„Bunkerei im Augarten“: Der Herr Kellner rastet aus.

Eine kurzfristige Irritation um drei noch nicht bezahlte Getränke bringt einen Kellner in Rage. Seine Rache: Er spannt einen Schirm ohne Vorwarnung ab, die darunter sitzenden Gäste werden waschelnass.

Bunkerei im Augarten: Ein Kellner zuckt aus, die Gäste sind waschelnass. © Christian M. Kreuziger

Es grenzt ja wohl an tätliche Ehrenbeleidung, was sich der Kellner in der „Bunkerei“, einem Lokal im Wiener Augarten, da geleistet hat. Der rotzfreche Gastronomie-Mitarbeiter, der wegen einer Diskussion um drei noch nicht bezahlte Krügeln Bier einer Gruppe vollkommen ausgerastet ist, feiert das „Fest der Rache“ auf seine Weise. Er klappt den nach einem Gewitter nassen Schirm ohne Vorwarnung und in Blitzestempo einfach zu, was in einem Wasserschwall auf die Gäste endet.

Das hat die Gruppe von zwanzig Leuten, die vorher ordentlich konsumiert haben, eigentlich nicht verdient. Denn schließlich hat die Bunkerei mit den renommierten Fotografinnen und Fotografen, die sich das Lokal für den monatlichen Stammtisch ausgesucht haben, ordentlich Umsatz gemacht. Alle haben gegessen und getrunken, haben sich gesittet über Fotografie, Geräte und die Branche unterhalten und insgesamt sicher mehr als gute 500 Euro in die Kasse des Lokals gebracht.

Freuen wird der Ausraster des Kellners sicher auch seinen Chef. Weil eine andere Fotografengruppe eine kleine Feier nicht in diesem Lokal abhalten wird. Die wurde nämlich gleich lautstark ausgeladen. Wieviel Umsatz dem Lokal damit entgeht, ist leicht auszurechnen: 50 Leute, von denen die meisten mehr als 20 Euro für Speis’ und Trank auszugeben bereit sind, werden wohl eine andere Örtlichkeit wählen. Eine gastfreundlichere.

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Schlagworte: Augarten Wien, Bunkerei, Gastronomie, Stadt, Wien, Zwangsbeglückung,

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10 Kommentare zu „Bunkerei im Augarten“: Der Herr Kellner rastet aus.

  1. Hugo Gold sagt:

    na bumm, aber ehrlich gesagt, mir ist schon der lokalname unsympatisch. gibts eigentlich schon eine reaktion des betreibers?

  2. jan sagt:

    Hallo, hier meldet sich der Chef persönlich. Wie Christian Kreuziger ganz richtig anmerkte, freut mich der Vorfall natürlich sehr ;-). Nun mal die Angelegenheit, wie sie mir die KellnerInnen schilderten:

    Wie oft bei großen Gruppen, ergibt sich beim Bezahlen am Ende manchmal ein Rest an Getränken, die zwar bonniert wurden, die von den Gästen aber nicht mehr sicher zugeordnet werden können. Meistens kann man es im Gespräch aufklären. Im heurigen Jahr war es das 2. Mal, wo das nicht der Fall war. Für die Kellner ist das natürlich sehr blöd, weil sie es von ihrem eigenen Geld ausgleichen müssen, wenn die Kasse nicht stimmt. Bei 3 Getränken ist das der Lohn für ca. 1 Arbeitsstunde. Es ist also verständlich, dass ein Kellner hier nur wenig Spaß versteht, besonders bei den derzeitigen Arbeitstemperaturen. Nach Auskunft des Kellners hatte die Gruppe das ganze eher spaßig aufgefasst und schien an einer seriösen Aufklärung nicht interessiert. Der Kellner fühlte sich schlichtweg ignoriert. Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen, die offenen Getränke jener Person zu zu ordnen, welche sie bestellt hatte, meinte der Kellner dann, dass die Veranstaltung damit geschlossen sei und hat den Sonnenschirm abgespannt. Dieser war vom Regen nass, was die Gäste dann zu spüren bekamen. Ein kleiner Ausraster also.

    Dies also die Darstellung des Kellners, die von anderen KollegInnen geteilt wird.

