AWD: Finanzberater mit Hoheitsauftrag

Dem wegen großer Verluste vieler Kunden unter Beschuss gekommene Finanzdienstleister „AWD“ scheint der Republik vertrauensvoll genug zu sein, die amtliche „Bürgerkarte“ zu aktivieren. Das ist aufklärungsbedürftig.

Ausgerechnet der wegen unzufriedener Kunden in Auseinandersetzungen befindliche Finanzdienstleister „AWD“ darf die Bürgerkarte freischalten. © Christian M. Kreuziger

Die „AWD Gesellschaft für Wirtschaftsberatung GmbH“, deren Zentrale in Österreich auf dem Rennweg in Wien firmiert, ist seit mehr als einem Jahrzehnt im Visier der Konsumentenschützer. Der Grund: Viele Kunden haben ihr Geld so investiert, wie es ihnen die Berater des AWD geraten haben und dabei Verluste erlitten.

In manchen Fällen konnte der Verein für Konsumentenschutz erfolgreich intervenieren wenigsten die Verluste ein wenig reduzieren, tausende Anleger fühlen sich noch immer geschädigt und eine Reihe von Gerichtsverfahren ist im Gang oder geplant.

Dieses Unternehmen, das Anlagegeschäfte, Versicherungen und andere Finanzprodukte mittels Multilevelmarketing, einer Art Schneeballsystem, vertreibt, hat in den letzten Jahren also massiv an Vertrauen verloren.

Umso überraschender ist es, dass die „Bürgerkarte“ ausgerechnet bei den Niederlassungen dieses privaten Unternehmens aktiviert werden kann. AWD findet sich auf der offiziellen Homepage als Registrierungsstelle neben Sozialversicherungen, dem Servicecenter des Bundeskanzleramts oder der Wirtschaftskammer angeführt.

Die „Bürgerkarte“ ist eigentlich meist die allseits verwendete eCard (auch Bankomatkarten oder andere Chipkarten sind dafür geeignet), mit der das Leistungsspektrum der Plastikkarte neben Arztbesuchen auf Kassenkosten nach dem Freischalten vielfach erweitert werden kann. Steuererklärungen können damit ebenso vom eigenen PC aus beim Finanzamt eingereicht werden wie Anträge für die Pension, im Firmenbuch können Änderungen vereinfacht eingetragen werden oder – was viele Freiberufler schätzen – Honorarnoten gültig signiert und daher schnell via E-Mail verschickt werden.

Offizielle Bürgerkarten-Homapage

Dass ausgerechnet ein Unternehmen, das hohes Interesse an persönlichen Daten hat, diese quasi amtliche Funktion übertragen bekommen hat, ist erstaunlich. Zumal diese Dienstleistung sicher nicht gratis erfolgen dürfte.

Aufklärungsbedürftig ist jedenfalls die Tatsache, wie es der AWD überhaupt geschafft hat, diese öffentliche Aufgabe übertragen zu bekommen. Vor allem, weil man mit eCard und amtlichen Lichtbildausweis vorsprechen muss. Was sicher das Anwerben neuer Kunden sehr erleichtern dürfte.

Weblinks:

Infos über die „Bürgerkarte“

Verein für Konsumenteninformation gegen AWD

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Schlagworte: Anlagegeschäfte, AWD, Österreich, Bürgerkarte, Chipcard, Chipkarte, E-Governement, eCard, Gesetz, Medien, MLM, Multilevel Marketing, Politik, Sicherheit, Verein für Konsumenteninformation, Versicherungen, VKI, Zwangsbeglückung,

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5 Kommentare zu AWD: Finanzberater mit Hoheitsauftrag

  1. Als nächstes kann man mit der ecard Bordelle besuchen, Glückspiele fröhnen, Pornos genießen, Politiker als Sachwalter einsetzen und sonst noch alles Lustige fröhnen. In welchen Land leben wir?

  2. Rudi sagt:

    Das finde ich aber mehr als interessant.
    Ich habe selbst zu der Zeit, als AWD täglich negativ in allen Gazetten zu finden war ebenfalls ein sehr negatives Erlebnis mit dieser Finanzgruppe und viel Geld verloren.

    Was bleibt da zu sagen : “ Typisch Österreich!!!“
    Manches Mal möchte man doch wirklich seine Koffer packen, sich eine kleine Insel kaufen und weg von all diesen Ausbeutern, Selbstdarstellern und das Wort, das ich jetzt am Liebsten verwenden würde darf ich sicher nicht niederschreiben ……….
    ———————————–

    Was ich aber noch viiiiiiiiiel interessanter finde – wenn ich als „Regionaut“ beid er BZ ab und an vielleicht meine Meinung kundgeben möchte muss ich so viele „Bedingungen“ unterschreiben und akzeptieren, dass das Interesse daran sofort auf ein „0“ zusammenschrumpft.
    Wirklich, das Leben in diesem Staat und die Bedingungen werden immer unlustiger.

  3. Peter Pan sagt:

    AWD ist der böse Finanzberater und der Blog enthält Banner-Werbung für eine 12%ige Gelanlage in der Schweiz. Wie seriös ist das denn?

  4. admin sagt:

    Anmerkung: Redaktion und Anzeigen sind strikt getrennt.

  5. antschitant sagt:

    absolut. leider mal wieder maulkorb. bitte unbedingt recherche. es geht dabei auch um ausschreibungen von IT-dienstleistungen. und gerade im öffentlichen sektor sind die verstrickungen genau zu beobachten. die geschichte mit dem AWD stinkt zum himmel. wenn der AWD sich als irgendeine rechtsperson in die republik einkauft, kriegen wir unter garantie eine auf den deckel, und das ganz stillos. das ist berlusconi-schule, 1. klasse. zwielichtige finanzdienstleister finanzieren vor und ziehen über umwege ölffentliche gelder ab, welche der privatwirtschaft zustehen. vielleicht sollte mal in richtung eigentum ehemalige schlachthöfe u umgebung, öffentlich rechtliche und public sector schaun. die bürgerkarte ist EIN weg, um an das konsumverhalten der bürger zu kommen. funktioniert die EDV infrastruktur, kann theoretisch jede art von karte über ein system laufen. es ist ein leichtes, e-card, credit-card, bankomat etc infos in einem datenpool zusammenlaufen zu lassen, wenn die „richtigen“ leute (geld und freunderln) zusammenarbeiten. so, maulkorb wieder auf. ist ja auch nur theorie. auch dass der AWD seinen keilern spezialausbildungen angedeihen läßt, welche an eine bestimmte institution erinnern könnten. mir fällt jetzt der name nicht ein, hat aber was mit gut abzuzockbaren moviestars zu tun….aber wie gesagt, es ist alles nur graue theorie und es gilt in jedem fall die unschuldsvermutung.

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