zu stellen. Sehr schön passt in diese Reihe mein Fall „Auftrittsverbot“ beim Heurigen in Grinzing, seit 2009 noch in Schwebe. Behörden haben ja Zeit … ausgelöst durch einen superschlauen Prüfer der Finanz.

  2. Hugo Gold sagt:

    nicht überall agiert man so, am christkindlmarkt in steyr wurden wir herzlich willkommen geheißen und für unsere drehorgel die platzbeschallung einfach abgedreht

  3. No Name sagt:

    wutbürger wisst ihr, bei uns in st.pölten gibts einen netten park. da stand immer ein kreuz auf einen betonsockel. jahrzente stand das da.
    ich kam in den park und schwupps, das kreuz war weg. hmmmm einfach abgeschnitten. ich fragte einen gemeindearbeiter ob das kreuz renoviert werde, woraufhin ich ein verlegenes lachen bekam. nein sagte er, eine moslimische familie hätte sich über das kreuz beschwerd, weil sie ein haus ca. 20 meter hinter dem kreuz gekauft hätten. natürlich wurde der beschwerde nachgegeben und das kreuz entfernt.
    hm , was soll ich da alls nichtrassitischer österreicher denken.
    soviel zum wutbürger

  4. No Name sagt:

    naja, und zu unseren korrupten politikern brauchen wir ja nichts zu sagen in österreich.
    das motto „hau auf die kleinen “ ist anscheinend sehr populär hier.
    siehe unseren K.H Grasser. da traut sich niemand ran obwohl der schonlängst weggesperrt gehört nachdem gesetz.
    naja, ich bin wohl etwas zu blauäugig und bedenke nicht das alle parteien mitkassiert haben. siehe schüssel und co.
    ich behaupte grasser wird von der aktiven politik massiv und illegal gedeckt
    soviel zum wutbürger

    usw usw ……..

  5. golden-retriever sagt:

    Und wieder die Androhung rigoroser Strafen für Hundehalter: „Zweiwöchige Schwerpunktkontrollen von Veterinäramt und Polizei gestartet – Strafen bis zu 14.000 Euro möglich“. Die Wiener Polizei & Frau Stadträtin können wirklich nicht sehr ausgelastet sein, wenn sie in einer „Aktion Scharf“ jedes Chihuahua-Wautscherl auf implantierten Hunde-Chip und Maulkorb überprüft.

  6. wauwau sagt:

    Die Kleintierhalter also als neue Melkkuh der Nation? Schlimm genug!
    Aber heute sind es erst noch die Flockis und Wuffis, die einen Maulkorb verpasst bekommen, doch morgen vielleicht schon die all zu bissigen Christians und andere kritische Stimmen. Laufen danach Journalisten reihenweise gegen Wachzimmertüren, bis ihr Ton der Berichterstattung gefälligst der Höhe der Anzeigenhonorare angemessen ist? Semper supersauber! Oh, ihr wackeren Wutbürger, wehret den Anfängen!

  7. Gelangweilter sagt:

    Wo findet man da jetzt einen wirklich Sinn oder wenigstens ne informative Kernaussage bei dem Artikel? Wenn man drei willkürliche APA Meldungen nimmt und aneinander fügt, hat man in etwa einen ähnlich inhaltslosen Beitrag mit keinerlei Bezug der einzelnen Geschichten zueinander….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.