    Meine Meinung dazu: Erstens mal tut mir es leid, wenn so etwas bei uns vorkommt – echt blöd. „Entschuldigung“. Zweitens mal sage ich an dieser Stelle, dass Toni – besagter Kellner – bereits mehrere Jahre bei uns arbeitet und ich eine sehr hohe Meinung von ihm habe. Das ein solcher Vorfall nur auf seine „rotzfreche“ Art zurück zu führen sei, das schließe ich aus. Da muss auch etwas von der anderen Seite vorgefallen sein, das kann ich einmal pauschal behaupten und die Schilderung der Kellner geben ja auch ein paar Anhaltspunkte. Ansonsten hatte ich heute versucht, die Angelegenheit mit dem Organisator aus zu reden. Das Bedürfnis einer kleinen Rache scheint aber größer zu sein, als die Sache aus dem Weg zu räumen. So, ich muss jetzt wieder an die Arbeit, wir haben heute eine große Gruppe draußen…

  3. Stefan sagt:

    Ich hatte dieses Jahr schon mehrfach sehr schlechte Erfahrung in der Bunkerei gemacht. Das Essen ist wenn’s hoch kommt substandard, das Personal absolut unmöglich – man bekommt schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn man was bestellt. Ein freundlicher Ruf nach Betreuung wird meist mit einem Killerblick quittiert. Wasser? „Bitte selber holen!“. Und die Kinderstühle sind derart versifft, dass man einen Kärcher benötigte. Und manchmal, an ganz schönen Tagen, ist der halbe Gastgarten gesperrt!?

    Es ist halt zum heulen, dass man so ein Lokal derart runterkommen lässt. Etwas motivierteres Personal, einfach-bodenständige aber gute Küche und alle wären glücklich.

    Vielleicht sollte man dem Verpächter (Stadt Wien) mal was flüstern?

    PS: Und nein, die Schnösel-Bude bei der Manufaktur ist keine Alternative…

  4. otto hamm sagt:

    also, bei fotografen die zechprellen wollen, geht das gar nicht;-)

  5. Ergänzende Anmerkungen:

    1. Trotz Zusage bei der Reservierung wurde beim Einsetzend es Gewitters der ursprünglich angebotene Raum nicht geöffnet.

    2. Noch nie blieben in dieser Gruppe beim Inkasso Getränke über. Es waren alle irritiert, dass drei Krügeln offen waren, die wurden dann auch bezahlt.

    3. Den Vorwurf, dass niemand an Aufklärung interessiert war, muss ich zurückweisen. Selbstverständlich wollen wir Unklarheiten beseitigen.

    4. Niemand hat ein Bedürfnis nach „kleiner Rache“. Es war vielmehr der Kellner, der gemeint hat, die Reservierung für kommenden Freitag könnten wir vergessen. Dass niemand, der den Vorfall miterlebt hat (es waren mehrere von uns waschelnass!) noch einmal in die Bunkerei gehen will, ist wohl verständlich.

    5. Es stimmt nicht, dass der Kellner „die Veranstaltung geschlossen hat“, weil es um die offenen Getränke ging. Vielmehr begann er bereits gegen 22:00 abzukassieren, obwohl die Sperrstunde offiziell (siehe Homepage der Bunkerei) mit 23:00 angegeben ist.

    6. Die „Sache aus dem Weg zu räumen“ kann wohl wirklich nicht die Aufgabe unzufriedener und beschimpfter Gäste sein.

  6. admin sagt:

    Die Antwort von Gerhard Hinterleitner auf Facebook zu den Argumenten des Bunkerei-Chefs:
    „Muss als Organisator anmerken, dass ich gestern das Lokal ebenfalls früher verlassen habe. Ich hatte heute ein längeres Meeting und wollte am Nachmittag die Reservierung für Freitag bestätigen, auch um zu klären, dass wir im Fall eines Gewitters diesmal sicher die Räume innen nutzen könnten, wie es ja schon für den gestrigen Termin vereinbart war – aber nicht eingehalten wurde. Zu diesem Zeitpunkt war mir die Tragweite des Vorfalls noch überhaupt nicht klar, ich hatte die Postings auf Facebook noch nicht gelesen und wusste auch nicht, dass von Seiten des Kellners neben der Taufe der Gäste auch noch das Lokalverbot für Freitag ausgesprochen worden war. Übrigens 2 völlig verschiedene Termine und Gästegruppen, also ein unglaublicher Übergriff, da ich als Organisator ja gar nicht mehr da war und es unerhört ist, die Reservierung für eine ganz andere Gruppe aufzukündigen, wenn man mit der einen Gruppe Streit hat. Ich hab nach Lesen der ersten Postings mit Christian Kpunkt telefoniert und fand es danach angebracht, ein neues Lokal zu buchen, was für 50 Leute ohnehin schwer genug ist. Die Reservierung in der Bunkerei hab ich daher in diesem zweiten Telefonat abgesagt, mit der klaren Begründung, dass wir unter diesen insgesamt unerfreulichen Umständen nicht mehr kommen wollen. Das hat nichts mit Rache zu tun. Ich hatte zum Zeitpunkt meines zweiten Telefonats noch gar nicht bemerkt, dass mich der Chef der Bunkerei angerufen und eine Nachricht hinterlassen hatte, um den Vorfall mit mir zu besprechen. Also bitte keine Verschwörungstheorie konstruieren. Nach einem derartigen Vorfall die logische Reaktion der Gäste auf Facebook als Rache zu bezeichnen, halte ich eher für eine Unterschätzung von Social Networks. Damit müssen Sie heute immer rechnen.“

  7. Dieter sagt:

    Wie schade, dass ich nicht dabei war, mit dämlichen Kellnern umzugehen ist eine meiner Spezialitäten 🙂 Falls bei dem Vorfall Kameras nass und damit beschädigt worden sind, empfehle ich Schadenersatzforderungen an den ungeflegelten Ober!

