Das „Rundfunk“: Nachruf auf ein Wiener Traditionscafé

Von außen gesehen unverändert, innerlich bereits tot: Das legendäre Café Rundfunk in Wien Alsergrund. Damit ist ein weiteres Wiener Traditionscafé Vergangenheit geworden. Dank einer russischen Investorengruppe und eines Geschäftsführers, der Stammgästen erklärt, dass er ohnehin keinen Wert auf sie legt. Zumindest dann, wenn sie nicht zockend ihre fünf Bier konsumieren oder leicht angeheitert mit dem neuen Bankkredit die Automaten füttern.

Das Café Rundfunk gehört der Vergangenheit an. Innerlich. Damit ist der Tod eines weiteren Traditionscafés eingeleitet. © Christian M. Kreuziger

Sie sind weg, die Gäste, die man dort ständig treffen konnte. Der Journalist, die Ärztin, der Steuerberater, die Szenefriseurin, der Beamte des Innenministeriums und auch die anderen intellektuellen und bunt gemischten Stammgäste. Das hat gute Gründe. Denn der neue Geschäftsführer exekutiert knallhart und mit verhaltensoriginellen Methoden die Auflagen der Eigentümer. Die heißen: Gewinn machen, Preise rauf, Qualität runter und weg mit jenen, die sich ihr Mittag- oder Abendessen telefonisch bestellen, um es dann abzuholen. Oder bei einem Spritzwein oder Obi mit Leitungswasser in der Mittagspause schnell im Lokal verzehren.

Auch die Stammmannschaft ist ausgetauscht worden. Gegen eine neue, unbefangene und wahrscheinlich auch billigere. Diese neue Belegschaft serviert nun Speisen, die sehr nach vorgefertigtem „Convenience-Food“ schmecken. In kleinen Häppchen. Die Eierspeis von drei Eiern, ehemals durchaus als köstlich zu bezeichnen, wirkt, als hätten Zwerghühner die Eier gelegt. Falls es überhaupt echte Eier sind, die da verwendet werden. Denn das Aussehen entspricht jenem, das man mit Eipulver erzielt.

Besonders originell scheint sich die neue Geschäftsführung auch beim Texten der Speisenangebote zu halten. „Black & White mit gebratener Garnele, heller und dunkler Sauce und Herzogin-Kartoffeln“ wird etwa angeboten. Das schwarz-weiß, das sind zwei verschiedene Fleischsorten, meinte der Kellner, der auch nichts Genaueres sagen konnte. Schon gar nicht, wie es schmeckt. Denn das Personalessen, auch das hat die neue Geschäftsführung ersatzlos gestrichen. Aus Kostengründen, vielleicht aber auch, damit die Kellnerinnen und Kellner nicht vom Speisenangebot abraten müssen.

Dass neuerdings eigenartige Werbemittel den Gehsteig und die Tische verschandeln, ist in diesem Fall auch schon egal. Es zeigt nur schon von weitem, wie sehr das Niveau gesunken ist. Das alte „Rundfunk“ ist nicht mehr. Es ist nun eine Touristenfalle mit mäßigem Speisenangebot, ohne die typischen Stammgäste, aber mit einem neuen Geschäftskonzept geworden.

Aber vielleicht will man das ja so. Wie auch im Café Vogelsang in der alten Stadtbahn-Station Alserstraße, wo es für das Zockerpublikum ein paar Tische gibt, an denen sie ihre Getränke konsumieren können. Die sie sich aus dem Automaten holen müssen.

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Schlagworte: Abzocke, Alsergrund, Café Rundfunk, Gastronomie, Spieler, Stadt, Traditioncafé, Wien, Zocker, Zwangsbeglückung,

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