  8. wauwau sagt:

    Ich vermute ein Attentat der Kammer: Die Gastronomie ist eines der letzten reglementierten Gewerbe, da leistet man sich gegenseitig schon mal Schützenhilfe. Der Kellner hat am Ende der Veranstaltung kurz spitzgekriegt, dass Liberalisierer das Lokal unterwandert haben, und – zack! Aus die Maus! Wo täten wir denn da hinkommen, wenn auch in anderen Gewerben, in denen Befähigungsnachweise noch immer die turmhohe österreichische Qualität sichern, die Gäste zu sudern anfangerten?

  9. Alex sagt:

    Also ich war noch einer der letzten Gäste die an der Schank standen bevor der betrieb geschlossen wurde.
    Bei dem Wetter auch nachzuvollziehen.
    Ich finde was hier alles gepostet wird grenzt ja bald an Rufmord. Ich habe den Vorfall auch miterlebt und wenn man sich einen Sonnenschirm mal näher ansieht weiss man auch das sich da gar kein Wasser sammeln kann das jemand Waschelnass wird, wenn diese Leute Angst vor Wasser haben will ich gar nicht wissen , naja ich ja keinen beleidigen. Ich finde das sich die Bunkerei in den letzten 3 Jahren sehr positiv verändert hat. Die Gesellschaft hatte einfach nur den falschen Tag erwischt. So wie ich den Kellner kennenlernte glaub ich auch nicht das er absichtlich jemanden Schaden zufügen wollte. Vielleicht sollten die besagten Leute einmal mit ihm reden bevor sie soviel Schwachsinn ins Netz stellen. Ich werde sicher wieder kommen.

  10. .C. sagt:

    Ich bin in so einem Fall ja wirklich geneigt eher dem Kellner und dem Chef zu glauben. Vor allem, wenn es sich um große Gruppen handelt und Alkohol konsumiert wurde. Ein Einzelner ist schnell mal provoziert. Und bei großen Gruppen, die viel konsumieren ist es fast immer so, dass mal wer was „vergisst“, vor allem dann wenn einzeln bezahlt wird. Im Normalfall zahlt dann schon irgendwer aber häufig kommt es halt vor, dass die Gastromtarbeiter nicht sonderlich freundlich behandelt werden…

    Was mich allerdings stutzig gemacht hat war folgende Aussage vom Besitzer: „ Bei 3 Getränken ist das der Lohn für ca. 1 Arbeitsstunde.
    Zufällig weiß ich, dass ein Krügerl in der Bunkerei mindestens 3,70 kostet. Bei 3 Krügerl wären das 11,10€. Ich vermute, der Bunkereichef könnte sich vor Bewerbungen gar nimmer retten, würde er tatsächlich netto 11,10€ pro Stunde bezahlen.

    Andererseits, als Kellner wäre ich auch angefressen, wenn mir 11,10€ offen bleiben. (Und vermutlich auch noch blöd angemacht werde…)

    Steht wohl Aussage gegen Aussage. Ich geh so oder so ungern in die Bunkerei, weil ich die Kombination aus Service, Geschwindigkeit und Preisgestaltung nicht sonderlich ansprechend finde. Von daher hat die ganze Geschichte keine Auswirkung auf mein Verhalten.

    Ansonsten kann ich nur sagen: Fehler passieren. Wenn sonst immer alles gepasst hat, sollte es eigentlich mit einer Entschuldigung getan sein. Oder soll der Chef einen langjährigen Mitarbeiter rauswerfen, damit der ohne Job da steht, damit ein paar Leute sich weniger in ihrer Ehre gekränkt fühlen? (Finde ich gut, wenn Chefs sich hinter die Angestellten stellen und deren Urteilvermögen vertrauen, denn in der Gastro hat man es häufig mit unguten Gästen zu tun…)

    Da fände ich schon besser wenn der Kellner sich in einem Akt der Reue rituell selbst tötet! Eventuell könnte man die Fotografen dazu einladen, damit sie auch finanziell für den zugefügten Schaden ein wenig entschädigt werden, denn die Fotos lassen sich sicher gut verkaufen 😉

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